Quail Bush
In Kürze
Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen
Quail Bush (Atriplex lentiformis) ist ein großer grauer Strauch aus der Gattung der Melden, die heute zu den Amarantgewächsen (Amaranthaceae) gezählt wird. Heimisch ist er nur im Südwesten der USA und im Nordwesten Mexikos, auf Salzflächen, in Alkalisenken, Wüstenrinnen und an Kanalufern. Die Cahuilla mahlten seinen Samen zu Mehl für Brei und kleine Fladen, kauten bei Schnupfen die frischen Blätter oder rauchten die getrockneten und wuschen mit zerdrückten Blättern und Wurzeln. Tohono O'odham, Akimel O'odham und Quechan aßen den Samen ebenfalls, und für die Akimel O'odham, auch Pima genannt, war er Notnahrung in Hungerjahren. In Europa hat die Pflanze keine Überlieferung.
Studien am Menschen gibt es keine. Die rund dreißig Arbeiten zur Art in der Literaturdatenbank PubMed handeln fast alle von Salztoleranz, Pflanzenphysiologie, Futterwert und der Sanierung belasteter Böden und Abwässer. Eine einzige Studie prüfte Extrakte der Pflanze auf ihre Wirkung. Im Reagenzglas fingen daraus isolierte Flavonoide freie Radikale ab, und bei Tieren erhöhten zwei der Extrakte Blutwerte, die auf eine Belastung von Leber und Nieren hinweisen (Awaad 2012). In der EU wäre Quail Bush ein neuartiges Lebensmittel und bräuchte vor dem Verkauf eine Zulassung. Befunde zu anderen Melden, etwa zu Antioxidation und Blutzucker bei Atriplex halimus, gelten nur für jene Arten.
Wer Quail Bush essen will, muss vorsichtig sein. Ein eigenes Gift ist aus der Pflanze nicht bekannt, doch die Blätter enthalten viel Natrium und Chlorid, dazu Oxalat, das Calcium bindet, und auf gedüngtem Boden Nitrat. Schwerer wiegt der Standort. Quail Bush wird auf Bergbauhalden gepflanzt und nimmt Zink und Cadmium aus dem Boden auf. In einem Topfversuch mit saurem Bergbauabraum enthielten seine Blätter über 3.000 mg Zink pro kg. In einem anderen Versuch mit selenhaltigem Salzwasser lagerten sie über 200-mal so viel Selen ein wie bei Pflanzen ohne Selenzusatz. Samen von belasteten Standorten zeigen Stellen mit sehr hohem Zinkgehalt, und gerade den Samen haben Menschen gegessen. Keiner Pflanze sieht man das an, also entscheidet die Herkunft. Eine Verwechslung kann tödlich sein. Der Baumtabak (Nicotiana glauca) wächst verwildert in denselben Rinnen und an denselben Kanalufern, wurde mehrfach für Wildspinat gehalten und enthält Anabasin, einen Verwandten des Nikotins. Die medizinische Literatur beschreibt tödliche Vergiftungen nach Mahlzeiten aus seinen gekochten Blättern. Baumtabak trägt lange gelbe Röhrenblüten und glatte blaugrüne Blätter, Quail Bush mehlig graue Blätter und winzige grünliche Blüten.
Klinische Evidenz ↔ Historische BedeutungWir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.Mehr lesen
In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.
Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.
Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.
Überblick
Quail Bush (Atriplex lentiformis) ist eine große grau-grüne Melde aus der Familie der Amaranthaceae, in der die alte Familie der Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae) heute aufgegangen ist. Heimisch ist der Strauch nur im amerikanischen Südwesten und im Nordwesten Mexikos, von Südkalifornien und dem Central Valley über das südliche Nevada und das westliche Arizona bis Baja California und Sonora. Er wächst auf Salzflächen, in Alkalisenken, auf trockenen Seeböden, in Wüstenrinnen und an Kanalufern. Drei Teile wurden genutzt. Den Samen mahlten die Menschen zu Mehl, die zerdrückten Blätter und Wurzeln, die in Wasser schäumen, dienten als Seife, und die jungen Blätter und Triebe gelten in Pflanzenführern als salziges Gemüse.
