Portulak
In Kürze
Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen
Portulak ist ein fleischiges Sommergemüse mit drei verschieden verwendeten Formen. Blatt und zarter Stängel werden von der Türkei und Griechenland bis Indien und Mexiko gegessen. In Mexiko heißt die Pflanze verdolaga und zählt zu den quelites, den gesammelten Wildgemüsen. Das getrocknete Kraut steht als Ma Chi Xian im chinesischen Arzneibuch und wird dort in Mengen von 9 bis 15 Gramm in Wasser gekocht. Gemahlene Samen sind die Form, mit der die meisten modernen Studien gearbeitet haben.
Eine gemeinsame Auswertung von 16 Studien mit 1122 Teilnehmenden aus dem Jahr 2023 fand niedrigeren Nüchternblutzucker und eine höhere antioxidative Kapazität im Blut, also eine größere Fähigkeit, Oxidationsreaktionen entgegenzuwirken. Die Hälfte der Studien lief bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die meisten verwendeten gemahlene Samen. Frisches Blatt enthält etwa 300 bis 400 Milligramm der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure je 100 Gramm. In den untersuchten Blättern lag der Gehalt höher als bei Spinat. Wie Spinat enthält Portulak auch viel Oxalat.
Die Autoren bewerten beide Studienbefunde als wenig verlässlich, wegen methodischer Mängel, beim Blutzucker zusätzlich wegen stark streuender Ergebnisse und bei der antioxidativen Kapazität wegen kleiner Stichproben. Vierzehn der 16 Studien stammen aus dem Iran. Beim Langzeitzuckerwert HbA1c und bei der Insulinresistenz, der verminderten Reaktion des Körpers auf Insulin, fand sich keine statistisch gesicherte Veränderung. Nur wenige kleine Studien haben die überlieferten Anwendungen geprüft. Ein gesundheitlicher Nutzen einer gewöhnlichen Portion Portulaksalat ist mit diesen Ergebnissen nicht belegt. Wegen des Oxalats sind große Mengen problematisch. Meide konzentrierte Zubereitungen in Schwangerschaft und Stillzeit. Prüf beim Sammeln Blätter, Stängel und Saft zusammen, denn giftige Wolfsmilch kann ähnlich aussehen. Sie hat weißen Milchsaft, Portulak klaren Saft. Lass stehen, was du nicht sicher erkennst.
Klinische Evidenz ↔ Historische BedeutungWir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.Mehr lesen
In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.
Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.
Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.
Überblick
Portulak, Portulaca oleracea L., ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Portulakgewächse. Sie wächst flach am Boden, mit fleischigen, rötlichen Stängeln, glänzenden, spatelförmigen Blättern und kleinen gelben Blüten. Drei Formen der Pflanze haben drei verschiedene Geschichten. Das frische Kraut, also Blatt und zarter Stängel, ist im Mittelmeerraum, im Nahen Osten, in Südasien und in Mexiko ein Alltagsgemüse, roh im Salat oder gekocht wie Spinat. Das getrocknete Kraut steht in China als Ma Chi Xian im Arzneibuch. Der Samen schließlich ist die Form, mit der die meisten modernen Studien gearbeitet haben. Liest du über Portulak, halte diese drei Formen stets auseinander.
Am besten belegt ist seine Zusammensetzung. Frische Portulakblätter enthalten etwa 300 bis 400 Milligramm der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure je 100 Gramm. In den untersuchten Blättern lag der Gehalt höher als bei Spinat. Dazu kommen Kalium, Magnesium, Vitamin A und Vitamin C. Dasselbe Blatt enthält viel Oxalsäure. In der EU ist Portulak ein Lebensmittel. Eine arzneiliche Monografie der EU oder eine zugelassene Gesundheitsangabe gibt es für ihn nicht.
