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Holunder und ImmunkraftAnleitungGanzjährig

Holunder anbauen: Strauch, Baum oder beides, und wie du ihn pflanzt

Beides stimmt, denn die Form hängt von der Art und vom Schnitt ab. Eine nach Arten geordnete Anleitung, zu Standort, Pflanzung, Bestäubung, Sorten und dem jährlichen Schnitt, geschrieben von Leuten, die mit der europäischen Pflanze arbeiten.

Verfasst vonLukas Berger
Veröffentlicht
Lesezeit10 Min.

Worum es geht

Holunder wird als Strauch und als Baum verkauft, und beides stimmt, denn die Form hängt von der Art und vom Schnitt ab. Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), die europäische Art und die Pflanze hinter der Sorte Haschberg, wächst als großer, mehrstämmiger Strauch, im Garten etwa 4 bis 8 m hoch (RHS). Du kannst ihn buschig lassen oder als kleinen Hochstamm ziehen. Stell ihn möglichst in die volle Sonne, das gibt den besten Fruchtansatz, in lockeren, nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden ohne Staunässe. Pflanze im Frühjahr oder im Herbst, sobald der Boden nicht nass, gefroren oder ausgetrocknet ist, und richte den Abstand nach dem Ziel, Hecke oder Einzelpflanze. Holunder ist teilweise selbstfruchtbar, doch zwei verschiedene Sorten in der Nähe geben einen zuverlässigeren Fruchtansatz. Haschberg ist eine in Österreich ausgelesene Sorte, selbstfruchtbar und ertragreich. In den ersten Jahren geht es um Wurzeln und Gerüst, der volle Ertrag kommt später. Schneide im Spätwinter, bevor die Knospen austreiben, und erneuere die ältesten Triebe, statt einen Schwarzen Holunder für den Fruchtertrag bodeneben zu kappen. Die Beeren werden gekocht, nie roh gegessen.

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1. Strauch, Baum oder beides? Zuerst die Art

Auf die Frage, ob Holunder ein Baum oder ein Strauch ist, lautet die Antwort: beides. Welche Form du bekommst, hängt von zwei Dingen ab, die selten klar genannt werden, nämlich von der Art, die du gekauft hast, und davon, wie du schneidest. Kläre also zuerst die Art, denn hinter ähnlichen lateinischen Namen stehen zwei verschiedene Gartenpflanzen.

Der Schwarze Holunder, Sambucus nigra, ist die europäische Art und die Pflanze hinter der österreichischen Sorte Haschberg. Er ist ein großer, mehrstämmiger Strauch oder ein kleiner Baum. Die Royal Horticultural Society gibt im Garten eine Endhöhe von etwa 4 bis 8 m und eine Breite von 2,5 bis 4 m an, erreicht in 10 bis 20 Jahren, mit buschigem Wuchs als Strauch oder kleiner Baum. Er treibt mehrere Triebe aus dem Boden, statt einen einzigen Stamm zu bilden, und genau deshalb kannst du ihn als mehrstämmigen Strauch lassen oder über ein paar Jahre als Hochstamm ziehen. Lies die europäische Pflanze als großen Strauch, der sich als kleiner Baum ziehen lässt, nicht als Baum von Natur aus.

Der Amerikanische Holunder, Sambucus canadensis, ist das, was fast alle US-Anbauanleitungen meinen, oft ohne es zu sagen. Er ist niedriger und stark ausläufertreibend, etwa 1,5 bis 4 m hoch und meist breiter als hoch, und bildet ein Dickicht, wenn man die Ausläufer nicht entfernt. Diese Art dient hier als Vergleich; im österreichischen Garten steht vor allem der Schwarze Holunder im Mittelpunkt.

Der Schnitt entscheidet dann über die Endform. Weil Holunder vor allem an jungem, ein- bis zweijährigem Holz trägt, formt der Schnitt die Pflanze: sich selbst überlassen baut sie ein mehrstämmiges Gerüst, stark zurückgeschnitten bleibt sie ein niedriger Busch aus jungen Trieben. Darauf kommen wir im letzten Abschnitt zurück.

Im LexikonHolunderWas Holunder als Pflanze und Zutat auf Gattungsebene ist, steht im Lexikoneintrag; diese Anleitung zeigt, wie du ihn anbaust.
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2. Standort und Boden

Holunder verträgt volle Sonne bis Halbschatten und bringt den besten Fruchtansatz in voller Sonne; dunkel- und gelblaubige Ziersorten halten ihre Blattfarbe in der vollen Sonne am besten. Gib ihm den sonnigsten Platz, den du hast, wenn es um Früchte geht.

Beim Boden ist er tolerant, hat aber eine klare Vorliebe. Er mag frischen, nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden und kommt mit vielem zurecht, aber Staunässe verträgt er nicht. Die Vorstellung, Holunder möge nassen Boden, ist ein Irrtum (Cornell); auf schweren oder nassen Böden pflanzt man ihn leicht erhöht, auf einem flachen Damm, damit die Wurzeln nicht im Wasser stehen. Lies also den Hinweis, Holunder möge Feuchtigkeit, als Feuchte, nicht als Nässe. Beim pH-Wert ist er anpassungsfähig: laut RHS gedeiht Sambucus nigra auf sauren, alkalischen oder neutralen Böden, von Kalk über Lehm bis Sand.