Die Forschung interessiert sich für Quail Bush wegen seiner Salztoleranz und als Pflanze für die Sanierung belasteter Böden. Studien am Menschen gibt es keine. Weil er in der EU vor dem 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurde, wäre er hier ein neuartiges Lebensmittel und dürfte erst nach einer Novel-Food-Zulassung verkauft werden. Eine arzneiliche Monografie oder eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es für ihn nicht.
Geschichte
Die dokumentierte Geschichte des Quail Bush gehört den indigenen Völkern der Sonora-Wüste und des unteren Colorado. Ethnografen hielten ihr Wissen ab 1908 fest, Daniel Moerman hat es 1998 in seiner Native American Ethnobotany gesammelt, und bei mehreren Völkern zeigt sich dasselbe Bild. Die Cahuilla mahlten den Samen zu Mehl für Brei und kleine Fladen, kauten bei Schnupfen die frischen Blätter oder rauchten die getrockneten und atmeten bei verstopfter Nase den Dampf zerdrückter Blüten, Stängel und Blätter ein. Die Tohono O'odham (Papago) aßen den Samen ebenfalls. Die Akimel O'odham (Pima) rösteten und dörrten ihn, stießen ihn zu Mehl, kochten daraus Brei, mischten ihn ins Brotmehl und aßen ihn in Hungerjahren. Die Quechan (Yuma) kochten den Samen zu Brei oder backten ihn in einer Erdgrube. Die Pima legten einen Umschlag aus pulverisierter Wurzel auf wunde Stellen, und zerdrückte Blätter und Wurzeln dienten als Seife.
Quail Bush ist eine Pflanze der Neuen Welt, den europäischen Kräuterbüchern ebenso unbekannt wie Christianes Küche. Wissenschaftlich beschrieben hat ihn John Torrey 1853 als Obione lentiformis, im Bericht über eine Expedition entlang der Flüsse Zuni und Colorado. Sereno Watson stellte ihn 1874 in die Gattung Atriplex. Sein modernes Kapitel gehört der Landwirtschaft und der Landschaftspflege. Quail Bush wird als Futter und Deckung für Wild und Vieh gepflanzt und dient zur Renaturierung von Flussufern. In den 1970er-Jahren untersuchte die Forschung, wie er mit Hitze zurechtkommt. Später ging es darum, wie er Salz verträgt und was er aus selenhaltigem Wasser und aus Bergbauabraum aufnimmt, auf dem er heute gepflanzt wird.
Wirkmechanismus
Gut untersucht ist an Quail Bush vor allem, wie er mit Salz lebt. Er betreibt C4-Photosynthese, eine Form der Photosynthese, die bei Hitze Wasser spart, und schafft Natrium und Chlorid aus dem lebenden Gewebe in Blasenhaare auf der Blattoberfläche. Sie geben dem Laub seinen mehligen grauen Belag. Versuche an den Wurzeln zeigen, dass seine Salztoleranz davon abhängt, wie rasch er unter Salzstress die Protonenpumpen seiner Zellmembranen hochfährt (Bose 2015). Diese Pumpen liefern die Kraft, mit der die Zellen Natrium hinausschaffen und Kalium halten. Dieser Salzhaushalt erklärt Geschmack und Vorsicht zugleich. Das Blatt schmeckt salzig, weil es das Salz trägt, das die Pflanze aus ihren Zellen hält. Daneben enthalten Melden Oxalat, Nitrat und kleine Mengen Saponine und Tannine, und die Saponine erklären wahrscheinlich, warum zerdrückte Blätter und Wurzeln in Wasser schäumen. Aus Quail Bush selbst wurden Flavonoide isoliert, Abkömmlinge von Quercetin und Kaempferol (Awaad 2012).
