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Wilde Karotte (Wilde Möhre)

Daucus carota L. subsp. carota
WofürZum Nachlesen über die Überlieferung und zum Kennenlernen einer Pflanze mit tödlich giftigen Doppelgängern.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
48Regionale historische Bedeutung
SicherheitMit VorsichtDie Wilde Möhre ist als Vorsicht und nicht als sicher eingestuft, weil drei echte Gefahren zusammenkommen. Wer sie sammelt, kann sie mit tödlich giftigen Doppelgängern verwechseln. Hautschäden nach Pflanzenkontakt und Sonnenlicht sind dokumentiert. Der Samen ist als menstruationsfördernd überliefert und wirkt im Tierversuch auf Gebärmutter und Hormone. Deshalb ist die Schwangerschaft eine klare Gegenanzeige.
Tradition
Übliche Zubereitungen
TeeAbkochungTinkturSamenSamenölExtrakt

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Die Wilde Möhre ist die Wildform der Karotte, und ihre schriftliche Geschichte ist alt und erstaunlich genau. Dioskurides widmet ihr im ersten Jahrhundert ein eigenes Kapitel, beschreibt die weiße Dolde mit der kleinen purpurnen Blüte in der Mitte und nennt den Samen menstruationsauslösend und hilfreich bei schmerzhaftem Wasserlassen und Wassersucht. Die Wurzel nennt er harntreibend und lustfördernd. Avicenna verzeichnet um 1025 ganz ähnliche Anwendungen in der persischen und arabischen Medizin. Culpeper wiederholt sie 1653 auf Englisch samt der Dolde, die sich zum Vogelnest schließt. Maud Grieve gibt 1931 noch einen Hausaufguss an. Eine Übersicht zu Rumänien und seinen Nachbarländern setzt Daucus carota nach einem errechneten Index zur Hautheilkunde auf Platz vier von 106 Pflanzen, und bei einer Befragung im libanesischen Schuf gehört sie zu den meistgenannten Heilpflanzen. Ein guter Teil dieser Übereinstimmung wurde allerdings von Buch zu Buch weitergegeben.

Drei Pflanzenteile kommen in der Überlieferung vor, und sie sind nicht austauschbar. Die reife Frucht, meist Samen genannt, trägt das ätherische Öl und die Überlieferung zu Menstruation und Fruchtbarkeit. Das Kraut kommt in den Tee gegen Harnbeschwerden. Die dünne, blasse, holzige Wurzel hat mit der dicken, süßen Küchenkarotte wenig gemein. Die Chemie schwankt stark nach Herkunft und Pflanzenteil. Je nach Population bestimmen Geranylacetat, alpha-Pinen, Sabinen oder Carotol das ätherische Öl. Carotol gehört zu den Sesquiterpenen, einer Gruppe von Ölbestandteilen. Dazu kommen Falcarinol aus der Stoffgruppe der Polyacetylene, Flavonoide wie Luteolin und Quercetin sowie Furanocumarine. Flavonoide sind Pflanzenstoffe, zu denen auch viele Farbstoffe gehören. Furanocumarine machen die Haut lichtempfindlich. Am Menschen ist kaum etwas untersucht. Eine kleine placebokontrollierte Studie hat Karottensamen allein geprüft, bei Frauen mit geringem sexuellem Verlangen, und höhere Fragebogenwerte gefunden, eine unabhängige Wiederholung ist nicht bekannt. Die weiteren hier beschriebenen Studien am Menschen gaben Daucus carota in einer Mischung oder zusätzlich zu einem Arzneimittel. Weitere zitierte Arbeiten sind Versuche an Zellkulturen und Nagetieren, und die maßgebliche Übersicht von 2023 hält fest, dass gut geplante Versuche im Labor, an Tieren und am Menschen noch nötig sind.

Das aktuelle EMA Verzeichnis und die Liste der Kommission E enthalten keine Anwendungsmonografie für die Wilde Möhre. Im EU Register findet sich keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Karotte. Drei Gefahren verlangen besondere Vorsicht. Tödlich giftige Verwandte wie Gefleckter Schierling und Wasserschierling sehen ihr ähnlich. Bestimme die Pflanze nie an einem einzelnen Merkmal und lass sie bei Unsicherheit stehen. Der Stängel ist meist borstig, kann aber im Alter hohl werden, und eine dunkle Mittelblüte kommt nur gelegentlich vor. Ein Fallbericht beschreibt Hautschäden nach Umschlägen mit einer Abkochung und Sonnenkontakt. Die Frau berichtete später, braune Flecken seien nach etwa drei Monaten verblasst. Der Samen ist als menstruationsfördernd überliefert, Tierversuche zeigen Wirkungen auf Einnistung und Hormone. Meide die Pflanze in Schwangerschaft und Stillzeit. Eine verlässliche Prüfung als Verhütungsmittel am Menschen fehlt. Verwende sie nie zur Familienplanung.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
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In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Die Wilde Karotte, auch Wilde Möhre genannt, ist Daucus carota L. subsp. carota, die Wildform der Gartenkarotte. Die orange Kulturkarotte gehört zur selben Art, aber zur Unterart Daucus carota subsp. sativus. Die Wildform ist meist ein zweijähriger Doldenblütler aus der Familie der Apiaceae, heimisch in Europa einschließlich Österreichs, im gemäßigten Asien und in Nordafrika und weltweit eingebürgert. In der Überlieferung kommen drei Pflanzenteile vor, die nicht austauschbar sind. Die reife Frucht, meist Samen genannt, trägt das ätherische Öl und den stärksten Ruf, dazu kommen das Kraut und die dünne, blasse, holzige Pfahlwurzel, die nicht das Küchengemüse ist. Zu den Inhaltsstoffen zählt ein ätherisches Öl mit Geranylacetat, alpha-Pinen, Sabinen und Carotol. Carotol gehört zu den Sesquiterpenen, einer Gruppe von Ölbestandteilen. Dazu kommen Falcarinol aus der Stoffgruppe der Polyacetylene und Flavonoide wie Luteolin und Quercetin. Flavonoide sind Pflanzenstoffe, zu denen auch viele Farbstoffe gehören. Furanocumarine sind Pflanzenstoffe, die die Haut lichtempfindlich machen.