Wasser zählt vor allem beim Anwachsen und während die Beeren reifen. Holunder wurzelt flach und ist in der Fruchtphase nicht trockenheitsverträglich; gieße in Trockenphasen, besonders im ersten Jahr und wenn die Beeren ansetzen. Laut RHS kommt ein eingewachsener Schwarzer Holunder mit trockenem Wetter zurecht, will aber in längerer Dürre Wasser. Kurz: eine eingewachsene Pflanze übersteht eine Trockenphase, eine Pflanze, die tragen soll, will gleichmäßige Feuchte.

Zur Winterhärte: der Schwarze Holunder ist in Mittel- und Nordeuropa winterhart, die RHS stuft ihn als H6 ein, also winterhart bis etwa minus 20 bis minus 15 C. Für deinen Standort sind die örtlichen Winterminima und die gewählte Sorte entscheidend.

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3. Pflanzen: wann, wie, und in welchem Abstand

Diesem Abschnitt folgst du am besten Schritt für Schritt.

Beim Abstand gibt es keine einzelne Zahl, denn der Abstand richtet sich nach dem Ziel. Eine Einzelpflanze oder ein Hochstamm braucht Raum für eine Breite von 2,5 bis 4 m, also mehrere Meter frei auf jeder Seite. Für eine Hecke setzt du enger, mit etwa 1,5 bis 2 m zwischen den Pflanzen. Der enge Abstand einer dichten Hecke ist falsch für einen Holunder, den du als Einzelpflanze oder Hochstamm ziehen willst, also richte den Abstand nach der Pflanze und der Form, nicht nach einer pauschalen Zahl.

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4. Die ersten Jahre, Bestäubung, und die Sortenwahl

In den ersten Jahren baut die Pflanze Wurzeln und Gerüst auf und bringt noch keinen Ertrag. Es lohnt, im ersten Jahr die Blüten zu entfernen, damit die Pflanze in Wurzel und Struktur investiert; der volle Ertrag kommt erst in den folgenden Jahren. Nimm das als allgemeine Erwartung, nicht als Garantie, eine langsam einwachsende Einzelpflanze braucht eher etwas länger.

Fruchtholz ist junges Holz. Der Fruchtansatz sitzt vor allem an jungen Trieben, weshalb man altes Holz herausnimmt, damit das Fruchtholz jung bleibt. Genau das richtet den Schnitt im nächsten Abschnitt aus.

Zur Bestäubung der eine klare, umsetzbare Punkt: pflanze mehr als eine Sorte. Die meisten Holunder sind teilweise selbstfruchtbar, eine einzelne Pflanze setzt also etwas Frucht an, doch zwei verschiedene Sorten in der Nähe geben einen zuverlässigeren Ertrag. Haschberg ist selbstfruchtbar, trägt aber mehr, wenn er fremdbestäubt wird. Hast du Platz für zwei, nutze ihn.

Wähle die Sorte nach Klima. Für das österreichische Gartenklima ist Haschberg die naheliegende Wahl: eine echte, benannte Sorte des Schwarzen Holunders, die das maßgebliche gartenbauliche Standardwerk zur Gattung (Charlebois et al. 2010, Elderberry: Botany, Horticulture, Potential, Horticultural Reviews Band 37) im europäischen Sortenkreis nennt. Haschberg ist eine in Österreich ausgelesene Sorte, selbstfruchtbar, wüchsig und ertragreich, mit Fruchtreife von Ende August bis Anfang September, traditionell für Saft angebaut. Als zweite benannte europäische Sorte ist Korsoer zu nennen, eine dänische Sorte, besonders winterhart und teilweise selbstfruchtbar. Weitere europäische Sorten gibt es, mit Sicherheit pflanzen kannst du Haschberg und Korsoer.[1]

Eine Verwechslung verdient besondere Aufmerksamkeit: Black Lace (die Sorte Eva) ist ein schwarzlaubiger Zierholunder des Schwarzen Holunders, etwa 2,5 bis 4 m hoch und breit, ausgezeichnet mit dem RHS Award of Garden Merit, aber als Zierpflanze für Laub und Blüte gedacht, nicht für den Fruchtertrag. Willst du Beeren, kauf eine Fruchtsorte, keine Zierform.

Benannte europäische Sorten des Schwarzen Holunders.
SorteHerkunftHinweise
HaschbergÖsterreich (ausgelesen)Selbstfruchtbar, wüchsig, ertragreich, Saftsorte
KorsoerDänemarkBesonders winterhart, teilweise selbstfruchtbar
Black Lace (Eva)ZierformSchwarzlaubig, RHS AGM, für Laub und Blüte, nicht für Frucht
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5. Pflege: Schnitt und häufige Probleme

Ein junger Holunder braucht etwa zwei Jahre lang keinen Schnitt, bis er eingewachsen ist (RHS). Danach schneidest du in der Ruhezeit, im Spätwinter, bevor die Knospen austreiben.