Die meisten Messwerte zu Oxalat und Salz in Meldenblättern stammen aus der Futterforschung an einer anderen Art, dem australischen Futterstrauch Atriplex nummularia. Dort enthielten die Triebe im Freiland 2,4 bis 6,4 % Oxalat in der Trockenmasse, und Mineralstoffe, vor allem Salz, machen ein Sechstel bis ein Drittel der Trockenmasse aus. Für Quail Bush sind das Anhaltswerte aus der Verwandtschaft, keine Messungen an der Art selbst. Ebenso gelten die Arbeiten zu Antioxidation, Blutzucker und Entzündungshemmung im Labor und im Tierversuch an Atriplex halimus, Atriplex lindleyi und Atriplex leucoclada nur für jene Arten. Für Quail Bush selbst gibt es einen Reagenzglasbefund zu freien Radikalen und einen Tierversuch, in dem zwei Extrakte Leber- und Nierenwerte im Blut steigen ließen (Awaad 2012). Was die Pflanze im menschlichen Körper bewirkt, hat niemand untersucht.
Die Forschung zu Atriplex lentiformis ist schmal und fast ganz Pflanzenkunde. Die Literaturdatenbank PubMed führt rund dreißig Arbeiten, über Blattphysiologie und Salztoleranz, über das Wachstum bei Hitze, über den Futterwert für Weidetiere, über die Sanierung metallbelasteter Böden und Abwässer und sogar über das automatische Vermessen von Blättern. Eine einzige Studie prüfte Extrakte der Pflanze (Awaad 2012). Im Reagenzglas fingen daraus isolierte Flavonoide freie Radikale ab. Tiere, die bis zu 5 g Extrakt pro kg Körpergewicht bekamen, zeigten keine Vergiftungszeichen, doch zwei der Extrakte erhöhten die Leberwerte ALT und AST sowie Harnstoff und Kreatinin im Blut, also Werte, die auf eine Belastung von Leber und Nieren hinweisen. Studien am Menschen gibt es keine. Wer Quail Bush als erforschte Heilpflanze darstellt, verwechselt ihn mit anderen Melden.
Klar belegt ist dagegen, dass die Pflanze Zink aus belastetem Boden aufnimmt, bis in Blätter und Samen, und das zählt für alle, die ans Essen denken. Kushwaha und Kollegen zogen Quail Bush im Glashaus in saurem, metallhaltigem Abraum einer Mine in Arizona, gemischt mit Kompost. Bei 15 % Kompost enthielten die Blätter über 3.000 mg Zink pro kg und lagen damit über der üblichen Schwelle für einen Hyperakkumulator, bei 10 und 20 % Kompost über 500 mg pro kg, der oft genannten Toxizitätsgrenze für Haus- und Nutztiere. Arsen und Blei aus dem Abraum gelangten dagegen kaum in Blätter und Triebe, die Sorge gilt dort also dem Zink. Murawska-Wlodarczyk und Kollegen untersuchten danach Samen mit Synchrotron-Röntgenfluoreszenz, einem sehr feinen Röntgenverfahren. Stellen mit sehr hohem Zinkgehalt fanden sie nur in Samen von einem belasteten Standort, und zwar in den empfindlichen Spross- und Wurzelanlagen des Keimlings. Der Samen ist der Teil, den Menschen gegessen haben.
Auch die übrigen Arbeiten kreisen um belasteten Boden und salziges Wasser. Vickerman, Shannon, Bañuelos, Grieve und Trumble zogen dreißig Melden verschiedener Arten und Herkünfte, darunter zwei Herkünfte von Quail Bush, in sandgefüllten Becken im Freien und gossen sie mit Salzwasser, dem 1 mg Selen pro Liter zugesetzt war. Enthielt das Wasser Chloridsalze, lagerten die Blätter von Quail Bush 45 bis 48 mg Selen pro kg ein, über 200-mal so viel wie ohne Selen und ähnlich viel wie die anderen Melden. In sulfatreichem Wasser, das dem Drainagewasser der Felder im kalifornischen San Joaquin Valley nachgebildet war, nahmen alle Pflanzen weit weniger auf, Quail Bush 1,2 bis 1,4 mg. Eissa und Abeed zogen Quail Bush in Töpfen mit Cadmium im Boden. Die Blätter nahmen Cadmium auf, ihr Gehalt an Oxalsäure stieg bei der höchsten Belastung um 129 %, und bei hoher Belastung brach das Wachstum ein. Geschätzt wird die Art dafür, dass sie auf Böden wächst, auf denen sonst wenig gedeiht.