Das aktuelle EMA Verzeichnis und die Liste der Kommission E enthalten keine Anwendungsmonografie für Daucus carota. Im EU Register findet sich keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Karotte. Die Risiken sind ernst. Unter den Doldenblütlern hat die Wilde Möhre tödlich giftige Verwandte, die ihr ähnlich sehen, vor allem den Gefleckten Schierling und den Wasserschierling. Ihre Furanocumarine können auf sonniger Haut schmerzhafte Verbrennungen auslösen, und ihr Samen gilt seit Dioskurides als menstruationsfördernd, gestützt von Tierversuchen. Deshalb ist die Schwangerschaft eine klare Gegenanzeige.

02
Geschichte

Geschichte

Die schriftliche Überlieferung ist alt und erstaunlich genau. Dioskurides behandelt die Pflanze um 50 bis 70 nach Christus in De Materia Medica, Buch drei, Kapitel 59, und nennt die wilde Form staphylinos agrios, die Gartenform staphylinos kepaios. Er beschreibt eine weiße Dolde mit etwas Kleinem von purpurner Farbe in der Mitte. Eine solche Blüte kommt nur gelegentlich vor. Der Samen, als Trank genommen oder als Zäpfchen eingeführt, löse die Menstruation aus, fördere aber auch die Empfängnis und helfe in flüssigen Arzneien bei häufigem, schmerzhaftem Wasserlassen, Wassersucht und Rippenfellentzündung. Die Wurzel treibe den Harn und rege die Lust an. Dioskurides hält auch die römischen Namen carota und pastinaca rustica fest. Die Übersicht von Ismail und Kollegen aus dem Jahr 2023 beschreibt die Pflanze als römisches Mittel zur Verhütung nach dem Geschlechtsverkehr. Avicennas Kanon der Medizin, um 1025 abgeschlossen, führt Blatt und Wurzel als harntreibend und den Samen als harntreibend, menstruationsfördernd und stauungslösend.

Die englischen Kräuterbücher griffen diese Anwendungen auf. Nicholas Culpeper widmet seinen Eintrag Carrots 1653 vor allem der wilden Art, weil seiner Ansicht nach wilde Kräuter in der Heilkunde fast immer kräftiger wirkten als die Gartenformen. Er beschreibt die Dolde, die sich zur Samenreife zusammenzieht, bis der ganze Kopf wie ein Vogelnest aussieht, und ordnet die Wilde Möhre dem Merkur zu. Sie vertreibe Blähungen, treibe Harn und Menstruation und helfe, den Stein zu brechen und auszutreiben, und der Samen wirke ebenso. 1931 führt Maud Grieve das ganze Kraut noch als harntreibend und stauungslösend. Sie nennt einen Hausaufguss von einer Unze Kraut auf ein Pint kochendes Wasser, weinglasweise getrunken. Den zerstoßenen Samen beschreibt sie als Mittel gegen Blähungen und zur Förderung der Menstruation. Eine Studie, die traditionelle Pflanzenanwendungen in Rumänien und seinen osteuropäischen Nachbarländern zahlenmäßig erfasst, setzt Daucus carota nach der Bedeutung für die Haut auf Platz vier von 106 Arten. Im libanesischen Biosphärenreservat Schuf gehört die Pflanze zu den meistgenannten Heilpflanzen, vor allem bei Nierensteinen sowie Harnwegs- und Darminfekten, als Abkochung aus Samen oder Kraut. Für Österreich, wo die Wilde Möhre im Sommer an vielen Wiesen- und Wegrändern blüht und die Stammform der Gartenkarotte ist, fand sich dagegen kein schriftlicher Beleg für ein Hausmittel aus der Wildform.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Die Chemie der Wilden Möhre wird vom ätherischen Öl der reifen Frucht und der blühenden Dolden bestimmt. Sie schwankt so stark nach Herkunft und Pflanzenteil, dass Werte einer Population nicht für eine andere gelten. Ein portugiesisches Öl der subsp. carota enthielt rund 29 Prozent Geranylacetat, 27 Prozent alpha-Pinen und 9 Prozent 11-alpha-H-Himachal-4-en-1-beta-ol. Andere Populationen werden vom Sesquiterpen Carotol oder von beta-Bisabolen bestimmt, und algerisches und libanesisches Material wird wiederum von anderen Stoffen bestimmt. Außer dem Öl enthält die Pflanze das Polyacetylen Falcarinol, auch Carotatoxin genannt, Flavonoide wie Luteolin, Apigenin, Quercetin und Kämpferol sowie Methylisoeugenol und Elemicin. Die beiden gehören zu den Phenylpropanoiden, einer weiteren Gruppe von Pflanzenstoffen. Für die Sicherheit sind zwei Stoffgruppen wichtig. Furanocumarine wie Psoralen, Xanthotoxin und Bergapten machen die Haut lichtempfindlich. In frischen Karottenwurzeln, also in derselben Art, wurden Bergapten und Xanthotoxin gefunden. Verlässliche Messwerte für die Wilde Möhre selbst fehlen. Außerdem wird Methyleugenol für Daucus carota L. berichtet. Die EMA nennt die Art deshalb in ihrer Stellungnahme von 2005 zu methyleugenolhaltigen pflanzlichen Arzneimitteln. Sie steht dort unter den Pflanzen, für die ein Vorkommen berichtet, der Gehalt aber nicht bestimmt wurde.