Geschichte
Die schriftliche Überlieferung des Portulaks reicht bis ins erste Jahrhundert zurück, und die antiken Quellen kann man bis heute nachlesen. Plinius der Ältere widmet der porcillaca in der Naturalis Historia ein eigenes Kapitel, im Buch über Heilmittel aus Gartenpflanzen. Er zählt fünfundzwanzig Anwendungen auf, von Kopfschmerzen und Zahnweh bis zur Ruhr, und vermerkt, dass man die Pflanze als Salat aß. Dioskurides beschreibt sie in De Materia Medica als andrachne, ein kühlendes, zusammenziehendes Mittel bei Brennen im Magen, entzündeten Augen, Ruhr und Hämorrhoiden. Diese Liste stammt aus einer Übersichtsarbeit von 2017, nicht aus dem griechischen Text selbst. Danach gelangte die Pflanze in die persische und arabische Medizin, wo sie als khorfeh in Avicennas Kanon der Medizin sowie bei Rhazes und Dschordschani erscheint, und von dort in die Unani-Medizin Südasiens. Dort heißt das Kraut Khurfa, und der Samen wird eigens als Tukhme Khurfa gehandelt.
In China wurde das getrocknete Kraut zur Arzneidroge Ma Chi Xian. Sie steht bis heute im chinesischen Arzneibuch, das 9 bis 15 Gramm vorsieht, um Hitze zu klären und Toxine auszuleiten, wie es in der chinesischen Medizin heißt. In Mexiko heißt die Pflanze verdolaga und gehört zu den klassischen quelites, den Wildgemüsen, die gesammelt und auf Märkten verkauft werden. In Yucatán trägt sie Maya-Namen wie xúukul und xanab mukuy. Wie sie nach Amerika kam, ist umstritten. Die großen Floren führen sie dort als eingeführt, doch Byrne und McAndrews legten Belege dafür vor, dass Portulak schon vor Kolumbus in der Neuen Welt vorkam. Im deutschsprachigen Raum heißt sie Gemüse-Portulak oder Sommerportulak, volkstümlich Burzelkraut. Schon Hildegard von Bingen nennt sie Mitte des 12. Jahrhunderts in ihrer Physica „Burzel“ und hält wenig von ihr als Speise. Sie sei kalt, mache Schleim im Körper und nütze dem Menschen beim Essen nicht. Heute kennt man sie als Salatpflanze im Garten und als zähes Ackerunkraut, dessen Samen jahrzehntelang keimfähig bleiben.
Wirkmechanismus
Portulak enthält Fettsäuren, Farbstoffe und andere Pflanzenstoffe. Frische Blätter enthalten etwa 300 bis 400 Milligramm Alpha-Linolensäure je 100 Gramm. In den untersuchten Blättern lag der Gehalt höher als bei Spinat. Die Pflanze enthält Betacyane, rote Farbstoffe, und Oleraceine, stickstoffhaltige Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Cyclo-Dopa-Alkaloide. Dopamin und Noradrenalin, zwei Botenstoffe, sind im Blatt stärker angereichert als in Stängel und Samen. Dazu kommen Flavonoide, eine weitere Gruppe von Pflanzenstoffen, wie Kämpferol, Quercetin, Luteolin und Apigenin. Portulak enthält auch Kalium, Magnesium und Calcium sowie Oxalsäure, die bei großen Mengen für die Ernährung ein Nachteil ist.
Was diese Stoffe im Körper tun, weiß man überwiegend aus Labor und Tierversuch. In Zellkulturen und Tierversuchen fingen Portulak-Extrakte freie Radikale ab, reaktionsfreudige Moleküle, die Zellen schädigen können. Die Extrakte senkten Marker der Fettoxidation, dämpften Entzündungssignale in Zellen der Blutgefäßwand und verringerten künstlich ausgelöste Schäden der Magenschleimhaut. In Versuchen an Ratten verringerte ein hoch dosierter Flavonoidextrakt aus Blatt und Stängel die Einnistung von Embryonen in der Gebärmutter und löste Schwangerschaftsverluste aus. Das ist einer der Gründe für die Vorsicht in der Schwangerschaft. Beim Menschen ist keiner dieser Mechanismen belegt. Gesichert ist die Rolle der Alpha-Linolensäure als Nährstoff, für den es eine eigene zugelassene EU-Angabe gibt.