Wirksamkeit
| Ziel | Klasse | Note | Wirkung | Studien |
|---|---|---|---|---|
| Samenmehl und junge Triebe als traditionelle NahrungEthnobotanische Aufzeichnungen aus dem 20. Jahrhundert zeigen, wie Cahuilla, Tohono O'odham, Akimel O'odham und Quechan den Samen aßen, meist gemahlen und als Brei gekocht. Die Akimel O'odham, auch Pima genannt, rösteten und dörrten ihn vorher, gaben ihn auch ins Brotmehl und aßen ihn in Hungerjahren. Pflanzenführer nennen außerdem die jungen Triebe als gekochtes Gemüse. Das ist Ernährungsgeschichte und sagt nichts über Nährwert oder Gesundheit aus.Indigene Haushalte der nordamerikanischen Wüsten | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Nahrungsnutzung | |
| Blätter und Wurzeln als schäumende Seife und WaschmittelDie Cahuilla zerdrückten Blätter und Wurzeln und rieben sie wie Seife in alles ein, was sauber werden sollte. Die Pima wuschen Kleidung und Körbe mit dem Schaum der Blätter. Wahrscheinlich schäumen dabei Saponine, die in der Gattung vorkommen. Untersucht hat diese Nutzung bei Atriplex lentiformis niemand.Haushaltsreinigung, Aufzeichnungen von Cahuilla und Pima | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Haushaltsnutzung | |
| Schnupfen und verstopfte Nase (gekautes oder gerauchtes Blatt, Dampfinhalation)Bei Schnupfen kauten die Cahuilla frische Blätter oder rauchten getrocknete, und bei verstopfter Nase atmeten sie den Dampf zerdrückter Blüten, Stängel und Blätter ein. Untersucht wurde das nie.Aufzeichnungen der Cahuilla | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Überlieferte Nutzung, nie untersucht | |
| Jede gemessene Wirkung beim MenschenDie Literaturdatenbank PubMed führt zu Atriplex lentiformis rund dreißig Arbeiten, fast alle über Salztoleranz, Pflanzenphysiologie, Futterwert und Bodensanierung. Eine einzige Studie prüfte Extrakte im Labor und an Tieren (Awaad 2012). Studien am Menschen gibt es keine.Keine Studie an Menschen | UnzureichendUnzureichende Datenlage. Keine belastbaren Studien oder traditionelle Quellen verfügbar. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Keine Daten am Menschen | |
| Aufnahme von Zink, Cadmium und Selen in die Blätter und von Zink in die Samen (je nach Standort)Kushwaha 2023 zog Quail Bush im Glashaus in saurem Bergbauabraum aus Arizona, gemischt mit Kompost. Bei 15 % Kompost enthielten die Blätter über 3.000 mg Zink pro kg, mehr als die Schwelle für einen Hyperakkumulator, bei 10 und 20 % Kompost über 500 mg pro kg, die übliche Toxizitätsgrenze für Haus- und Nutztiere. Arsen und Blei gelangten dagegen kaum in Blätter und Triebe. Murawska-Wlodarczyk 2024 fand Stellen mit sehr hohem Zinkgehalt nur in Samen von einem belasteten Standort, Eissa 2019 Cadmium in den Blättern von Pflanzen in cadmiumhaltiger Erde. Mit selenhaltigem Salzwasser gegossen, lagerten zwei Herkünfte von Quail Bush 45 bis 48 mg Selen pro kg in ihre Blätter ein, über 200-mal so viel wie ohne Selen, in ebenso selenhaltigem, aber sulfatreichem Wasser nur 1,2 bis 1,4 mg (Vickerman 2002). Die Aufnahme ist gut belegt und ein klarer Grund, Pflanzen von belasteten oder unbekannten Standorten nicht zu essen.Pflanzen in Bergbauabraum, in selenhaltigem Salzwasser und in Boden mit Cadmiumzusatz (Versuche) | VorläufigVorläufige Forschung. Erste kleine Studien deuten einen Effekt an, sind aber noch nicht repliziert. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Auf belastetem Boden überwiegt das Risiko |
Anwendung
Formen und Zubereitung