Was das Labor zeigt, stammt aus Zellkulturen und Tierversuchen. Das ätherische Öl der subsp. carota hemmte im Labor grampositive Bakterien, den Hefepilz Cryptococcus neoformans und Hautpilze in niedrigen Konzentrationen. In Fresszellen, die mit einem Bakterienbestandteil (Lipopolysaccharid) gereizt worden waren, senkte es die Bildung von Stickstoffmonoxid um rund 20 Prozent. Ein Ölextrakt aus den Dolden und seine Fraktionen fingen in chemischen Tests Radikale, besonders reaktionsfreudige Teilchen, ab und schützten bei Mäusen die Leber vor Tetrachlorkohlenstoff. Mit dem Lösungsmittel Pentan gewonnene Fraktionen bremsten in der Zellkultur das Wachstum menschlicher Darmkrebszellen und lösten dort den programmierten Zelltod aus, indem sie die Signalwege MAPK und PI3K hemmten. Diese Wege leiten Signale innerhalb der Zelle weiter. Der Extrakt verringerte bei Mäusen außerdem chemisch ausgelöste Hautpapillome, warzenartige Hautgeschwülste. Am Menschen ist nichts davon geprüft. Furanocumarine können nach Kontakt mit der Haut und langwelligem UV-Licht Hautschäden auslösen. Ein Fallbericht beschreibt solche Schäden nach Umschlägen mit einer Abkochung und Sonnenkontakt. Welche phototoxischen Stoffe nach dem Kochen enthalten waren, wurde nicht gemessen. Getrennt davon senkten Samenfraktionen von Daucus carota schon 1972 die Fruchtbarkeit weiblicher Ratten, und eine Arbeit von 1976 berichtete von östrogenen und schwangerschaftsverhindernden Wirkungen. Darauf stützt sich die Gegenanzeige in der Schwangerschaft.

Die hier beschriebenen Studien am Menschen stammen aus Forschungsgruppen der persischen Medizin im Iran. Sadeghi und Kollegen verteilten 2020 insgesamt 68 Frauen mit anhaltend geringem sexuellem Verlangen per Los auf zwei Gruppen. Die eine nahm zwölf Wochen lang dreimal täglich 500 mg Karottensamen, die andere ein Placebo. Je 30 Frauen beendeten die Studie. In der Samengruppe lagen der Gesamtwert und alle sechs Teilwerte des Female Sexual Function Index, eines Fragebogens zur Sexualfunktion, statistisch gesichert höher. Unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet. Die Schlussfolgerung spricht von sechs Wochen, obwohl der Methodenteil zwölf beschreibt. Die Studie nennt Daucus carota, die wilde Unterart ist damit nicht belegt. Eine unabhängige Wiederholung dieses Ergebnisses ist nicht bekannt. Molkara und Kollegen prüften 2018 acht Wochen lang täglich 30 g einer Halva bei Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen, allein oder zusammen mit einer Schulung in persischer Medizin. Das Lebensmittel enthielt gekochte Karottenwurzel und wässrigen Samenextrakt, dazu unter anderem Mandeln, Pistazien, Safran und Honig. Die Vergleichsgruppe erhielt nur die Schulung. Die Studie war unverblindet und hatte keine Placebogruppe. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht dem Samen allein zuschreiben. Mousavi Khorshidi und Kollegen prüften 2025 bei Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit Kapseln mit einem mit Alkohol und Wasser aus Samen gewonnenen Extrakt zusätzlich zum Fruchtbarkeitsmittel Clomifen. Ohne Lebensstiländerung war diese zusätzliche Behandlung bei keinem der gemessenen Endpunkte statistisch gesichert besser als Clomifen allein. Rouhani und Kollegen prüften 2019 bei übergewichtigen Teilnehmerinnen mit polyzystischem Ovarsyndrom, einer Hormonstörung, eine Mischung aus fünf Kräutern einschließlich Daucus carota zusätzlich zum Diabetesmittel Metformin. Auch diese Kombination belegt keine Wirkung der Pflanze allein.

Weitere zitierte Arbeiten stammen aus dem Labor und aus Tierversuchen. Alves-Silva und Kollegen untersuchten 2016 das ätherische Öl der subsp. carota. Im Labor hemmte es Bakterien, Pilze und Biofilme und wirkte mäßig entzündungshemmend. Als Antioxidans schnitt es in chemischen Tests schwach ab. Eine libanesische Gruppe um Daher, Mroueh und Shebaby berichtete zwischen 2011 und 2015 über einen Ölextrakt der Wilden Möhre, der bei Mäusen die Leber schützte und Krebszelllinien in der Kultur schädigte. Die Übersichtsarbeit von Ismail und Kollegen fasste 2023 alles zusammen. Die Autorinnen und Autoren schreiben, gut geplante Versuche im Labor, an Tieren und am Menschen seien noch nötig, um Sicherheit und Wirksamkeit der wilden Daucus carota für die Anwendung beim Menschen zu belegen. Sie bemängeln außerdem, dass viele Arbeiten Unterart und Pflanzenteil nicht angeben.