Die Studien zu Portulak untersuchen vor allem Stoffwechselwerte, meist bei Menschen mit einer Stoffwechseldiagnose. Jafari und Kollegen werteten 2023 die vorhandenen Studien systematisch aus und untersuchten den Zusammenhang zwischen Menge und Wirkung. Die Übersicht umfasst 16 Studien mit 1122 Teilnehmenden, die nach dem Zufallsprinzip einer Portulak- oder Vergleichsgruppe zugeteilt wurden. Acht davon liefen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Andere Gruppen hatten unter anderem Fettleber, erhöhte Blutfette oder ein metabolisches Syndrom, eine Kombination mehrerer Stoffwechselstörungen. Die Übersicht enthält auch eine Studie bei Menschen mit Schizophrenie und eine bei körperlich inaktiven jungen Frauen. Über 4 bis 16 Wochen wurden täglich 0,06 bis 50 Gramm gegeben, die 50 Gramm als frisches Kraut. Meist waren es 7,5 bis 10 Gramm am Tag, überwiegend gemahlene Samen und nicht das Blatt vom Teller. Zusammengefasst sank der Nüchternblutzucker statistisch gesichert. Die gesamte antioxidative Kapazität im Blut stieg, also die Fähigkeit, Oxidationsreaktionen entgegenzuwirken. Malondialdehyd, ein Marker für die Oxidation von Fetten, fiel.
Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse zum Nüchternblutzucker stuften die Autoren als niedrig ein, weil die meisten Studien methodisch schwach waren und die Ergebnisse stark streuten. Das I-Quadrat, ein Maß für diese Streuung, lag bei etwa 86 Prozent. Der Langzeitzuckerwert HbA1c beruhte auf nur zwei Studien und zeigte keine statistisch gesicherte Veränderung, ebenso wenig das Nüchterninsulin und HOMA-IR, ein Wert für die verminderte Reaktion auf Insulin. Vierzehn der 16 Studien stammen aus dem Iran, was die Übertragbarkeit begrenzt. Auch einzelne Studien widersprechen dem Gesamtbild. Eine doppelblinde Studie mit 300 Milligramm Extrakt aus dem Kraut pro Tag bei 74 Menschen mit Fettleber fand beim Nüchternblutzucker und bei der Insulinresistenz keinen Unterschied zu Placebo. In einer Studie bekamen 48 Menschen mit Typ-2-Diabetes nacheinander beide Zubereitungen, täglich 10 Gramm Samen in Joghurt oder Joghurt allein. Nüchternblutzucker, Insulin und HOMA-IR unterschieden sich zwischen den Zubereitungen nicht. Eine weitere Studie von 2024 bei Menschen mit Fettleber hatte 70 Teilnehmende, die sie abschlossen. Sie erhielten 8 Wochen lang täglich 700 Milligramm eines Wasser-Alkohol-Extrakts aus den oberirdischen Teilen oder Placebo. Beide Gruppen ernährten sich kalorienreduziert. Gegenüber Placebo war der Nüchternblutzucker niedriger, Insulin und HOMA-IR unterschieden sich aber nicht statistisch gesichert. Die Befunde betreffen Blutwerte bei Menschen mit bestimmten Diagnosen unter ärztlicher Betreuung, die meist Samen einnahmen. Dass ein Portulaksalat Ähnliches bewirkt, zeigen diese Studien nicht, und für die Behandlung einer Erkrankung mit Portulak bieten sie keine Grundlage.