Die überlieferten Zubereitungen sind Küchenarbeit. Vor allem der Samen wurde gegessen. Die Pima rösteten und dörrten ihn, stießen ihn zu Mehl und kochten ihn mit Wasser zu Brei oder gaben ihn ins Brotmehl. Nach Russells Bericht von 1908 rösteten sie ihn auch in einer Erdgrube, trockneten ihn und rührten ihn mit Wasser zu einem dicken Brei. Die Quechan kochten den Samen zu Brei. Sie backten ihn auch in einer Erdgrube, mahlten ihn, verrührten das Mehl mit Wasser zu einem festen Teig und aßen ihn so. Der Samen ist klein und mühsam zu verarbeiten, und bei den Pima galt er als Notnahrung in Hungerjahren. Die jungen Blätter und Triebe nennen Pflanzenführer als gekochtes Gemüse. Sie schmecken salzig, weil das Blatt das Salz trägt, das die Pflanze aus ihren Zellen hält, und mehrere Völker schätzten den Strauch für diesen salzigen Geschmack. Zum Waschen zerdrückten die Cahuilla Blätter und Wurzeln, die Pima rieben die Blätter in Wasser, bis sie schäumten, und wuschen damit Kleidung und Körbe. Auf wunde Stellen legten die Pima einen Umschlag aus pulverisierter Wurzel. Zu kaufen gibt es Quail Bush in Europa nicht, weder als Tee noch als Extrakt.
Dosierung
Die Überlieferung kennt Quail Bush als Samenspeise und als Seife, nicht als abgemessenes Heilmittel, und weder eine Monografie noch ein Arzneibuch beschreibt eine Zubereitung. Eine Dosierung gibt es deshalb nicht. Auch als grobe Orientierung taugt keine Zahl, denn Salz und Oxalat im Laub schwanken von Standort zu Standort, und was die Pflanze aus dem Boden aufnimmt, ändert sich von Ernte zu Ernte. Jede Mengenangabe zu Quail Bush, die dir begegnet, ist unbelegt.
Besondere Gruppen
In Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern wurde Quail Bush nie untersucht, lass ihn in diesen Fällen weg. Wegen des Salzes passt er nicht zu einer natriumarmen Ernährung, und wegen des Oxalats ist er ungeeignet für alle, die schon Calciumoxalat-Nierensteine hatten oder deren Nierenfunktion eingeschränkt ist. Pollen der Gänsefuß- und Amarantgewächse (Amaranthaceae) zählen in trockenen Regionen zu den wichtigen Auslösern von Heuschnupfen, und wer darauf sensibilisiert ist, kann auf die blühende Pflanze reagieren.
Sicherheit
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Wechselwirkungen mit Arzneimitteln wurden für Atriplex lentiformis nie untersucht, und eine amtliche Liste gibt es nicht. Die folgenden Punkte ergeben sich aus der Zusammensetzung der essbaren Teile und sind keine belegten Wechselwirkungen. Auf das viele Natrium musst du achten, wenn du Blutdrucksenker oder entwässernde Mittel nimmst oder salzarm essen sollst. Auf das viele Oxalat musst du achten, wenn du Calciumpräparate nimmst oder deine Nierenfunktion überwacht wird. Nitrat aus gedüngtem Boden ist eine Frage der Lebensmittelsicherheit, keine Wechselwirkung. Nimmst du regelmäßig Medikamente, besprich den Verzehr einer wilden Melde vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.
Gegenanzeigen
Eine amtliche Liste von Gegenanzeigen gibt es für Quail Bush nicht. Die folgenden Punkte ergeben sich aus der Zusammensetzung der Pflanze und aus der Fachliteratur. Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: Untersucht ist hier nichts, verzichte deshalb darauf. Natriumarme Ernährung, etwa bei behandeltem Bluthochdruck, Herzschwäche oder Nierenerkrankung: Das Laub enthält viel Salz, und wie viel, hängt vom Standort ab. Calciumoxalat-Nierensteine in der Vorgeschichte oder eingeschränkte Nierenfunktion: Das Laub enthält Oxalat, das Calcium bindet. Bekannte Empfindlichkeit gegenüber Amaranthaceae, der Familie der Gänsefuß- und Amarantgewächse, sei es gegen den Pollen oder gegen verwandte Lebensmittel wie Spinat, Rote Rübe oder Quinoa. Jede Pflanze von Bergbauhalden, Industrieflächen, Straßenrändern oder von Kanal- und Grabenufern mit landwirtschaftlichem Drainagewasser oder von einem Standort mit unbekannter Vorgeschichte.