Der Erneuerungsschnitt ist einfach: nimm jeden Spätwinter totes, schwaches und über drei Jahre altes Holz heraus und lass ein ausgewogenes Gerüst aus ein-, zwei- und dreijährigen Trieben stehen, bei einer ausgewachsenen Pflanze etwa fünf bis acht Triebe. Du hältst das Fruchtholz jung, indem du das alte herausnimmst.

Hier der Artunterschied, den viele Anleitungen übergehen. Der Schwarze Holunder fruchtet nicht zuverlässig an ganz neuem Holz, deshalb ist für ihn die richtige Maßnahme die gezielte Erneuerung der ältesten Triebe, nicht das bodennahe Abschneiden der ganzen Pflanze. Den Amerikanischen Holunder schneiden Anbauer teils komplett bodeneben zurück, weil er an Neutrieben trägt, für den Schwarzen Holunder ist das der falsche Weg, wenn es um Frucht geht. Also kappe einen Schwarzen Holunder nicht bodeneben für den Ertrag.

Für den Schnitt im Detail folgt ein eigener Beitrag (JNL-012, Holunder schneiden).

Orientiere dich bei Problemen an den örtlichen Bedingungen und setze auf gärtnerische Pflegemaßnahmen. Am europäischen Holunder sitzen junge Triebe manchmal voller Blattläuse, gelegentlich tritt Verticillium-Welke auf. Pilzliche Probleme wie Holunderrost (Puccinia bolleyana) kommen vor. Die klare Antwort ist Hygiene, nicht Spritzen: schneide befallene Triebe heraus und entsorge sie, sammle und entsorge das Winterschnittgut, damit überwinternde Schädlinge und Pilzsporen mit hinausgehen, halte die Pflanzung sauber, und schütze die reifenden Beeren mit einem Netz vor Vögeln.

Zum Schluss der Sinn der Sache. Der Holunder verdient seinen Platz als Wildtier- und Heckenpflanze, die Blüten nähren Insekten samt Bestäubern, die reifen Beeren nähren Vögel (die RHS führt Sambucus nigra als Pflanze für den Naturgarten), und als Küchenpflanze mit klarem Jahresrhythmus, die Blüten im Frühsommer für Hollerkiachal und Sirup, die gekochten Beeren im Frühherbst für Mus, Saft und Suppe. Unsere eigene Arbeit gilt der europäischen Art, Sambucus nigra, aus österreichischen Regionen wie der Steiermark, dem Burgenland und Niederösterreich, und genau um diese Pflanze geht es hier.

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6. Häufige Fragen

Ist Holunder ein Baum oder ein Strauch?

Beides, je nach Art und Schnitt. Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist ein großer, mehrstämmiger Strauch, den du als kleinen Hochstamm ziehen kannst, der Amerikanische Holunder (S. canadensis) ist ein niedrigerer, ausläufertreibender Strauch, der ein Dickicht bildet. Sich selbst überlassen bauen beide ein mehrstämmiges Gerüst, stark geschnitten bleiben sie niedriger.

Wie groß wird ein Holunder?

Ein Schwarzer Holunder wird im Garten etwa 4 bis 8 m hoch bei 2,5 bis 4 m Breite (RHS) und als kleiner Baum bis etwa 10 m. Der Amerikanische Holunder bleibt niedriger, etwa 1,5 bis 4 m und meist breiter als hoch.

Wie lange dauert es, bis ein Holunder Früchte trägt?

In den ersten Jahren baut die Pflanze Wurzeln und Gerüst auf. Entferne im ersten Jahr die Blüten, damit sie in die Struktur investiert; der volle Ertrag kommt in den folgenden Jahren. Eine langsam einwachsende Einzelpflanze braucht eher etwas länger.

Brauche ich zwei Holunder, um Beeren zu bekommen?

Eine Pflanze setzt etwas Frucht an, denn Holunder ist teilweise selbstfruchtbar, doch zwei verschiedene Sorten geben einen zuverlässigeren Ertrag. Haschberg ist selbstfruchtbar, trägt aber mehr, wenn er fremdbestäubt wird.

Wächst Holunder im Schatten?

Er verträgt Halbschatten, trägt aber am besten in voller Sonne, also gib ihm den sonnigsten Platz, wenn es um Früchte geht. Dunkel- und gelblaubige Ziersorten halten ihre Farbe in der Sonne besser.

Wann pflanzt man Holunder am besten?

Im Frühjahr, sobald der Boden bearbeitbar ist und kein starker Frost mehr droht, oder im Herbst. Containerpflanzen, wie sie für den Garten üblich sind, kannst du auspflanzen, sobald der Boden nicht nass, gefroren oder ausgetrocknet ist, am besten im Frühjahr oder Herbst.

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Quellen zu Anbau und Pflege

Quellen

  1. Charlebois D, et al.. Elderberry: Botany, Horticulture, Potential. 2010. doi:10.1002/9780470543672.ch4