Wirksamkeit
| Ziel | Klasse | Note | Wirkung | Studien |
|---|---|---|---|---|
| Nüchternblutzucker (meist Samen, Patientengruppen)Die Metaanalyse von Jafari 2023, eine gemeinsame Auswertung mehrerer Studien, umfasst 16 Studien mit 1122 Teilnehmenden, die nach dem Zufallsprinzip den Gruppen zugeteilt wurden. In 11 davon wurde der Nüchternblutzucker gemessen, und er lag mit Portulak, meist gemahlenen Samen, im Mittel um etwa 8 mg/dl niedriger als in den Vergleichsgruppen. Die Autoren bewerten die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse als niedrig, weil die meisten Studien methodische Mängel hatten und die Ergebnisse stark streuten. Vierzehn der 16 Studien stammen aus dem Iran, und alle 11 Studien zum Nüchternblutzucker liefen bei Menschen mit einer Diagnose wie Typ-2-Diabetes, Fettleber, metabolischem Syndrom oder erhöhtem Cholesterin.Erwachsene, meist mit Typ-2-Diabetes, Fettleber oder metabolischem Syndrom, einer Kombination mehrerer Stoffwechselstörungen | VorläufigVorläufige Forschung. Erste kleine Studien deuten einen Effekt an, sind aber noch nicht repliziert. | CEvidenzqualität C. Gemischte oder begrenzte Evidenz. Kleine Studien, Signale, oder traditionelle Anwendung mit EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Senkung, schwache Beweislage | |
| HbA1c, Nüchterninsulin und InsulinresistenzBei drei Werten fand dieselbe Metaanalyse keine statistisch gesicherte Veränderung: beim Langzeitzuckerwert HbA1c (2 Studien), beim Nüchterninsulin (5 Studien) und beim Insulinresistenzwert HOMA-IR (4 Studien). Die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse ist niedrig bis sehr niedrig. Auch eine placebokontrollierte Studie mit 300 mg Extrakt täglich bei 74 Menschen mit Fettleber fand beim Nüchternblutzucker und bei der Insulinresistenz keinen Unterschied zu Placebo.Erwachsene mit Typ-2-Diabetes oder Fettleber | VorläufigVorläufige Forschung. Erste kleine Studien deuten einen Effekt an, sind aber noch nicht repliziert. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Kein statistisch gesicherter Effekt | |
| Marker für oxidativen Stress (antioxidative Kapazität, Malondialdehyd)Dieselbe Metaanalyse fand eine höhere gesamte antioxidative Kapazität im Blut (3 Studien), also eine größere Fähigkeit, Oxidationsreaktionen entgegenzuwirken. Außerdem fand sie weniger Malondialdehyd (5 Studien), einen Marker für die Oxidation von Fetten im Körper. Die Autoren stufen die Vertrauenswürdigkeit für die antioxidative Kapazität als niedrig ein, für Malondialdehyd als sehr niedrig. Das Ergebnis zur antioxidativen Kapazität beruht zu fast vier Fünfteln auf einer einzigen Studie mit 20 jungen Frauen. Das sind Blutwerte, keine nachgewiesenen Veränderungen der Gesundheit, und eine antioxidative Gesundheitsangabe ist für Portulak in der EU nicht zugelassen.Erwachsene aus fünf der Studien, mit und ohne Diagnose | VorläufigVorläufige Forschung. Erste kleine Studien deuten einen Effekt an, sind aber noch nicht repliziert. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Nur Blutwerte | |
| Traditionelle kühlende Anwendung bei entzündlichen und VerdauungsbeschwerdenSechs Überlieferungen verwenden Portulak als kühlendes Mittel bei entzündlichen, Harnwegs- und Verdauungsbeschwerden: die griechische, die römische und die persische Medizin, die Unani-Medizin Südasiens, die chinesische Medizin und die indische Volksmedizin. In China ist das getrocknete Kraut bis heute eine Arzneibuchdroge. Klinische Studien haben diese Anwendungen nur vereinzelt aufgegriffen und vor allem Stoffwechselwerte gemessen.Historische und ethnobotanische Überlieferungen aus sechs Traditionen | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Nur traditionelle Anwendung | |