Nebenwirkungen
Eine systematische Erfassung von Nebenwirkungen gibt es nicht, das Folgende ergibt sich aus der Zusammensetzung und aus der Literatur zur Gattung. Das Laub schmeckt stark salzig, und größere Mengen können wegen Salz und Oxalat Magen und Darm reizen. Viel Oxalat über längere Zeit wird mit Calciumbindung und einer Belastung der Nieren in Verbindung gebracht. Im Tierversuch erhöhten zwei Extrakte der Pflanze die Leberwerte sowie Harnstoff und Kreatinin im Blut (Awaad 2012). Quail Bush wird vom Wind bestäubt, und Pollen der Gänsefuß- und Amarantgewächse (Amaranthaceae) zählt in trockenen Gegenden zu den wichtigsten Auslösern von Heuschnupfen, im Westen Nordamerikas ebenso wie im Südosten Spaniens. In der Nähe blühender Sträucher sind Heuschnupfenbeschwerden also möglich, ebenso allergische Reaktionen auf das Pflanzenmaterial. Wenn du unerwartet reagierst, hör auf und hol dir ärztlichen Rat.
Verwechslungen
Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen
Baumtabak (Nicotiana glauca)
Diese Verwechslung kann tödlich enden. Der Baumtabak (Nicotiana glauca) stammt aus Südamerika und wächst als Strauch oder kleiner Baum, oft mehrere Meter hoch. In Arizona, Kalifornien, Texas und Mexiko ist er verwildert, und zwar in denselben gestörten Rinnen, an denselben Kanalufern und Straßenrändern, an denen auch Quail Bush wächst. Er enthält Anabasin, einen nahen Verwandten des Nikotins, der beim Menschen offenbar noch stärker wirkt. Die medizinische Literatur beschreibt tödliche Vergiftungen nach Mahlzeiten aus gekochten Baumtabakblättern, die für Wildspinat, ein anderes Blattgemüse oder ein Gewürzkraut gehalten wurden. In Kalifornien lösten schon einige Blätter Atemstillstand und Lähmung aus. Unterscheide die beiden, bevor du etwas anfasst. Der Baumtabak hat glatte, blaugrün bereifte Blätter an langen Stielen und auffällige gelbe Röhrenblüten von mehreren Zentimetern Länge. Quail Bush hat steife graue Blätter mit mehligem, schorfigem Belag und nur winzige grünliche Blüten, gedrängt an schmalen Ähren. Trägt ein Strauch in einer Wüstenrinne lange gelbe Trompeten, lass ihn stehen.
Andere Melden (Atriplex canescens, A. polycarpa, A. hymenelytra)
Mehrere Melden wachsen am selben Standort, sehen ebenso mehlig grau aus und werden leicht mit Quail Bush verwechselt. Die Vierflügelige Melde (Atriplex canescens) trägt an den Fruchtvorblättern, den beiden kleinen Hüllblättern um jede Frucht, die vier papierartigen Flügel, nach denen sie heißt. A. polycarpa ist kleiner und hat schmale Blätter, A. hymenelytra hat steife, fast weiße Blätter, gezähnt wie Stechpalmenlaub. Keine davon ist giftig, und einige wurden selbst als Samenspeise genutzt. Auseinanderhalten lassen sie sich an den Fruchtvorblättern, nicht an der Blattfarbe.