04
Wirksamkeit

Wirksamkeit

5 Outcomes evaluiert. Sortierung: Note absteigend.
ZielKlasseNoteWirkungStudien
Historische Überlieferung, keine Studienpopulation
Nur traditionelle Anwendung
Frauen im fruchtbaren Alter, 68 per Los auf die Gruppen verteilt, 60 schlossen die Studie ab
Höhere Werte in einer kleinen Studie1 Studie
Weibliche Ratten, Mäuse und Kaninchen, keine Daten am Menschen
Nur Tierversuche, ein Warnzeichen3 Studien
Kulturen von Bakterien, Hefen und Hautpilzen im Labor
Nur im Labor2 Studien
Menschliche Zelllinien in der Kultur und Mäuse, keine Daten am Menschen
Nur Zellkultur und Maus4 Studien
05
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

Die überlieferten Zubereitungen sind einfach und werden hier beschrieben, nicht empfohlen. Grieve beschreibt 1931 einen Aufguss von einer Unze Kraut auf ein Pint kochendes Wasser, weinglasweise getrunken, als Tee abends und morgens. Für den zerstoßenen Samen nennt sie etwa ein Drittel bis einen ganzen Teelöffel. Dioskurides nennt den Samen als Trank und als Zäpfchen. Die Studie von 2020 verwendete dagegen Kapseln mit je 500 mg Karottensamen, dreimal täglich, und die Studie von 2018 eine süße Halva aus gekochter Karottenwurzel und wässrigem Samenextrakt mit Mandeln, Pistazien, Safran, Honig und weiteren Zutaten. Halte Haut, die mit der Pflanze oder einem Umschlag daraus in Berührung kam, aus der Sonne. Im veröffentlichten Fallbericht entstanden nach einer selbst gekochten Abkochung und Sonnenkontakt Hautschäden. Ob und in welcher Menge phototoxische Stoffe das Kochen überstanden, wurde dort nicht gemessen. Keine Zubereitung macht eine falsch bestimmte Pflanze sicher. Sammle nur bei sicher geklärter Identität und lass unsichere Pflanzen stehen. Prüfe die örtlichen Sammelregeln und Verbote in Schutzgebieten.

Dosierung

Das aktuelle EMA Verzeichnis und die Liste der Kommission E enthalten keine Anwendungsmonografie mit einer geprüften Dosierung für die Wilde Möhre. Aus diesen Quellen ergibt sich daher weder eine Tageshöchstmenge noch eine Anwendungsdauer oder eine Dosierung für Kinder. Historische Mengen und Studienprotokolle sind keine Empfehlung. Grieve beschreibt einen Aufguss von einer Unze Kraut auf ein Pint Wasser, weinglasweise getrunken, und ein Drittel bis einen ganzen Teelöffel zerstoßener Samen. Die Studie von 2020 prüfte 500 mg Karottensamen dreimal täglich über zwölf Wochen. In der Studie von 2025 wurden täglich 2 g Kapseln mit einem mit Alkohol und Wasser aus Samen gewonnenen Extrakt über 90 Tage zusätzlich zu Clomifen gegeben. Diese Menge ist keine Angabe für rohe Samen. Wer ein Studienprotokoll zu Hause nachstellt, nimmt damit keine geprüfte Dosis für die Selbstbehandlung ein. Am schwersten wiegt die fehlende Dosis bei der Frage, wer die Pflanze überhaupt nehmen darf. Der Samen ist der Teil, der auf die Fortpflanzung wirkt, und in Schwangerschaft und Stillzeit geht es deshalb um vollständigen Verzicht und nicht um eine kleinere Menge. Auch wenn du eine Nierenerkrankung, Diabetes oder eine Allergie gegen Doldenblütler hast oder Lithium, Hormone, Blutdrucksenker oder lichtempfindlich machende Arzneimittel nimmst, such gar nicht erst nach einer Dosis. Für alle anderen ist die Wilde Möhre eine Pflanze zum Nachlesen und zum Bestimmen. Wenn du bei Harnwegs- oder Verdauungsbeschwerden ein Kraut verwenden möchtest, frag in der Apotheke oder bei deiner Ärztin oder deinem Arzt nach Zubereitungen mit geprüfter Dosierung.

Besondere Gruppen

Schwangerschaft und Stillzeit: meiden. Der Samen gilt seit Dioskurides als menstruationsfördernd, Tierversuche zeigen Wirkungen gegen die Einnistung und östrogene Effekte, und eine Übersicht zur persischen Medizin rät, die Pflanze wegen ihrer menstruationsauslösenden, abtreibenden und gebärmutteranregenden Wirkung in der Schwangerschaft zu meiden. Die östrogenartige Wirkung und fehlende Daten zur Stillzeit sprechen auch beim Stillen gegen jede Anwendung. Kinder: Für Kinder gibt es keine Daten und keine geprüfte Dosierung, gib ihnen die Pflanze deshalb nicht. Bei einer Nierenerkrankung meide sie wegen des reizenden ätherischen Öls. Bei Diabetes verzichte auf Zubereitungen aus Daucus carota, dazu rät die Übersicht zur persischen Medizin. Bei einer Allergie gegen Sellerie, Karotte, Beifuß oder Birkenpollen kannst du reagieren, weil Doldenblütler zum bekannten Kreuzreaktionsmuster von Sellerie, Karotte und Beifuß gehören. Wenn du Lithium, Hormonpräparate, Blutdrucksenker oder lichtempfindlich machende Arzneimittel nimmst oder eine UV-Lichttherapie bekommst, behandle die Pflanze als gegenangezeigt, bis deine Ärztin, dein Arzt oder die Apotheke sie geprüft hat.

