Christiane's Naturkraft
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Syrische Kapernbohne

Zygophyllum fabago L.
Quellen
39 ausgewiesen
WofürZur Orientierung: Herkunft, regionale Überlieferungen und die Grenzen der Forschung. Wegen ungeklärter Sicherheit, allergener Pollen und möglicher Verwechslungen eignet sich die Pflanze nicht zur Selbstbehandlung.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
7Modern, keine vormoderne Tradition
SicherheitMit VorsichtDie Sicherheit beim Verzehr und bei medizinischer Anwendung ist ungeklärt. Hinzu kommen belegte allergene Pollen, mögliche Metallbelastung und Verwechslung mit Peganum harmala. Widersprüchliche Giftigkeitsangaben und ein theoretisches Transporter-Wechselwirkungssignal rechtfertigen die Einstufung mit Vorsicht.
Tradition
Übliche Zubereitungen
AbkochungPulverUmschlagGewürz

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Die Syrische Kapernbohne wächst in trockenen Gebieten von Südosteuropa und Ägypten über West- und Zentralasien bis nach China. Regionale Berichte nennen vor allem den Samen, daneben Wurzel, Kraut, Früchte und Blütenknospen. Klinisch geprüft ist keine dieser Anwendungen.

Zu den untersuchten Inhaltsstoffen gehören sulfatierte Triterpensaponine und Flavonoidglykoside. Laborarbeiten berichten antimikrobielle Aktivität, daneben Negativbefunde bei einzelnen Enzym- und Zelltests. Jeder Befund gilt für den jeweiligen Extrakt und Test. Die gut dokumentierte Untersuchung am Menschen betrifft die allergenen Pollen.

In der EU ist die Art als Arzneipflanze nicht bewertet. Weder die EMA noch die Kommission E haben eine Monografie zu ihr veröffentlicht, und im EU-Register gesundheitsbezogener Angaben kommt sie nicht vor. Eine sichere Dosis ist nirgends festgelegt. Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: meiden. Das gilt auch bei Nierenerkrankungen, regelmäßiger Medikation, unsicherer Bestimmung und Material von belasteten Standorten.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
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In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Die Syrische Kapernbohne, Zygophyllum fabago L., ist ein ausdauerndes Kraut aus der Familie der Jochblattgewächse. Ihr natürliches Areal reicht von Südosteuropa und Ägypten über West- und Zentralasien bis nach China. Samen werden in regionalen iranischen Berichten als Abkochung oder Pulver beschrieben, Wurzel und Kraut für äußerliche Anwendungen. Hinzu kommen Nahrungsberichte über Früchte und eingelegte Blütenknospen. Die Pflanze ist trotz ihres Namens kein Kapernstrauch.

Klinisch geprüft ist keine dieser Anwendungen. Laborbefunde betreffen bestimmte Extrakte und Tests, und die einzige gut dokumentierte Untersuchung am Menschen betrifft die Pollenallergie. Wegen ungeklärter Sicherheit, widersprüchlicher Giftigkeitsangaben, möglicher Metallbelastung und der Verwechslungsgefahr mit Peganum harmala eignet sich die Pflanze nicht zur Selbstbehandlung.

02
Geschichte

Geschichte

Die botanische Geschichte ist besser datiert als die medizinische Überlieferung. Zygophyllum fabago ist in Linnés Species Plantarum von 1753 auf Seite 385 veröffentlicht. Die Flora Iberica verfolgt die Namensgeschichte noch weiter zurück: Linné ersetzte 1737 den älteren Gattungsnamen Fabago und erläuterte 1738 seine Ablehnung der Bohnenverbindung. Der neue Name verweist auf die wie ein Joch gepaarten Fiederblättchen. Diese Daten betreffen Namen und Botanik, sie datieren keinen Beginn medizinischer Anwendung.

Die medizinische Überlieferung ist dagegen jung dokumentiert. Erst Veröffentlichungen der letzten zwei Jahrzehnte halten fest, was die Menschen vor Ort mit der Pflanze tun. In der Provinz Kerman kochen sie den Samen ab oder nehmen ihn als Pulver, im iranischen Aserbaidschan legen sie Wurzel und Kraut auf Bienen- und Skorpionstiche, in Belutschistan zählt die Art zu den Heilpflanzen der Region, und in Nordwestchina werden die frischen Früchte genascht. Die Erhebung aus Kerman merkt sogar an, dass diese Anwendung in der persischen Ethnobotanik bisher nicht verzeichnet war. Einen älteren Text, ob persisch, Unani oder chinesisch, der die Art als Heilpflanze nennt, zitiert keine der Quellen.