Dieselbe Pflanze von einem belasteten Standort
Dieselbe Pflanze, aber mit einer unsichtbaren Last. Quail Bush wird auf sauren, metallhaltigen Bergbauhalden gepflanzt, weil er dort überlebt und verhindert, dass der Wind den giftigen Staub verweht. Arsen und Blei gelangten in Versuchen kaum in seine Triebe, Zink und Cadmium dagegen sehr wohl. In einem Topfversuch mit saurem Bergbauabraum aus Arizona enthielten seine Blätter über 3.000 mg Zink pro kg. Das liegt über der Schwelle für einen Hyperakkumulator, eine Pflanze, die ungewöhnlich viel Metall speichert. In den anderen Versuchsgruppen waren es über 500 mg pro kg, der Wert, der als Toxizitätsgrenze für Haus- und Nutztiere gilt. Samen von einem belasteten Standort tragen Stellen mit sehr hohem Zinkgehalt im Keimling. In einem Versuch mit selenhaltigem Salzwasser lagerten seine Blätter über 200-mal so viel Selen ein wie bei Pflanzen ohne Selenzusatz. Ob eine Pflanze belastet ist, sieht man ihr nicht an. Deshalb zählt allein die Herkunft. Sammle Quail Bush nie auf Bergbauhalden, Industrieflächen, an Straßenrändern oder an Kanal- und Grabenufern, die landwirtschaftliches Drainagewasser führen, und lass jeden Standort aus, dessen Geschichte du nicht kennst.
Häufige Fragen
Welche Teile des Quail Bush wurden genutzt und wie?
Genutzt wurden vor allem der Samen, außerdem junge Blätter und Triebe und die Wurzel. Der Samen wurde geröstet oder gedörrt, zu Mehl gestoßen und als Brei gekocht oder ins Brotmehl gemischt, und bei den Pima war er Notnahrung in Hungerjahren. Die jungen Blätter und Triebe nennen Pflanzenführer als salziges Gemüse. Zerdrückte Blätter und Wurzeln schäumen in Wasser und dienten als Seife, und die Pima legten einen Umschlag aus pulverisierter Wurzel auf wunde Stellen.
Darf Quail Bush in Europa als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden?
Nicht ohne Zulassung. In der EU wäre Quail Bush ein neuartiges Lebensmittel (Novel Food), denn vor dem 15. Mai 1997 wurde er hier nicht in nennenswertem Umfang gegessen. Ein solches Lebensmittel braucht nach der Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 vor dem Verkauf eine Zulassung. Eine arzneiliche Monografie oder eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es für ihn nicht. Christiane's Naturkraft verkauft kein Quail-Bush-Produkt.
Gibt es klinische Belege für einen gesundheitlichen Nutzen?
Nein. Studien am Menschen gibt es zu Quail Bush keine. Von den rund dreißig Arbeiten in der Literaturdatenbank PubMed handeln fast alle von Salztoleranz, Pflanzenphysiologie, Futterwert und der Sanierung belasteter Böden und Abwässer. Eine einzige Studie prüfte Extrakte (Awaad 2012). Im Reagenzglas fingen daraus isolierte Flavonoide freie Radikale ab, und bei Tieren erhöhten zwei der Extrakte Blutwerte, die auf eine Belastung von Leber und Nieren hinweisen. Befunde zu anderen Melden wie Atriplex halimus gelten für jene Arten und lassen sich nicht übertragen.
Ist Quail Bush sicher essbar?
Nicht als nebenbei gesammeltes Wildgemüse. Ein eigenes Gift ist aus der Pflanze nicht bekannt, doch im Tierversuch ließen zwei ihrer Extrakte Leber- und Nierenwerte steigen. Meldenblätter enthalten außerdem viel Natrium und Chlorid, dazu Oxalat, das Calcium bindet, und auf gedüngtem Boden reichern sie Nitrat an. Quail Bush nimmt zudem Zink und Cadmium aus dem Boden auf und aus selenhaltigem Wasser Selen. In einem Topfversuch mit Bergbauabraum enthielten die Blätter über 3.000 mg Zink pro kg, und Samen von belasteten Standorten zeigen Stellen mit sehr hohem Zinkgehalt. Wo die Pflanze wuchs, zählt mehr als jede Zubereitung. Und in denselben Rinnen und an denselben Kanalufern wächst der Baumtabak, dessen Blätter tödlich giftig sind.
Womit kann Quail Bush verwechselt werden?