06
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Die erste Warnung gilt der Bestimmung, denn in der Familie dieser Pflanze gibt es Arten, die töten. Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) gilt in der toxikologischen Literatur als eine der giftigsten höheren Pflanzen. Seine Piperidinalkaloide stecken in allen Pflanzenteilen, und eine Vergiftung kann über Krämpfe und Koma zum Tod führen. Der Wasserschierling, die Gattung Cicuta, enthält Cicutoxin, löst heftige Krämpfe aus und ist ebenfalls tödlich. Beide wachsen in denselben Landschaften wie die Wilde Möhre und sehen ihr für ungeübte Augen grob ähnlich. Eine sichere Bestimmung braucht die gesamte Pflanze und fachkundige Prüfung. Der gerillte, meist borstig behaarte Stängel, der Karottengeruch und die langen geteilten Hüllblätter können Hinweise geben. Ältere Stängel können hohl werden, und eine dunkle Mittelblüte ist nur gelegentlich vorhanden. Kein einzelnes Merkmal bestätigt die Identität. Lass eine unsicher bestimmte Pflanze stehen. Bei getrockneter oder geschnittener loser Ware lässt sich die Identität noch schwerer klären, deshalb zählt eine verlässliche Herkunft. Die zweite Warnung betrifft die Haut. Furanocumarine sind Pflanzenstoffe, die die Haut lichtempfindlich machen. Langwelliges UV-Licht aktiviert sie, und dann schädigen sie die Haut. 2011 beschrieb ein Fallbericht eine Frau, die drei Tage lang Umschläge mit einer Abkochung der Wilden Möhre auflegte, dabei in der Sonne war und Brennen und Rötung bekam. Sie berichtete später, die braunen Flecken seien nach etwa drei Monaten verblasst. Der Bericht maß die phototoxischen Stoffe nach dem Kochen nicht. Halte Haut, die mit der Pflanze oder einer Zubereitung daraus in Berührung kam, aus der Sonne, und meide die Pflanze ganz, wenn du lichtempfindlich machende Arzneimittel nimmst oder eine Lichttherapie bekommst. Die dritte Warnung betrifft die Fortpflanzung. Von Dioskurides über Avicenna und Culpeper bis Grieve gilt der Samen als menstruationsauslösend. Tierstudien von 1972 und 1976 berichten von Wirkungen gegen die Einnistung und von östrogenen Effekten. Eine Übersicht zur persischen Medizin kommt zu dem Schluss, dass die Pflanze wegen ihrer menstruationsauslösenden, abtreibenden und gebärmutteranregenden Wirkung in der Schwangerschaft zu meiden ist. Eine Verhütungsmethode ist diese Überlieferung nicht, denn für diesen Zweck fehlt eine verlässliche Prüfung des Samens am Menschen auf Wirkung, Dosis und Sicherheit. Dazu kommen gewöhnliche Vorsichtsregeln aus Nachschlagewerken und aus der Überlieferung. Bei einer Nierenerkrankung meide die Pflanze, denn ihr ätherisches Öl reizt die Nieren. Wenn du auf Sellerie, Karotte, Beifuß oder Birkenpollen allergisch reagierst, kann auch die Wilde Möhre eine Reaktion auslösen. Doldenblütler gehören zum bekannten Muster solcher Kreuzallergien mit Sellerie, Karotte und Beifuß. Hohe Dosen des Öls können die Nieren schädigen und Nervenbeschwerden auslösen. Eine Übersicht berichtet nach Peters 2014 von leichten Kopfschmerzen, Übelkeit, Ohrensausen und Bauchschmerzen, die von selbst abklangen. Unterart, Pflanzenteil und Zubereitung bleiben offen. Daraus folgt keine sichere Menge für die Wilde Möhre. Bei Diabetes rät die Übersicht zur persischen Medizin von Zubereitungen aus Daucus carota ab, weil der Samen harntreibend wirkt und die Wurzel bei Mäusen den Blutzucker senkte. Außerdem steht Daucus carota unter den Pflanzen, für die Methyleugenol berichtet wird. Die EMA stuft diesen natürlich vorkommenden Stoff als erbgutschädigend und krebserregend ein. Seine Aufnahme bei kleinen Kindern sowie bei Schwangeren und Stillenden soll möglichst gering bleiben. Für diese Gruppen ist eine längere oder konzentrierte Anwendung also auch deshalb nicht angebracht.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Eine amtliche Liste der Wechselwirkungen gibt es für die Wilde Möhre nicht. Die folgenden Hinweise stammen aus Nachschlagewerken und aus einer Übersicht zur persischen Medizin. Sie beruhen auf der harntreibenden und östrogenartigen Wirkung der Pflanze und nicht auf kontrollierten Wechselwirkungsstudien am Menschen. Nimm sie trotzdem ernst. Lithium: Die harntreibende Wirkung kann die Ausscheidung von Lithium verringern und seinen Blutspiegel erhöhen, und Lithium hat nur einen schmalen Sicherheitsbereich. Nimmst du Lithium, verzichte auf Zubereitungen der Wilden Möhre. Östrogenpräparate einschließlich Pille und Hormontherapie: Große Mengen Wilder Möhre sollen schwach östrogenartig wirken und können die Wirkung des verordneten Hormons abschwächen. Lichtempfindlich machende Arzneimittel, etwa manche Antibiotika, Entwässerungsmittel, Retinoide und Psoralene, sowie UV-Lichttherapie: Die zusätzliche Lichtempfindlichkeit erhöht das Risiko für Sonnenbrand, Blasen und Ausschlag. Blutdrucksenker: Große Mengen sollen den Blutdruck erhöhen und können so einer Blutdruckbehandlung entgegenwirken. Nachschlagewerke raten außerdem, die Pflanze mindestens zwei Wochen vor einer geplanten Operation abzusetzen, weil sie den Blutdruck beeinflussen kann. Wenn du auf ein Arzneimittel angewiesen bist und an eine konzentrierte Zubereitung der Wilden Möhre denkst, sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.