Außerhalb ihres Areals ist die Art seit über 150 Jahren belegt. Der spanische Atlas invasiver Pflanzen nennt eine Fundangabe von 1861 auf Schutthalden und Brachen bei Aranjuez, und 1926 und 1929 meldete die Zeitschrift Science die Art aus den Vereinigten Staaten und aus Colorado. Warum sie so schwer loszuwerden ist, erklärt die Washingtoner Artbeschreibung: Sie vermehrt sich über Samen, Rhizome und Wurzelstücke. Aus Samen oder Wurzelstücken sollte sie außerhalb ihres natürlichen Areals nicht verbreitet werden.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Die Zusammensetzung unterscheidet sich zwischen Rinde, Kraut und Wurzel. Feng und Kollegen isolierten aus der Stammrinde 2008 die sulfatierten Ursan-Saponine Zygophylosid O und P, 2009 Zygophylosid Q und R. Die Sulfatgruppe sitzt bei O und P an einem Zucker, bei Q und R an Position 24 des Triterpengerüsts. Khan und Kollegen isolierten 2014 fünf sulfatierte Ursan-Saponine aus dem Kraut, darunter Zygofabosid A. Frühere Rindenarbeiten beschrieben 27-nor-Triterpenglykoside und Glykoside von Chinovasäure und Cincholsäure. Yaripour und Kollegen gewannen aus Wurzeln das prenylierte Flavonglykosid Zygocaperosid sowie Isorhamnetin-3-O-glucosid. Eine chinesische Arbeit von 2015 beschrieb dreizehn Verbindungen aus dem Kraut, sieben Sesquiterpenoide und sechs Norsesquiterpenoide vom Megastigman-Typ. Eine weitere Arbeit isolierte beta-Sitosterol aus dem Kraut mit subkritischem Kohlendioxid. Der Samen, der Pflanzenteil der iranischen Überlieferung, wurde in keiner dieser Arbeiten untersucht.

Die Laborbefunde hängen vom untersuchten Material ab. Extrakte zeigten in Kulturtests antimikrobielle Aktivität. Sulfatierte Saponine hemmten Urease in einem zellfreien Test, eine IC50 ließ sich wegen der geringen verfügbaren Substanzmenge nicht bestimmen. Radikalfängertests ergaben antioxidative Aktivität. Das türkische Screening fand bei 10 Mikrogramm pro Milliliter keine nennenswerte Cholinesterasehemmung. Die iranische Arbeit von 2017 berichtete für ihre Extrakte aus oberirdischen Teilen keine antiproliferative Wirkung auf die untersuchten Krebszelllinien. Das sind präklinische Befunde aus Zellkultur oder zellfreien Tests. Der zusätzlich verwendete Salinenkrebs ist ein tierisches Larvenmodell. Daraus folgt keine nachgewiesene klinische Wirkung.

Eine klinische Studie zur Einnahme oder äußerlichen Anwendung gibt es nicht. Die menschlichen Daten betreffen vor allem Pollenallergie. Belchí-Hernández und Kollegen berichteten darüber 1997 und veröffentlichten 1998 eine aerobiologische und klinische Untersuchung aus Murcia. Über vier Saisonen von 1993 bis 1996 wurde Pollenflug von Mai bis September gemessen. Von 1180 Allergiepatientinnen und -patienten reagierten 181 im Hauttest, also 15,34 Prozent. Bei 47 sensibilisierten Personen, auf drei Gruppen verteilt, waren 13 von 15 bronchialen, 14 von 16 nasalen und 13 von 16 konjunktivalen Provokationen positiv. Das beschreibt diese Patientengruppe und keine allgemeine Bevölkerungsrate. Immunoblot-Untersuchungen wiesen Profilin nach, RAST-Hemmtests zeigten Kreuzreaktivität mit Mercurialis-, Ricinus-, Olea- und Betula-Pollen. Eine Arbeit von 2002 lokalisierte allergene Proteine im Pollenkorn.