Gefährlich ist die Verwechslung mit dem Baumtabak (Nicotiana glauca). Der Strauch ist in Arizona, Kalifornien, Texas und Mexiko verwildert und wächst in denselben Rinnen, an denselben Kanalufern und Straßenrändern wie Quail Bush. Er wurde mehrfach für Wildspinat oder ein anderes Blattgemüse gehalten. Er enthält das mit Nikotin verwandte Anabasin, und die medizinische Literatur beschreibt tödliche Vergiftungen nach Mahlzeiten aus seinen Blättern. Baumtabak hat glatte blaugrüne Blätter an langen Stielen und gelbe Röhrenblüten. Quail Bush hat mehlige graue Blätter und winzige grünliche Blüten in schmalen Ähren. Auch andere Melden sehen ähnlich aus, sie sind aber nicht giftig.
Hat Quail Bush eine österreichische oder europäische Tradition?
Nein. Quail Bush ist nur im Südwesten der USA und im Nordwesten Mexikos heimisch, und die europäischen Kräuterbücher kannten ihn nicht. Weder antike noch klösterliche Quellen noch Hildegard von Bingen erwähnen ihn, und in der österreichischen Hausmitteltradition kommt er nicht vor. Seine Geschichte gehört den indigenen Völkern der nordamerikanischen Wüsten.
18 Belege.
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- Steenkamp PA, van Heerden FR, van Wyk BE. Steenkamp PA, van Heerden FR, van Wyk BE. Accidental fatal poisoning by Nicotiana glauca: identification of anabasine by high performance liquid chromatography/photodiode array/mass spectrometry. Forensic Sci Int. 2002;127(3):208-217.. 2002. doi:10.1016/s0379-0738(02)00123-8
- Vickerman DB, Shannon MC, Bañuelos GS, Grieve CM, Trumble JT. Vickerman DB, Shannon MC, Bañuelos GS, Grieve CM, Trumble JT. Evaluation of Atriplex lines for selenium accumulation, salt tolerance and suitability for a key agricultural insect pest. Environ Pollut. 2002;120(2):463-473.. 2002. doi:10.1016/s0269-7491(02)00116-1
- Mendez MO, Glenn EP, Maier RM. Mendez MO, Glenn EP, Maier RM. Phytostabilization potential of quailbush for mine tailings: growth, metal accumulation, and microbial community changes. J Environ Qual. 2007;36(1):245-253.. 2007. doi:10.2134/jeq2006.0197
- Lewis WH, Dixit AB, Wedner HJ. Lewis WH, Dixit AB, Wedner HJ. Aeropollen of weeds of the western United States Gulf Coast. Ann Allergy. 1991;67(1):47-52.. 1991. PMID:1859040
- Furer V, Hersch M, Silvetzki N, Breuer GS, Zevin S. Furer V, Hersch M, Silvetzki N, Breuer GS, Zevin S. Nicotiana glauca (tree tobacco) intoxication: two cases in one family. J Med Toxicol. 2011;7(1):47-51.. 2011. doi:10.1007/s13181-010-0102-x
- Awaad AS, Maitland DJ, Donia AER, Alqasoumi SI, Soliman GA. Awaad AS, Maitland DJ, Donia AER, Alqasoumi SI, Soliman GA. Novel flavonoids with antioxidant activity from a Chenopodiaceous plant. Pharm Biol. 2012;50(1):99-104.. 2012. doi:10.3109/13880209.2011.591806
- Bose J, Rodrigo-Moreno A, Lai D, Xie Y, Shen W, Shabala S. Bose J, Rodrigo-Moreno A, Lai D, Xie Y, Shen W, Shabala S. Rapid regulation of the plasma membrane H+-ATPase activity is essential to salinity tolerance in two halophyte species, Atriplex lentiformis and Chenopodium quinoa. Ann Bot. 2015;115(3):481-494.. 2015. doi:10.1093/aob/mcu219
- Eissa MA. Eissa MA. Effect of sugarcane vinasse and EDTA on cadmium phytoextraction by two saltbush plants. Environ Sci Pollut Res Int. 2016;23(10):10247-10254.. 2016. doi:10.1007/s11356-016-6261-9
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