Gegenanzeigen

Schwangerschaft: ganz meiden. Der Samen gilt von Dioskurides bis Grieve als menstruationsfördernd, Tierversuche zeigen Wirkungen gegen die Einnistung und östrogene Effekte, und eine Übersicht zur persischen Medizin rät ausdrücklich, die Pflanze in der Schwangerschaft zu meiden. Stillzeit: meiden, wegen der berichteten östrogenartigen Wirkung und weil Daten zur Stillzeit fehlen. Kinder: nicht angebracht, da keine Daten für Kinder und keine bewertete Dosierung vorliegen. Bekannte Allergie gegen Doldenblütler oder gegen Sellerie, Karotte, Beifuß oder Birkenpollen, wegen möglicher Kreuzreaktionen (Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom). Bestehende Nierenerkrankung oder eingeschränkte Nierenfunktion, weil das ätherische Öl die Nieren reizt. Gleichzeitige UV-Lichttherapie oder lichtempfindlich machende Arzneimittel, wegen der Furanocumarine in der Pflanze. Jedes Pflanzenmaterial, das sich nicht mit Sicherheit als Daucus carota bestimmen lässt, wegen der tödlich giftigen Doppelgänger unter den Doldenblütlern.

Nebenwirkungen

Am besten belegt ist die Wiesendermatitis, eine Hautentzündung nach Pflanzenkontakt und Sonnenlicht. Die Haut brennt, rötet sich und kann Blasen bilden. Braune Verfärbungen können Monate anhalten. Allergische Reaktionen sind möglich, etwa Juckreiz und Schwellungen im Mund bei Menschen mit einer Allergie vom Sellerie-Karotten-Beifuß-Typ. Auch eine Hautentzündung durch Berührung der Pflanze, die Kontaktdermatitis, ist möglich. Nachschlagewerke warnen, dass hohe Dosen des Öls der Wilden Möhre die Nieren schädigen und Nervenbeschwerden auslösen können. Eine Übersicht berichtet nach Peters 2014 von leichten Kopfschmerzen, Übelkeit, Ohrensausen und Bauchschmerzen, die von selbst abklangen. Unterart, Pflanzenteil und Zubereitung bleiben in diesem Bericht offen. Eine sichere Menge für die Wilde Möhre ergibt sich daraus nicht. Die Studie von Sadeghi berichtete keine unerwünschten Ereignisse. Nur 30 Frauen beendeten die Behandlung mit Samen, die weiteren 30 nahmen Placebo. Daraus folgt kein allgemeiner Nachweis der Sicherheit. Setz die Pflanze ab, wenn eine unerwartete Reaktion auftritt, und hol dir ärztlichen Rat. Die größte Gefahr beim Sammeln sind Verwechslungen. Dass die Wilde Möhre mit dem Gefleckten Schierling verwechselt wurde, ist dokumentiert. In Ungarn hielt man Wurzeln des Wasserschierlings meist für Petersilie oder Sellerie, seltener für Pastinake oder Karotte, und mitunter starben an solchen Vergiftungen ganze Familien. Die Gefahr liegt also im Sammeln, und dort gehört die Sorgfalt hin.

07
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Apiaceae
Heimische Regionen
Europe including Austria, in dry meadows, field margins and road verges, Temperate and western Asia, North Africa, Widely naturalised in North and South America, Australia and New Zealand
Erntezeit
Flowering aerial herb in summer from June to September, ripe fruit from late summer into autumn, first year root in autumn
Lebensraum
Die Wilde Möhre wächst an trockenen bis mäßig trockenen, oft kalkreichen offenen Standorten, auf ungedüngten Wiesen, an Feld- und Wegrändern, auf Brachen und Böschungen, von der Ebene bis ins Bergland. Heimisch ist sie in ganz Europa einschließlich Österreichs, im gemäßigten und westlichen Asien und in Nordafrika. Auf allen bewohnten Kontinenten ist sie eingebürgert, und in mehreren Regionen, etwa in einigen US-Bundesstaaten, steht sie auf amtlichen Unkrautlisten.
Erkennen & Sammeln
Die Pflanze ist meist zweijährig. Im ersten Jahr bildet sie eine flache Blattrosette, also einen bodennahen Kreis aus fein gefiederten Blättern, die zerrieben deutlich nach Karotte riechen. Im zweiten Jahr treibt sie einen gerillten Stängel, der bis etwa 150 cm hoch werden kann und meist borstige Haare trägt. Im Inneren hat er weißes Mark, ältere hohe Stängel können aber hohl werden. Die kleinen weißen Blüten stehen in einer flachen Doppeldolde aus mehreren kleinen Dolden, in deren Mitte gelegentlich eine einzelne rote bis dunkelpurpurne, oft fast schwarz wirkende Blüte sitzt. Schon Dioskurides beschrieb sie als etwas Kleines von purpurner Farbe in der Mitte. Unter der Dolde stehen auffallend lange Hüllblätter, die tief in schmale Abschnitte geteilt sind und den meisten giftigen Verwandten fehlen. Wenn die Früchte reifen, krümmt sich die Dolde nach innen zu einem hohlen Becher. Culpeper vergleicht die Form mit einem Vogelnest. Grieve nennt sowohl bird’s nest als auch bees’ nest als Volksnamen. Die Früchte sind klein, gerippt und borstig. Die Pfahlwurzel, die senkrecht in den Boden wachsende Hauptwurzel, ist dünn, blass, zäh und holzig und riecht scharf nach Karotte, ganz anders als die dicke, süße Wurzel der Kulturkarotte.

Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen

Lebensgefahr

Poison hemlock, Conium maculatum (Gefleckter Schierling)

Eine Verwechslung mit Geflecktem Schierling kann tödlich enden. Die Pflanze hat nachweislich Menschen getötet. Vetter nennt Conium maculatum in seiner Übersicht von 2004 in Food and Chemical Toxicology eine der giftigsten höheren Pflanzen. Coniin, gamma-Conicein und verwandte Piperidinalkaloide, eine Gruppe giftiger Pflanzenstoffe, stecken in allen Pflanzenteilen, auch in Blüten und Früchten, und eine Vergiftung kann über Krämpfe und Koma zum Tod führen. Beim Gefleckten Schierling ist der Stängel glatt, kahl, hohl und purpurn gestreift oder gefleckt. Die Wilde Möhre hat meist einen gerillten, borstig behaarten Stängel ohne purpurne Flecken, doch ältere Stängel können ebenfalls hohl werden. Zerriebenes Schierlingskraut riecht unangenehm nach Mäusen. Eine einzelne Blüte, ein Geruch oder ein Stängelmerkmal ist kein sicherer Bestimmungstest. Lass jede unsicher bestimmte Pflanze stehen.

Lebensgefahr

Water hemlock, Cicuta virosa and Cicuta maculata (Wasserschierling)

Der Wasserschierling ist ein weiterer tödlicher Verwandter. Schep und Kollegen fassten 2009 in Clinical Toxicology zusammen, was über Vergiftungen mit Wasserschierling bekannt ist. Cicutoxin ist ein Giftstoff aus der Stoffgruppe der Polyacetylene und löst heftige Krampfanfälle aus. Schon eine kleine Menge der Pflanze kann schwer vergiften. Ohne rasche Behandlung kann die Vergiftung tödlich enden. Eine ungarische Auswertung historischer Quellen zählt 20 Nennungen des Wurzelstocks als giftigen Teil und zehn der Blätter. Das sind Nennungen, keine Messungen des Giftgehalts und keine Häufigkeiten von Vergiftungen. Auch der Standort kann einen Hinweis geben. Cicuta wächst auf nassem Boden, in Gräben und an Sumpf- und Teichrändern, die Wilde Möhre dagegen auf trockenen, offenen Flächen. Der Wasserschierling hat außerdem einen kräftigen, hohlen Stängel, einen dicken, innen gekammerten Wurzelstock mit gelblichem, öligem Saft. Seine gröberen Fiederblättchen haben Adern, die in die Buchten zwischen den Zähnen laufen statt in die Zahnspitzen. Der Standort allein reicht nicht zur Bestimmung. Lass unsichere Pflanzen stehen.

Giftig

Fool’s parsley, Aethusa cynapium (Hundspetersilie)

Die Hundspetersilie gehört zu den Doldenblütlern und wächst in Gärten, auf Äckern und Schuttplätzen. Sie ist giftig und kann schwere Vergiftungen verursachen. Die norwegische Giftinformation beschreibt auch historische Todesfälle. Ihre Blätter sind dunkelgrün und glänzend, die Blüten weiß. An der Außenseite der kleinen Dolden hängen schmale Hüllchenblätter nach unten. Solche Merkmale sind keine sichere Anleitung zur Unterscheidung. Lass eine unsicher bestimmte Pflanze stehen.

Giftig

Giant hogweed, Heracleum mantegazzianum (Riesen-Bärenklau)

Den Riesen-Bärenklau verwechselt man mit der Wilden Möhre weniger wegen der Gestalt als wegen der Familienähnlichkeit. Sein Saft enthält Furanocumarine, Pflanzenstoffe, die die Haut lichtempfindlich machen. Auf sonnenbeschienener Haut verursacht er eine schwere Hautentzündung mit Blasen, die Wiesendermatitis. Die Größe kann einen Hinweis geben. Der Riesen-Bärenklau wird mehrere Meter hoch und trägt große Dolden, riesige, tief gelappte Blätter und einen dicken, borstigen, purpurn gefleckten Stängel. Die Wilde Möhre kann etwa 150 cm erreichen und hat fein gefiederte Blätter. Die Größe allein sichert keine Bestimmung. Mäh ihn nicht, schneid ihn nicht und fass ihn nie mit ungeschützter Haut an.

Giftig

Wild parsnip, Pastinaca sativa (Wilde Pastinake)

Die Wilde Pastinake ist der Wilden Möhre ähnlich und historisch mit ihr verflochten. Alte Kräuterbücher nannten beide pastinaca, und Botaniker der frühen Neuzeit deuteten die Pflanze des Dioskurides mal als Pastinaca, mal als Carota oder Daucus. Die Blütenfarbe kann einen Hinweis geben. Die Wilde Pastinake blüht gelb, die Wilde Möhre weiß, gelegentlich mit einer dunklen Mittelblüte. Der Saft der Wilden Pastinake ist stark phototoxisch, schädigt also die Haut unter Sonnenlicht, und erzeugt auf sonnenbeschienener Haut blasige Verbrennungen. Bestimme sie deshalb mit den Augen und fass sie nicht an, solange du sie noch nicht sicher erkennst.

08
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Welche Teile der Wilden Möhre kommen in der Überlieferung vor, und sind sie austauschbar?

Nein, es sind drei verschiedene Teile. Die reife Frucht, meist Samen genannt, enthält das ätherische Öl und trägt den stärksten Ruf. Um sie geht es bei Menstruation und Fruchtbarkeit und in den Studien am Menschen. Das ganze Kraut ist der Teil in Grieves Tee für die Harnwege. Die dünne, holzige Pfahlwurzel ist ein dritter Teil und hat mit der dicken, süßen Küchenkarotte der Kulturunterart sativus wenig gemein. Befunde zu einem Teil gelten nicht für die anderen.