Ein Screening von 172 Pflanzenextrakten zeigte eine Hemmung menschlicher renaler OAT1- und OAT3-Transporter durch Dichlormethan- und n-Butanol-Extrakte der ganzen Pflanze. Zygophyllum fabago gehörte nicht zu den abschließend ausgewiesenen starken Hemmern mit IC50 unter 5 Mikrogramm pro Milliliter. Umweltstudien aus Südostspanien behandeln die Art als Pionier belasteter Böden. In einer Studie enthielten ihre Sprosse etwa 750 Milligramm Zink pro Kilogramm. Weitere Arbeiten untersuchten Cadmium und Zink in Spross, Wurzel und Kallus. Die kasachische Arbeit von 2026 fand in ihrem Material kein nachweisbares Blei und nur wenig Cadmium. Dieser einzelne Probenbefund lässt sich nicht auf andere Standorte übertragen.

Zygophyllum fabago steht weder im EMA-Verzeichnis pflanzlicher Arzneimittel noch in der Monografienliste der Kommission E (Stand 31. Juli 1994) noch im EU-Register gesundheitsbezogener Angaben. Weder auf EU-Ebene noch in Deutschland hat eine Behörde Qualität oder Sicherheit der Art bewertet. Die kasachische Arbeit von 2026 nennt fehlende standardisierte Qualitätskontrolle und fehlende Arzneibuchmonografien als Forschungslücke.

Wie stark Ergebnisse vom Material abhängen, zeigt der Vergleich zweier Zellarbeiten. Die iranische Studie von 2017 fand für ihre Extrakte aus oberirdischen Teilen keine antiproliferative Wirkung. Eine kasachische Arbeit von 2025 untersuchte sechs Extrakte aus Wurzeln und oberirdischen Teilen, gewonnen mit Ethanol, Ethylacetat oder Hexan. Der Ethylacetat-Extrakt aus Wurzeln hemmte K562-Leukämiezellen mit einer IC50 von 121,0 ± 2,5 Mikrogramm pro Milliliter, jener aus oberirdischen Teilen mit 120,4 ± 3,1 Mikrogramm pro Milliliter. Die Arbeiten unterscheiden sich in Extrakten und untersuchten Zelllinien, ihre Ergebnisse sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar. Keiner dieser Befunde belegt eine Krebsbehandlung beim Menschen.

04
Wirksamkeit

Wirksamkeit

6 Outcomes evaluiert. Sortierung: Note absteigend.
ZielKlasseNoteWirkungStudien
Befragte ländlicher Gemeinschaften im Iran
Nur überlieferte Anwendung
Aserbaidschanischsprachige Gemeinschaften im Nordwestiran und zusammengetragene regionale Berichte
Nur überlieferte Anwendung
Bakterien- und Pilzkulturen (nur in vitro)
Nur in vitro
Zellfreier Enzymtest (nur in vitro)
Kein Effekt im Labor1 Studie
Allergiepatientinnen und -patienten in Murcia, Südostspanien (1180 im Hauttest)
Belegter Schaden durch Pollenkontakt
Transporter-exprimierende Zelllinien (nur in vitro)
Theoretisches Wechselwirkungssignal1 Studie
05
Wichtige Studien

Die Studien, auf die es ankommt.

  1. Beobachtungsstudie · 1998

    Eine Allergieambulanz in Murcia testete 1180 Patientinnen und Patienten im Hauttest auf die Pollen, 181 reagierten, also 15,34 Prozent. Bei 47 sensibilisierten Personen waren 13 von 15 bronchialen, 14 von 16 nasalen und 13 von 16 konjunktivalen Provokationen positiv, und der Pollenflug dauerte von Mai bis September. Das ist die einzige klinische Untersuchung zur Art, und was sie belegt, ist ein Schaden. Die Zahlen gelten für Allergiepatienten und lassen sich nicht auf die Bevölkerung übertragen.

    Belchí-Hernández J, Moreno-Grau S, Sánchez-Gascón F, Bayo J, Elvira Rendueles B, Bartolomé B, Moreno JM, Martinez Quesada J, Palacios Peláez R. Sensitization to Zygophyllum fabago pollen. A clinical and immunologic study. doi:10.1111/j.1398-9995.1998.tb03883.x
  2. Laborstudie · 2017

    Ein chinesisches Labor prüfte 172 Extrakte aus 37 Pflanzen an Nierenzellen, die den menschlichen Transporter OAT1 oder OAT3 tragen. Bei 5 Mikrogramm pro Milliliter ließ der Dichlormethan-Extrakt der ganzen Pflanze 46 Prozent der OAT1- und 53 Prozent der OAT3-Aufnahme übrig, der Butanol-Extrakt jeweils 60 Prozent. Unter den am Ende ausgewiesenen starken Hemmern war Zygophyllum fabago nicht. Ein Zellbefund dieser Art begründet eine Vorsichtsregel für Menschen mit Dauermedikation. Eine Wechselwirkung beim Menschen ist damit nicht gezeigt.