| Gehalt des frischen Blattes an Alpha-LinolensäureFrisches Portulakblatt enthält etwa 300 bis 400 mg Alpha-Linolensäure (ALA) je 100 g. In der Untersuchung von Simopoulos und Kollegen lag der Gehalt höher als bei Spinat. Für ALA ist in der EU die Angabe zugelassen: „ALA trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei.“ Sie darf für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens 0,3 g ALA je 100 g und je 100 kcal enthalten. Dazu gehört der Hinweis, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 2 g ALA einstellt. Ob ein bestimmtes Lebensmittel die Schwellen erreicht, hängt von seinem gemessenen Gehalt ab. Die Angabe betrifft den Nährstoff ALA.Analysen des frischen Blattes | VorläufigVorläufige Forschung. Erste kleine Studien deuten einen Effekt an, sind aber noch nicht repliziert. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Gehalt gemessen, kein Gesundheitsergebnis |
Anwendung
Formen und Zubereitung
Als Gemüse braucht Portulak kaum Arbeit. Schneide junge Triebe vor der Blüte und wasch sie gründlich, denn die Pflanze wächst dicht am Boden. Roh im Salat schmecken die dicken Blätter knackig, leicht säuerlich und salzig. Gekocht verhält sich Portulak wie eine Mischung aus Spinat und Okra, er fällt rasch zusammen und bindet Suppen und Eintöpfe ein wenig. In der türkischen, griechischen, levantinischen und mexikanischen Küche wird er mit Zwiebel und Paradeisern geschmort, in Joghurt gerührt oder als verdolagas mit Schweinefleisch oder Bohnen gekocht. Isst du ihn oft oder in größeren Mengen, blanchier oder koch ihn und gieß das Wasser weg, denn so sinkt der Oxalatgehalt. Rohe Säfte und grüne Smoothies behalten das Oxalat dagegen. Als Heilmittel gehen die Formen auseinander. In der chinesischen Praxis wird das getrocknete Kraut, Ma Chi Xian, abgekocht, und frisches Kraut wird zerstoßen auf Hautleiden und Insektenbisse gelegt. Nahrungsergänzungen und Studien verwenden meist gemahlene Samen, in Kapseln oder in Joghurt, manchmal auch einen Extrakt aus dem Kraut. Das sind konzentrierte Produkte mit eigener Dosierung und eigenen Vorsichtshinweisen. Mit einer Portion Gemüse haben sie wenig gemein. Achte bei jedem Präparat darauf, dass das Etikett den Pflanzenteil nennt, denn Blatt, getrocknetes Kraut und Samen sind nicht austauschbar.
Dosierung
Eine offizielle europäische Dosierung gibt es nicht, weil Portulak keine EU-Monografie hat. Als Gemüse isst man ihn in üblichen Portionen, und die Grenze setzt das Oxalat. Iss ihn deshalb abwechselnd mit anderem Gemüse und nicht täglich schüsselweise, vor allem nicht roh. Zur Orientierung, nicht als Empfehlung, gibt es drei Bezugspunkte. In der chinesischen Praxis werden 9 bis 15 Gramm des getrockneten Krauts abgekocht. Die Studien der Metaanalyse von 2023 gaben 0,06 bis 50 Gramm pro Tag über 4 bis 16 Wochen, meist 7,5 bis 10 Gramm gemahlene Samen. Eine Studie verwendete 300 Milligramm pro Tag eines Wasser-Alkohol-Extrakts aus dem Kraut. Das sind Studienmengen bei Patientinnen und Patienten unter ärztlicher Aufsicht. Für den Alltag sind sie nicht gedacht. Erwägst du ein Portulak-Präparat, halte dich an das Etikett. Nimmst du blutzuckersenkende Mittel oder hattest du Nierensteine, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Besondere Gruppen
Schwangerschaft und Stillzeit. Meide in dieser Zeit konzentrierte Zubereitungen. In Versuchen an Ratten verringerte ein hoch dosierter Flavonoidextrakt aus Blatt und Stängel die Einnistung von Embryonen in der Gebärmutter und löste Schwangerschaftsverluste aus. Die Monografie von Health Canada, die Ma Chi Xian als Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin erfasst, nennt Schwangerschaft und Stillzeit für alle Produkte unter dieser Monografie als Gegenanzeige. Klär Lebensmittelmengen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Neigst du zu Calciumoxalat-Nierensteinen oder hat man dir eine oxalatarme Ernährung empfohlen, halte es mit Portulak wie mit Spinat. Iss also kleine Portionen, gekocht und mit weggegossenem Wasser statt roh. Nimmst du blutzuckersenkende Arzneimittel, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du Zubereitungen aus Portulaksamen dazunimmst, denn in Studien senkten sie den Nüchternblutzucker. Kinder dürfen Portulak als Gemüse essen. Samenpulver wurde in einer kleinen, einmonatigen Studie bei Jugendlichen mit Adipositas und erhöhten Blutfetten geprüft. Eine Dosierung für den allgemeinen Gebrauch bei Kindern ist damit nicht festgelegt. Die Monografie von Health Canada zu Bestandteilen der traditionellen chinesischen Medizin gilt für Erwachsene ab 18 Jahren. Gib Kindern keine Portulak-Präparate.
