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Blutweiderich

Lythrum salicaria L.
WofürGerbstoffreiche Blütenspitzen mit Tradition als Tee, Waschung und Gurgellösung.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
63Etablierte historische Bedeutung
SicherheitMit VorsichtFür den traditionellen Tee ist keine schwere Giftigkeit dokumentiert. Belastbare Sicherheitsdaten fehlen aber. Die französische Registrierung begrenzt die Anwendung auf zwei Tage und rät in Schwangerschaft, Stillzeit und unter 18 Jahren ab. In einem Tierversuch wirkte ein isolierter Inhaltsstoff gerinnungsfördernd, und in der Natur wächst daneben ein Doppelgänger mit Pyrrolizidinalkaloiden. Deshalb lautet die Einstufung Vorsicht.
Tradition
Übliche Zubereitungen
AufgussAbkochungTinkturFlüssigextraktGurgellösungKompresse

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Der Blutweiderich ist eine hohe Staude nasser Ufer und eine der alten Heilpflanzen Europas. Verwendet werden die getrockneten blühenden Zweigspitzen, Lythri herba. Ihre traditionelle Anwendung als zusammenziehendes Mittel beruht vor allem auf den Gerbstoffen. Das Europäische Arzneibuch verlangt mindestens 5,0 Prozent davon, berechnet als Pyrogallol, und die Phytochemie hat gezeigt, dass es vor allem C-glykosidische Ellagitannine wie Vescalagin, Castalagin und die Salicarinine sind. Die Überlieferung reicht von Erasistratos, dem Plinius eine Anwendung bei Ekzemen zuschreibt, und Dioskurides, der die Ruhr nennt, über William Turner, der die Pflanze 1548 purple losestryfe nannte, bis in die französische Medizin. Dort blieb sie in Gebrauch, bei Fouquet 1793, Campardon 1883 und Henri Leclerc, der im Ersten Weltkrieg im Feld hartnäckige Durchfälle damit behandelte. Sieben der acht dokumentierten Traditionen stimmen in der wichtigsten Anwendung überein, einem zusammenziehenden Mittel bei leichten Darmbeschwerden. Die antiken Belege lassen allerdings offen, welche Art gemeint ist, weil der Name lysimachion auch den Gilbweiderich aus einer anderen Familie umfasste. Aus dem Mittelalter ist kein Beleg gesichert, und schon 1815 vermerkte Hecker, dass das Mittel nur noch selten verwendet werde.

In Frankreich ist ein Flüssigextrakt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichtem Durchfall registriert, allein auf Grund der langen Verwendung, doch seinen medizinischen Nutzen stufte die französische Gesundheitsbehörde HAS 2006 als unzureichend ein. Die blühende Spitze steht außerdem auf der französischen Liste A der traditionell verwendeten Arzneipflanzen. Das Europäische Arzneibuch legt für Lythri herba Identität, Reinheit und Gerbstoffgehalt fest, über die Wirkung sagt es nichts. Eine Monografie der Europäischen Arzneimittel-Agentur gibt es nicht. Auch die deutsche Kommission E und ESCOP, die europäische Organisation für Pflanzenheilkunde, haben keine Monografie erstellt. In der EU ist keine gesundheitsbezogene Angabe für die Pflanze zugelassen. Eine kontrollierte Studie am Menschen fehlt ebenfalls, bei Durchfall wie bei allem anderen. Die Übersichtsarbeit von 2015 hält die heutige Forschung für unzureichend, um die überlieferten Anwendungen zu stützen. Vorhanden sind Labor- und Tierversuche, und sie weisen nicht alle in dieselbe Richtung. Bei Mäusen bremste das französische Präparat Salicairine einen mit Rizinusöl ausgelösten Durchfall, und bei Ratten nahm der Dickdarm damit mehr Flüssigkeit auf. In der Zellkultur dämpften isolierte Ellagitannine entzündliche Funktionen menschlicher Neutrophiler, einer Art weißer Blutkörperchen, doch dieselben Autoren weisen darauf hin, dass diese Stoffe schlecht aufgenommen und von Darmbakterien zu Urolithinen umgebaut werden. An isoliertem Dünndarm vom Meerschweinchen zog ein anderer Extrakt die Darmmuskulatur zusammen, statt sie zu entspannen, während Salicairine am isolierten Zwölffingerdarm von Ratten künstlich ausgelöste Kontraktionen dämpfte.