    Hang Lu, Zhiqiang Lu, Xue Li, Gentao Li, Yilin Qiao, Robert P. Borris, Youcai Zhang. Interactions of 172 plant extracts with human organic anion transporter 1 (SLC22A6) and 3 (SLC22A8): a study on herb-drug interactions. doi:10.7717/peerj.3333
  3. Beobachtungsstudie · 2021

    Zwischen 2017 und 2019 befragte ein Team 217 Kräuterkundige in der Provinz Kerman zu ihren Heilpflanzen. Für Zygophyllum fabago, dort Gich genannt, nannten sie den Samen als Abkochung zum Einnehmen: als Wurmmittel, Abführmittel und Magenmittel, bei Übelkeit und zur Milchbildung, mit drei bis vier Nennungen je Anwendung. Die Autoren vermerken, dass diese Anwendung in der persischen Ethnobotanik bisher nicht verzeichnet war. Eine Befragung dokumentiert den Gebrauch und sagt nichts über Wirksamkeit oder Sicherheit.

    Seyed Hamzeh Hosseini, Hossein Bibak, Abdollah Ramzani Ghara, Amirhossein Sahebkar, Abolfaz Shakeri. Ethnobotany of the medicinal plants used by the ethnic communities of Kerman province, Southeast Iran. doi:10.1186/s13002-021-00438-z
  4. Laborstudie · 2026

    Eine kasachische Arbeitsgruppe beschrieb 2026 Material aus Südostkasachstan von der Blattanatomie bis zum Elementgehalt. Die meisten Extraktfraktionen hemmten die geprüften Keime bis 1000 Mikrogramm pro Milliliter nicht, die Ethylacetat-Fraktion hemmte Pseudomonas aeruginosa bei 250 und Enterococcus faecalis bei 500. Im Salinenkrebs-Test starben bis 10 Milligramm pro Milliliter ethanolischem Extrakt keine Larven, und Blei war in der Probe nicht nachweisbar. Das sind Labor- und Probenbefunde und keine Sicherheitsfreigabe für Menschen.

    Ostemirkyzy Darika, Kapsalyamova Elmira, Daryono Hadi Tjahjono, Mombekov Serzhan, Ustenova Gulbaram, Kantureyeva Aigerim, Shulenova Gaukhar, Alimova Urziya, Zhaimbayeva Elmira, Botabayeva Rauan. Pharmacognostic Characterization, Phytochemical Profiling, and In Vitro Biological Evaluation of Zygophyllum fabago L. doi:10.3390/ijms27135907
  5. Laborstudie · 2017

    Die Arbeitsgruppe aus Täbris, Urmia und Teheran isolierte 2017 aus den Wurzeln das Flavonglykosid Zygocaperosid und Isorhamnetin-3-O-glucosid und prüfte Extrakte aus Blättern und Blüten an drei Krebszelllinien und einer normalen Zelllinie. Keiner der Extrakte hemmte das Zellwachstum nennenswert, der Methanolextrakt wirkte antioxidativ. Die Einleitung hält die iranischen Namen Qeich und Memeli Üzerlik und die aserbaidschanische Anwendung auf Bienen- und Skorpionstiche fest. Zellbefunde dieser Art sagen nichts über eine Wirkung beim Menschen.

    Saeid Yaripour, Mohammad-Reza Delnavazi, Parina Asgharian, Samira Valiyari, Saeed Tavakoli, Hossein Nazemiyeh. A Survey on Phytochemical Composition and Biological Activity of Zygophyllum fabago from Iran. doi:10.15171/apb.2017.014
06
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

Die folgenden Angaben dokumentieren regionale Verwendung. Sie eignen sich wegen ungeklärter Sicherheit nicht als Anleitung. Iranische Erhebungen nennen Samen als Abkochung oder Pulver zum Einnehmen, ohne Mengenangabe. Die aserbaidschanischsprachigen Berichte beschreiben Wurzel und Kraut, äußerlich bei Insektenstichen aufgelegt. In Nordwestchina sind frische Früchte als Wildsnack dokumentiert. Flora Iberica nennt Blütenknospen, in Salz und Essig eingelegt und als Kapernersatz verwendet, bezeichnet dieselbe Art aber auch als giftig. Samen, Wurzel, Kraut, Früchte und Blütenknospen sind unterschiedliche Materialien, und die chemischen Arbeiten unterscheiden zusätzlich Rinde und oberirdische Teile. Ergebnisse zu einem Material sagen nichts über die Sicherheit eines anderen. Eine amtlich geprüfte Zubereitung oder Qualitätsnorm gibt es nicht, und eine Produktbezeichnung allein belegt weder Identität noch Qualität.