Sicherheit
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Die wichtigste mögliche Wechselwirkung ergibt sich aus seinen eigenen Studien und betrifft blutzuckersenkende Arzneimittel. Zubereitungen aus Portulaksamen senkten in der zusammengefassten Studienliteratur den Nüchternblutzucker bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Kommen sie zu Insulin, Metformin, Sulfonylharnstoffen oder ähnlichen Mitteln dazu, könnte sich die Wirkung addieren. Sprich in diesem Fall vor dem Beginn mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, und ändere verordnete Dosen nicht selbst. Health Canada verlangt für Produkte unter seiner Monografie zu Bestandteilen der traditionellen chinesischen Medizin ärztlichen Rat vor der Anwendung, wenn du verschreibungspflichtige Arzneimittel einnimmst. Zwei weitere Punkte kommen dazu. Weil das Blatt oxalatreich ist, sind große Mengen für alle bedeutsam, die wegen Nierensteinen behandelt werden oder eine entsprechende Diät einhalten. Und weil die Pflanze Kalium enthält, sollten Menschen mit kaliumarmer Diät oder mit Arzneimitteln, die den Kaliumspiegel erhöhen, die Portionen im Blick behalten. Diese Hinweise betreffen mögliche Risiken, die sich aus der Zusammensetzung und den angeführten Studienergebnissen ableiten.
Gegenanzeigen
Schwangerschaft und Stillzeit, bei arzneilichen und konzentrierten Zubereitungen. Die Monografie von Health Canada, die Ma Chi Xian als Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin erfasst, schreibt vor, das Produkt in Schwangerschaft und Stillzeit nicht anzuwenden. In Versuchen an Ratten verringerte ein hoch dosierter Flavonoidextrakt aus Blatt und Stängel die Einnistung von Embryonen in der Gebärmutter und löste Schwangerschaftsverluste aus. Bekannte Überempfindlichkeit gegen Portulak oder andere Portulakgewächse. Calciumoxalat-Nierensteine oder eine verordnete oxalatarme Ernährung. Meide dann große Mengen und rohe Zubereitungen, es sei denn, deine Ernährungsberatung empfiehlt dir etwas anderes. Kinder, bei arzneilichen Zubereitungen. Samenpulver wurde in einer kleinen, einmonatigen Studie bei Jugendlichen mit Adipositas und erhöhten Blutfetten geprüft. Eine Dosierung für den allgemeinen Gebrauch bei Kindern ist damit nicht festgelegt. Die Monografie von Health Canada zu Bestandteilen der traditionellen chinesischen Medizin gilt für Erwachsene ab 18 Jahren. Gib Kindern keine Portulak-Präparate. Das Gemüse in üblichen Mengen ist etwas anderes.
Nebenwirkungen
Beim Gemüse ist das Oxalat der wichtigste Ernährungshinweis. In den klinischen Studien, die 4 bis 16 Wochen lang Samenpulver oder Extrakt gaben, wurde er gut vertragen, und Verstopfung war die häufigste Beschwerde. Allergische Reaktionen sind möglich. Sehr große Mengen oxalatreicher Blätter sind für Menschen mit Neigung zu Nierensteinen nicht ratsam. Bemerkst du eine unerwartete Reaktion, hör mit der Einnahme auf und hol dir ärztlichen Rat.