Ist die Wilde Möhre von einer europäischen Behörde zugelassen?

Im aktuellen EMA Verzeichnis pflanzlicher Arzneimittel und in der vollständigen Liste der Kommission E findet sich keine Anwendungsmonografie für Daucus carota. Das EU Register enthält keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Karotte. Die EMA nennt die Art in ihrer Stellungnahme von 2005 zu Methyleugenol, einem Stoff, der das Erbgut schädigen und Krebs verursachen kann. Ein Vorkommen wurde berichtet, der Gehalt aber nicht bestimmt. Das Dokument legt weder ein Anwendungsgebiet noch eine Dosierung fest.

Darf ich die Wilde Möhre in der Schwangerschaft oder Stillzeit verwenden?

Nein. Meide die Wilde Möhre in der Schwangerschaft in jeder Form. Von Dioskurides über Avicenna und Culpeper bis Grieve gilt der Samen als menstruationsfördernd, und Tierversuche stützen eine Wirkung auf Gebärmutter und Hormone. 1972 senkten Samenfraktionen die Fruchtbarkeit weiblicher Ratten, 1976 wurden östrogene und schwangerschaftsverhindernde Wirkungen beschrieben. Eine Übersicht zur persischen Medizin rät ausdrücklich, die Pflanze in der Schwangerschaft zu meiden, weil sie die Menstruation auslöse, Fehlgeburten fördern könne und die Gebärmutter anrege. Lass sie auch in der Stillzeit weg, wegen ihrer östrogenartigen Wirkung und weil Daten zur Stillzeit fehlen. Gewöhnliche Karotten aus Garten und Handel betrifft das nicht.

Wie unterscheide ich die Wilde Möhre von Geflecktem Schierling und Wasserschierling?

Die Doppelgänger können töten. Die Wilde Möhre hat meist einen gerillten Stängel mit borstigen Haaren, nach Karotte riechende Blätter und lange, tief geteilte Hüllblätter unter der Dolde. Eine dunkle Blüte in der Mitte kommt nur gelegentlich vor. Ältere hohe Stängel können hohl werden. Beim Gefleckten Schierling ist der Stängel kahl und purpurn gefleckt. Wasserschierling wächst meist auf nassem Boden und hat einen gekammerten Wurzelstock. Kein einzelnes Merkmal reicht für eine sichere Bestimmung. Lass die Pflanze stehen, wenn du ihre Identität nicht sicher klären kannst. Die Wilde Möhre ist keine Sammelpflanze für Anfänger.

Kann die Wilde Möhre eine Hautreaktion im Sonnenlicht auslösen?

Ja, solche Hautschäden sind dokumentiert. Ein Fallbericht von 2011 beschreibt eine 24-jährige Frau, die drei Tage lang Umschläge mit einer Abkochung aus frischer Wilder Möhre auf ihren Fuß legte und dabei in der Julisonne unterwegs war. Am dritten Tag brannte und rötete sich die Haut. Sie berichtete später, die braunen Flecken seien nach etwa drei Monaten verblasst. Bei einer späteren Anwendung am anderen Fuß ohne Sonnenkontakt blieb die Haut unverändert. Der Bericht bestimmte die phototoxischen Stoffe nach dem Kochen nicht. Wenn du die frische Pflanze anfasst oder auf die Haut bringst, halte die Stelle aus der Sonne. Nimmst du lichtempfindlich machende Arzneimittel oder bekommst du eine Lichttherapie, meide die Pflanze.

Ist die Wilde Möhre dieselbe Pflanze wie die Karotte, die ich esse?

Es ist dieselbe Art, aber eine andere Unterart, und der Unterschied zählt. Das Gemüse ist Daucus carota subsp. sativus, gezüchtet auf eine dicke, süße Speicherwurzel. Die Wilde Möhre ist Daucus carota subsp. carota, die Wildform mit dünner, blasser, holziger und scharf schmeckender Wurzel. Übersichtsarbeiten warnen, dass viele Studien die Unterart gar nicht angeben. Ein Befund zur Karotte als Lebensmittel gilt deshalb nicht für die Wildpflanze, und umgekehrt. Die Karotte hat in dieser Enzyklopädie einen eigenen Eintrag.

Wurde der Samen der Wilden Möhre wirklich als Verhütungsmittel verwendet, und wirkt das?

Verwendet wurde er. Eine verlässliche Prüfung seiner verhütenden Wirkung am Menschen fehlt. Dioskurides nennt den Samen menstruationsauslösend, schreibt im selben Kapitel aber auch, er fördere die Empfängnis, und Culpeper sagt 1653 dasselbe. In die Gegenrichtung weisen zwei andere Belege. Die Übersicht von Ismail und Kollegen aus dem Jahr 2023 beschreibt die Pflanze als römisches Mittel zur Verhütung nach dem Geschlechtsverkehr, und in Indien ist die Verwendung des Samens zur Geburtenkontrolle dokumentiert. Einig ist sich die Überlieferung also nur darin, dass der Samen auf Gebärmutter und Fruchtbarkeit wirkt. Auch verlässliche Daten zu Dosis und Risiken fehlen, und die Tierdaten, die die Überlieferung plausibel machen, sind dieselben, die die Pflanze in der Schwangerschaft gefährlich machen. Verwende sie deshalb nie zur Familienplanung, weder zum Verhüten noch um schwanger zu werden. Wenn du verhüten möchtest, sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.

Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.