Dosierung

Eine sichere Dosis, Tagesmenge oder Anwendungsdauer lässt sich aus den Quellen nicht ableiten. Die iranischen Erhebungen nennen Samenabkochung oder Samenpulver zum Einnehmen, aber keine Menge, und weder die EMA noch die Kommission E haben eine Monografie mit Dosierung veröffentlicht. Dieser Eintrag nennt daher keine Dosis und empfiehlt keine Anwendung.

Besondere Gruppen

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: meiden. Für diese Gruppen liefern die geprüften Arbeiten keine ausreichenden Sicherheitsdaten. Die milchfördernde Samenanwendung in einer iranischen Erhebung ist eine berichtete Verwendung ohne Sicherheitsprüfung. Sie begründet keine Empfehlung in der Stillzeit. Auch Menschen mit Nierenerkrankungen oder regelmäßiger Medikation sollten die Pflanze wegen des theoretischen renalen Transporter-Wechselwirkungssignals meiden.

07
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Für eine sichere medizinische Anwendung fehlt jede Grundlage, denn es gibt keine behördliche Bewertung und keine ermittelte Dosis. Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: meiden, für diese Gruppen liegen keine Sicherheitsdaten vor. Die in Kerman dokumentierte milchfördernde Samenanwendung wurde nie auf Sicherheit geprüft. Wer eine Anwendung erwägt, sollte mit einer Ärztin oder einem Apotheker sprechen und sich nicht selbst behandeln. Pollen von Zygophyllum fabago können bei sensibilisierten Menschen Atemwegsbeschwerden auslösen. In Murcia reagierten 181 von 1180 Allergiepatientinnen und -patienten im Hauttest, also 15,34 Prozent. Das ist keine Bevölkerungsrate. Die meisten Provokationen in der untersuchten Gruppe waren positiv. Pollen wurden von Mai bis September gemessen. Profilin wurde nachgewiesen, ebenso Kreuzreaktivität mit Mercurialis-, Ricinus-, Oliven- und Birkenpollen. Bei entsprechender Sensibilisierung, Heuschnupfen oder Asthma kann bereits Pollenflug aus einem Bestand Beschwerden verursachen, ohne Berührung oder Verzehr. Wildmaterial kann mit Metallen belastet sein. Die Art besiedelt auch saure Bergbauhalden. In einer Studie aus Südostspanien enthielten ihre Sprosse etwa 750 Milligramm Zink pro Kilogramm, weitere Arbeiten untersuchten Cadmium und Zink in Pflanzen und Kallus. Material von Bergbauhalden, Straßenrändern oder Industrieflächen darf niemals gegessen oder als Hausmittel verwendet werden. Die Hemmung renaler OAT1- und OAT3-Transporter im Labor begründet außerdem einen theoretischen Wechselwirkungshinweis. Bei regelmäßiger Arzneimitteleinnahme ist die Pflanze zu meiden.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Das veröffentlichte Laborscreening von 172 Pflanzenextrakten fand eine Hemmung menschlicher renaler OAT1- und OAT3-Transporter durch Dichlormethan- und n-Butanol-Extrakte der ganzen Pflanze. Diese Transporter wirken an der Nierenausscheidung vieler Arzneimittel mit. Ihre Hemmung könnte die Ausscheidung solcher Substrate verändern. Zygophyllum fabago stand nicht in der abschließenden Liste starker Hemmer mit IC50 unter 5 Mikrogramm pro Milliliter. Der Zellbefund weist auf eine mögliche Wechselwirkung hin, deren klinisches Ausmaß unbekannt ist. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte diese Pflanze meiden und die Frage mit einer Ärztin oder einem Apotheker besprechen.