Verwechslungen
Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen
Prostrate spurges (Euphorbia maculata, E. prostrata, E. humifusa)
Niederliegende Wolfsmilcharten lassen sich leicht mit Portulak verwechseln. Sie wachsen auf demselben warmen, offenen Boden, kriechen ebenso flach und haben ebenso rötliche Stängel, deshalb landen sie leicht im Korb. Ein Unterschied liegt im Saft. Ein gebrochener Wolfsmilchstängel gibt weißen Milchsaft ab, Portulak dagegen klaren, wässrigen Saft. Wolfsmilchblätter sind dünn und flach, stehen einander paarweise gegenüber, sind oft fein gezähnt und tragen manchmal einen dunklen Fleck. Portulakblätter sind dick und fleischig und haben einen glatten Rand. Wolfsmilchstängel können behaart sein, Portulakstängel nie. Der Milchsaft reizt Haut und Augen, die Pflanzen sind nicht essbar, und die Gefleckte Wolfsmilch gilt als stark giftig für Schafe. Kleine Wolfsmilchpflanzen zeigen den Milchsaft nicht immer deutlich. Prüf deshalb alle Merkmale zusammen und lass stehen, was du nicht sicher erkennst. Trage beim Prüfen unbekannter Pflanzen Handschuhe, vermeide Kontakt mit Haut und Augen und koste sie nicht. Wolfsmilch ist giftig.
Winter purslane or miner's lettuce (Claytonia perfoliata, German Winterportulak or Postelein)
Eine Namensfalle ohne Vergiftungsgefahr, aber eine häufige, denn auf Märkten im deutschsprachigen Raum liegt Winterportulak oft neben Sommerportulak. Claytonia perfoliata gehört zu einer anderen Familie, den Quellkrautgewächsen, und sieht anders aus. Ihre Blätter sind dünn, weich und hellgrün, und das obere Paar ist zu einer runden Scheibe verwachsen, durch die der Blütenstiel wächst. Sie gedeiht in der kühlen Jahreshälfte, Portulak dagegen im Sommer, mit dicken, fleischigen Blättern. Beide sind gute Salatpflanzen. Alles, was über Inhaltsstoffe, Alpha-Linolensäure und die chinesische Droge Ma Chi Xian gesagt wird, gilt aber nur für Portulaca oleracea.
Moss rose and other ornamental Portulaca (Portulaca grandiflora)
Das Portulakröschen für Töpfe und Beete ist eine nahe Verwandte des Gemüses, aber eine andere Art. Portulaca grandiflora hat nadelförmige, walzenrunde Blätter und große, leuchtende Blüten in Rosa, Rot, Orange, Gelb und Weiß. Portulaca oleracea hat flache, spatelförmige Blätter und kleine, unscheinbare gelbe Blüten. Was über Ernährung, Arzneibuch und Studien des Gemüses bekannt ist, gilt für den Zierportulak nicht. Pflanzen aus der Gärtnerei können zudem mit Pflanzenschutzmitteln behandelt sein und gehören deshalb nicht in die Küche.
Häufige Fragen
Welcher Teil des Portulaks wird verwendet, und ist das wichtig?
Ja. Blatt und zarter Stängel sind das Gemüse, roh oder gekocht. Das getrocknete Kraut ist die chinesische Arzneidroge Ma Chi Xian. Die meisten modernen Studien verwendeten dagegen gemahlene Samen. Was für eine Form gefunden wurde, gilt nicht automatisch für die anderen. Achte deshalb immer darauf, von welchem Pflanzenteil eine Aussage oder eine Studie spricht.
Ist Portulak in Europa für eine gesundheitliche Anwendung zugelassen?
Portulak wird in der EU als Gemüse gegessen und hat keine EU-Pflanzenmonografie. Der Registerauszug der Europäischen Kommission vom 14. Februar 2013 führt die antioxidative Gesundheitsangabe für Portulaca oleracea unter Nummer 2734 als nicht zugelassen. Die chinesische Arzneibuchdroge Ma Chi Xian und ihre Erfassung durch Health Canada begründen keine Zulassung in der EU. Die zugelassene ALA-Angabe betrifft den Nährstoff und hat eigene Bedingungen.
Ist Portulak wirklich eine gute Omega-3-Quelle?
Frische Portulakblätter enthalten etwa 300 bis 400 Milligramm Alpha-Linolensäure je 100 Gramm. In den untersuchten Blättern lag der Gehalt höher als bei Spinat. Alpha-Linolensäure ist eine pflanzliche Omega-3-Fettsäure. Sie unterscheidet sich von EPA und DHA, den Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch. Die Messwerte beschreiben die Zusammensetzung des Blatts.
Wie problematisch ist das Oxalat im Portulak?
Das Oxalat ist der Hauptgrund für die Einstufung Vorsicht. In Untersuchungen wurden etwa 670 bis 870 Milligramm Oxalat je 100 Gramm frisches Portulakblatt berichtet. Eine andere Untersuchung bestimmte rund 6,5 Gramm Oxalsäure je 100 Gramm trockener Blätter. Das sind getrennte Messungen, keine Umrechnung, und der Gehalt hängt auch von Anbau und Messmethode ab. Portulak gehört damit wie Spinat zu den oxalatreichen Blattgemüsen. Oxalat bindet Calcium und Eisen, der Körper kann beide dann schlechter aufnehmen, und bei Neigung zu Calciumoxalat-Nierensteinen ist viel Oxalat ein anerkanntes Risiko. Wer Portulak kocht und das Kochwasser weggießt, senkt den Gehalt, rohe Säfte und Smoothies tun das nicht. Hattest du schon Nierensteine, halte es mit Portulak wie mit Spinat und iss nur kleine Portionen.
Darf Portulak in der Schwangerschaft gegessen werden?
Ein sicheres Maß für Schwangerschaft und Stillzeit ist aus diesen Quellen nicht ableitbar. In Versuchen an Ratten verringerte ein hoch dosierter Flavonoidextrakt aus Blatt und Stängel die Einnistung von Embryonen in der Gebärmutter und löste Schwangerschaftsverluste aus. Die Monografie von Health Canada zu Bestandteilen der traditionellen chinesischen Medizin, die Ma Chi Xian einschließt, verlangt für alle Produkte unter dieser Monografie den Hinweis, sie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht anzuwenden. Verzichte daher in dieser Zeit auf Portulak-Kapseln, Samenpulver und Extrakte. Klär Lebensmittelmengen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.
Womit kann man Portulak beim Sammeln verwechseln?
Vor allem mit niederliegenden Wolfsmilcharten der Gattung Euphorbia, allen voran der Gefleckten Wolfsmilch. Sie wachsen auf demselben warmen, offenen Boden und haben ähnlich rötliche Stängel. Prüfe mehrere Merkmale zusammen. Wolfsmilch hat dünne, oft fein gezähnte Blätter, die einander gegenüberstehen, Portulak dicke, fleischige Blätter mit glattem Rand. Bei einem gebrochenen Stängel führt Wolfsmilch weißen Milchsaft, Portulak klaren, wässrigen Saft. Verlass dich beim Sammeln nicht allein auf den Saft. Trage beim Prüfen einer unbekannten Pflanze Handschuhe, vermeide Kontakt mit Haut und Augen und koste sie nicht. Der Milchsaft reizt Haut und Augen, und Wolfsmilch gehört nicht in die Küche. Bist du nicht sicher, lass die Pflanze stehen.
Gibt es Wechselwirkungen mit Arzneimitteln?
Health Canada verlangt für Produkte unter seiner Monografie zu Bestandteilen der traditionellen chinesischen Medizin ärztlichen Rat vor der Anwendung, wenn du verschreibungspflichtige Arzneimittel einnimmst. Den wichtigsten Hinweis auf mögliche Wechselwirkungen liefern die Studien zu Portulak. Zubereitungen aus Portulaksamen senkten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes den Nüchternblutzucker. Zusammen mit blutzuckersenkenden Arzneimitteln könnte sich die Wirkung deshalb addieren. Nimmst du solche Medikamente, sprich vor der Einnahme von Portulak-Präparaten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und ändere die Dosis nicht selbst. Wegen des Oxalats sollten auch alle vorsichtig sein, die wegen Nierensteinen in Behandlung sind. Die Vorsicht bei Diabetesmedikamenten gilt für Präparate. Eine Portion Gemüse ist damit nicht gemeint.
Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.