Gegenanzeigen

Schwangerschaft und Stillzeit: meiden. Die geprüften Quellen liefern keine ausreichenden Sicherheitsdaten für diese Gruppen. Kerman dokumentiert eine volksmedizinische milchfördernde Samenanwendung, ohne ihre Sicherheit zu prüfen. Kinder: meiden. Eine sichere pädiatrische Dosis oder ausreichende Sicherheitsbewertung wurde in den geprüften Quellen nicht gefunden. Bekannte Sensibilisierung gegen Pollen von Zygophyllum fabago oder gegen profilinhaltige Pollen wie Mercurialis, Ricinus, Olive oder Birke: Kontakt mit der Pflanze und ihren Zubereitungen meiden. Nierenerkrankungen oder regelmäßige Einnahme von Arzneimitteln, die über die Niere ausgeschieden werden: meiden, angesichts der im Labor gezeigten Hemmung der renalen Transporter OAT1 und OAT3. Material von Bergbauhalden, Abraum, Straßenrändern oder Industrieflächen: niemals verwenden. Die Art kann Metalle aus belastetem Boden aufnehmen, darunter Zink und Cadmium. Die untersuchten Bergbauhalden waren auch stark mit Blei belastet. Unsichere Bestimmung: niemals verwenden. Peganum harmala trägt in Teilen des Areals den volkstümlichen Namen üzerlik und ist wirklich giftig.

Nebenwirkungen

Eine Sicherheitsbilanz für Verzehr oder äußerliche Anwendung gibt es nicht. Gut dokumentiert sind allergische Beschwerden durch Pollen: Rhinokonjunktivitis und Asthma bei sensibilisierten Personen, mit positiven bronchialen, nasalen und konjunktivalen Provokationen in der spanischen Patientenserie. Ein ethanolischer Extrakt kasachischen Materials zeigte im Salinenkrebs-Test bis 10 Milligramm pro Milliliter keine nachweisbare Toxizität unter den Testbedingungen. Das ist keine Freigabe für den Menschen. Flora Iberica bezeichnet Zygophyllum fabago ausdrücklich als halluzinogen und giftig, und der spanische Atlas invasiver Pflanzen nennt die sehr bitteren Blätter giftig für Mensch und Vieh. Die Washingtoner Unkrautbehörde führt eine Giftigkeit dagegen als nicht bekannt. Welche Stoffe dahinterstehen und wie giftig die Pflanze für Menschen wirklich ist, klärt keine dieser Quellen. Dieser Widerspruch ist ein Grund, die Pflanze nicht zu essen.

08
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Zygophyllaceae
Heimische Regionen
Native range includes southeastern Europe, western and central Asia, and Egypt, Central Asian records include Kazakhstan, Turkmenistan, Afghanistan and Pakistan, Native Chinese range includes Xinjiang, Inner Mongolia and north-central China, Introduced in Spain, France and Sardinia, Introduced in several US states, with quarantine restrictions in Washington
Erntezeit
Leafy shoots and flower buds occur from late spring through summer, followed by ripening capsules. Regional flowering records include March to June in Iberia and May to September in Pakistan. This is botanical timing, not a recommendation to harvest.
Lebensraum
Die Syrische Kapernbohne wächst an trockenen, teils salzigen und gestörten Standorten: in Steppe und Halbwüste, an steinigen Hängen, Flussufern, Bewässerungskanälen, Straßen und Bahntrassen. Als Xerohalophyt verträgt sie Trockenheit und Salz. In Südostspanien besiedelt sie auch saure, metallreiche Bergbauhalden. Solche Bestände sind wegen möglicher Metallbelastung keine Quelle für Lebensmittel oder Hausmittel.
Erkennen & Sammeln
Ein ausdauerndes Kraut, in regionalen Floren etwa 30 bis 100 Zentimeter hoch, mit glatten, gestreiften, verzweigten Stängeln. Die gegenständigen Blätter tragen jeweils zwei dicke, ungeteilte Fiederblättchen. Die Flora von Pakistan nennt für diese 15 bis 26 Millimeter, andere Floren größere Spannweiten. Der Blattstiel kann im Verhältnis zu den Fiederblättchen kürzer oder länger sein. Die fünf weißlichen bis gelblichen Blütenblätter haben einen orange-roten Grund, darüber ragen zehn orangefarbene Staubblätter. Die längliche, fünfkantige, vielsamige Kapsel hängt bei der Reife nach unten und misst in der pakistanischen Beschreibung 20 bis 35 Millimeter. Der Name Kapernbohne reicht zur Bestimmung nicht aus. Die Pflanze gehört zu den Jochblattgewächsen, der echte Kapernstrauch zu den Kaperngewächsen. Besonders wichtig ist die Abgrenzung von Peganum harmala: Im Nordwestiran können sich die lokalen Namen überschneiden. Unsicher bestimmtes Material darf nicht verwendet werden.

Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen

Giftig

Steppenraute (Peganum harmala), die Üzerlik-Falle

Im iranischen Aserbaidschan heißt Zygophyllum fabago Memeli Üzerlik. Üzerlik allein bezeichnet dort auch Peganum harmala, die Steppenraute. Beide kommen im selben Trockengebiet vor. Peganum harmala ist giftig: Eine Untersuchung trockener Samen bestimmte Harmin und Harmalin mit etwa 4,3 und 5,6 Gewichtsprozent. Samenextrakte hemmten die menschliche Monoaminoxidase A stark. Vergiftungsberichte betreffen auch eine Einnahme zu Rauschzwecken. Peganum harmala hat fein geteilte, tief eingeschnittene Blätter und eine rundliche, dreifächerige Kapsel. Zygophyllum fabago hat zwei dicke, ungeteilte Fiederblättchen je Blatt und eine längliche, gerippte, fünfkantige Kapsel. Ein gemeinsamer Name ersetzt diese Merkmale nicht.

Unangenehm

Echter Kapernstrauch (Capparis spinosa)

Echte Kapern sind die eingelegten Blütenknospen von Capparis spinosa. Die Flora Iberica beschreibt auch Knospen von Zygophyllum fabago als Kapernersatz, doch gleich sicher sind sie deshalb nicht. Der echte Kapernstrauch ist ein ausladender, oft dorniger Strauch mit großen weißen Blüten und langen Staubfäden. Die Syrische Kapernbohne ist ein Kraut mit kleineren Blüten und paarigen, fleischigen Fiederblättchen. An diesen Merkmalen lassen sich beide unterscheiden, am Namen nicht. Wegen der widersprüchlichen Giftigkeitsangaben zu Zygophyllum fabago sollte man ihre Knospen nicht selbst sammeln und einlegen.

Unangenehm

Andere Zygophyllum-Arten, besonders Zygophyllum eurypterum

Mehrere Zygophyllum-Arten ähneln einander und werden regional verwendet. Die Erhebung aus Kerman führt Zygophyllum eurypterum und Zygophyllum fabago unter demselben Namen Gich und mit denselben Samenanwendungen auf. In Belutschistan wird außerdem Zygophyllum propinquum verwendet. Eine Überlieferung oder ein Laborergebnis zu einer dieser Arten darf nicht auf eine andere übertragen werden. Dieser Eintrag behandelt Zygophyllum fabago L.

Unangenehm

Erd-Burzeldorn (Tribulus terrestris)

Tribulus terrestris gehört ebenfalls zu den Jochblattgewächsen. Er wächst meist flach am Boden, hat viele kleine Fiederblättchen und eine harte, stachelige Frucht. Zygophyllum fabago trägt zwei dicke Fiederblättchen je Blatt und eine längliche, glatte Kapsel. Eine sichere Bestimmung bleibt auch dann nötig, wenn Material als Nahrungsergänzung angeboten wird. Aussagen zu Tribulus terrestris gelten nicht für Zygophyllum fabago.

09
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Was ist die Syrische Kapernbohne und welche Teile werden verwendet?

Zygophyllum fabago ist ein ausdauerndes Kraut aus der Familie der Jochblattgewächse. Regionale Berichte nennen Samen als Abkochung oder Pulver, Wurzel und Kraut für äußerliche Anwendungen, frische Früchte als Wildnahrung und eingelegte Blütenknospen als Kapernersatz. Die Pflanzenteile und Anwendungen sind voneinander zu unterscheiden. Wegen ungeklärter Sicherheit eignet sich keine dieser Aufzeichnungen als Anleitung.

Ist die Syrische Kapernbohne von einer europäischen Behörde zugelassen?

Nein. Weder die Europäische Arzneimittel-Agentur noch die deutsche Kommission E haben eine Monografie zu Zygophyllum fabago veröffentlicht, und im EU-Register gesundheitsbezogener Angaben kommt die Art nicht vor. Im US-Bundesstaat Washington steht sie sogar als Unkraut der Klasse A unter Quarantäne. Ob ein einzelnes Produkt verkauft werden darf, entscheidet das jeweilige Lebensmittel- und Arzneimittelrecht.

Warum heißt sie Kapernbohne und lassen sich die Knospen wirklich einlegen?

Die Flora Iberica beschreibt Blütenknospen, die in Salz und Essig eingelegt und anstelle von Kapern verwendet wurden. Der Name ist deshalb verständlich, beweist aber keine sichere Verwendung. Dasselbe Werk bezeichnet die Pflanze als halluzinogen und giftig. Die älteren Namen Fabago und Zygophyllum haben zudem eine eigene botanische Geschichte: Linné verwarf die Verbindung mit der Bohne und bevorzugte einen Namen, der auf die paarigen Fiederblättchen verweist. Leg die Knospen also bitte nicht selbst ein.

Kann sie mit einer anderen Pflanze verwechselt werden?

Ja. Im Nordwestiran überschneiden sich die Namen mit Peganum harmala, einer giftigen Art mit starken Monoaminoxidase-A-hemmenden Samenbestandteilen. Andere Zygophyllum-Arten können denselben lokalen Namen tragen. Auch der echte Kapernstrauch ist trotz des Namens eine andere Pflanze. Unsicher bestimmtes Material darf nicht verwendet werden.

Ist die Syrische Kapernbohne sicher?

Die Sicherheit beim Verzehr und bei medizinischer Anwendung ist nicht ausreichend geklärt. Flora Iberica nennt die Art halluzinogen und giftig, während die Washingtoner Unkrautbehörde eine Giftigkeit als nicht bekannt führt. Ein Salinenkrebs-Test ohne nachweisbare Toxizität eines bestimmten Extrakts klärt die menschliche Sicherheit nicht. Hinzu kommen belegte Pollenallergie, mögliche Metallbelastung und ein theoretisches Arzneimittel-Wechselwirkungssignal. Für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder gilt: meiden.

Warum taucht diese Pflanze immer wieder in der Bergbau- und Schwermetallforschung auf?

Die Art kann saure, metallreiche Bergbauhalden besiedeln. Eine Studie aus Südostspanien bestimmte in ihren Sprossen etwa 750 Milligramm Zink pro Kilogramm. Weitere Arbeiten untersuchten Cadmium und Zink in Pflanzen und Kalluskulturen sowie die Stabilisierung belasteter Böden. Das erklärt ihren ökologischen Forschungswert. Material solcher Standorte darf wegen möglicher Kontamination niemals gegessen oder als Hausmittel verwendet werden.

Gibt es klinische Evidenz für die überlieferten Anwendungen?

Nein. Befragungen dokumentieren den Gebrauch, Laborversuche untersuchen Extrakte, klinische Studien zu den überlieferten Anwendungen gibt es nicht. Die einzige gut dokumentierte Untersuchung am Menschen betrifft die Pollenallergie, also einen Schaden.

10
Quellen

39 Belege.

  1. Saeid Yaripour, Mohammad-Reza Delnavazi, Parina Asgharian, Samira Valiyari, Saeed Tavakoli, Hossein Nazemiyeh. A Survey on Phytochemical Composition and Biological Activity of Zygophyllum fabago from Iran.. 2017. doi:10.15171/apb.2017.014
  2. Seyed Hamzeh Hosseini, Hossein Bibak, Abdollah Ramzani Ghara, Amirhossein Sahebkar, Abolfaz Shakeri. Ethnobotany of the medicinal plants used by the ethnic communities of Kerman province, Southeast Iran.. 2021. doi:10.1186/s13002-021-00438-z
  3. Hossein Bibak, Farzad Heydari, Mohammad Sadat-Hosseini. Exploring the power of data mining for uncovering traditional medicinal plant knowledge: A case study in Shahrbabak, Iran.. 2024. doi:10.1371/journal.pone.0303229
  4. Zaidi MA, Crow SA Jr. Biologically active traditional medicinal herbs from Balochistan, Pakistan.. 2005. doi:10.1016/j.jep.2004.07.023
  5. Khan SS, Khan A, Khan A, Wadood A, Farooq U, Ahmed A, Zahoor A, Ahmad VU, Sener B, Erdemoglu N. Urease inhibitory activity of ursane type sulfated saponins from the aerial parts of Zygophyllum fabago Linn.. 2014. doi:10.1016/j.phymed.2013.09.009
  6. Alia Ahmed, Amjad Hameed, Shazia Saeed. Biochemical profile and bioactive potential of thirteen wild folk medicinal plants from Balochistan, Pakistan.. 2020. doi:10.1371/journal.pone.0231612
  7. Xiaohuan Jia, Yongxia Zhao, Yunyue Zhu, Xin Zeng, Xuehui Liang, Jian Xie, Faming Wu. Ethnobotany of wild edible plants in multiethnic areas of the Gansu-Ningxia-Inner Mongolia junction zone.. 2022. PMID:35945554
  8. He JH, Niu YF, Li JX, Wang LB, Zi TP, Yu S, Tao J. [Studies on terpenoids from Zygophyllum fabago].. 2015. doi:10.4268/cjcmm20152318
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