Die Sicherheit ist mit Vorsicht eingestuft. Nennenswerte unerwünschte Wirkungen des traditionellen Tees sind nicht bekannt, doch belastbare Daten fehlen. Deshalb wird die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit und unter 18 Jahren nicht empfohlen. Selbst die französische Registrierung des Flüssigextrakts setzt enge Grenzen. Sie begrenzt die Anwendung auf zwei Tage und rät in denselben Gruppen ab. Ein gerbstoffreicher Tee kann bei empfindlichem Magen die Beschwerden verstärken und die Aufnahme gleichzeitig eingenommener Arzneimittel sowie von Eisen und Zink verringern, halte deshalb ein bis zwei Stunden Abstand. Im Tierversuch wirkte ein isolierter Inhaltsstoff gerinnungsfördernd, im Reagenzglas dagegen gerinnungshemmend. Nimmst du blutverdünnende Arzneimittel, sprich deshalb vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Konzentrierte Extrakte verlangen mehr Sorgfalt als Tee. Die historischen Anwendungen, etwa bei Bluthusten, Typhus, Gebärmutterblutungen oder bei Säuglingen mit Brechdurchfall, gehören der Vergangenheit an. Wenn du sammelst, denk an den Wasserdost. Er wächst auf demselben nassen Boden und enthält leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide. Prüfe typische Merkmale wie sechs Kronblätter, zwölf Staubblätter und einen kantigen Stängel zusammen mit Blättern und Blütenstand. Die Kronblattzahl kann von fünf bis sieben reichen. Lass unsicher bestimmte Pflanzen stehen und beachte die örtlichen Sammel- und Transportregeln. In Nordamerika ist die in Europa heimische Pflanze ein regulierter Eindringling. In vielen Bundesstaaten der USA gilt sie als schädliches Unkraut, und Minnesota und Washington verbieten Verkauf und Transport grundsätzlich, sehen aber gesetzliche Ausnahmen vor.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
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In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Der Blutweiderich (Lythrum salicaria L.) ist eine hohe Staude aus der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae), die in ganz Europa und im gemäßigten Asien Gräben, Teichränder, Riedwiesen und Flussufer säumt. Verwendet wird die getrocknete blühende Zweigspitze, in der Pharmazie Lythri herba genannt. Ihre Qualität legt eine Monografie des Europäischen Arzneibuchs (Nummer 1537) fest, die mindestens 5,0 Prozent Gerbstoffe verlangt, berechnet als Pyrogallol. Diese Gerbstoffe, vor allem C-glykosidische Ellagitannine wie Vescalagin, Castalagin und die Salicarinine, geben dem Kraut seinen trockenen, zusammenziehenden Geschmack und machen es zum klassischen Adstringens.

In Frankreich ist ein Flüssigextrakt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichtem Durchfall registriert, allein auf Grund der langen Verwendung, und das Europäische Arzneibuch regelt die Qualität des getrockneten Krauts. Eine Monografie der Europäischen Arzneimittel-Agentur, der Kommission E oder der ESCOP gibt es nicht, ebenso wenig eine in der EU zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Kontrollierte Studien am Menschen fehlen ganz. Einer tiefen europäischen Überlieferung, die von der antiken Materia medica über die französische und deutsche Medizin bis ins zwanzigste Jahrhundert reicht, steht also eine moderne Forschung gegenüber, die nur aus Labor- und Tierversuchen besteht. Der Blutweiderich ist eine vergessene Heilpflanze, deren Ruf auf jahrhundertelanger Praxis beruht.

02
Geschichte

Geschichte

Die Überlieferung beginnt in der Antike, und schon dort mit einem Namensproblem. Plinius berichtet, dass sich bereits Erasistratos der Pflanze gegen Ekzeme bediente, und Dioskurides empfiehlt sie bei Blutspeien, bei Ruhr und zur Stillung starker Monatsblutungen. Allerdings beschreibt Dioskurides sein lysimachion mit roten oder goldgelben Blüten. Der Name deckte also mehr als eine Pflanze, und die spätere Botanik teilte ihn zwischen Lythrum salicaria aus den Weiderichgewächsen und Lysimachia vulgaris aus den Primelgewächsen auf, zwei Arten aus nicht verwandten Gattungen. Der französische Name des Blutweiderichs, lysimachie rouge, bewahrt die alte Verwechslung bis heute. Die antiken Belege sind echt, lassen aber offen, welche Art gemeint ist. Im Jahr 1548 trennt William Turner die gelb blühende Art, die er Dioskurides zuschreibt, von einer purpurn blühenden Art am Wasser, die Plinius beschreibt, und nennt diese auf Englisch red loosstryfe oder purple losestryfe. Sein Herausgeber James Britten bestimmte sie 1881 als Blutweiderich.

Danach verlor die Pflanze in einem Land an Bedeutung und blieb in einem anderen in Gebrauch. Albrecht von Hallers medizinisches Lexikon von 1755 kennt sie nur noch als äußerliches Wundkraut, und Heckers praktische Arzneimittellehre von 1815 führt Durchfall, Ruhr und Bluthusten zwar auf, vermerkt aber, dass das Mittel nur noch selten verwendet werde. Die französische Medizin hielt es lebendig. Fouquet widmete der salicaire 1793 eine eigene Abhandlung und setzte sie als starkes Mittel gegen Durchfall ein. Campardon bestätigte seine Angaben 1883 und schätzte die Pflanze wegen ihres Gerbstoff- und Schleimgehalts. Henri Leclerc schrieb, dass ihm ein Aufguss der frischen Pflanze im Ersten Weltkrieg im Feld bei hartnäckigen Durchfällen gute Dienste leistete. Im deutschen Sprachraum blieb die Pflanze eher im Wortschatz als in der Hausapotheke, mit Namen wie Katzenwedel und Fuchswedel in Baden, Blutkraut auf der Schwäbischen Alb und Gullerwadel im Elsass. Auch aus der Schweiz sind eigene Namen überliefert. Hinter dem Namen Stolzer Heinrich sah Madaus den alten Glauben, in der Pflanze wohnten Kobolde, mal freundlich, mal feindlich. Er hielt 1938 die gesamte Überlieferung fest und nannte auch den Arzt De Haen, der sie gegen Durchfall empfahl. In Nordamerika, wo die Pflanze inzwischen verwildert war, führten die Eklektiker sie 1898 in King's American Dispensatory. Diese amerikanische Ärzteschule arbeitete vor allem mit Heilpflanzen. Dann geriet sie in Vergessenheit. Piwowarski und Kollegen nennen sie 2015 eine unterschätzte Heilpflanze, deren Beliebtheit aus unbekannten Gründen zurückging.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Die traditionelle Anwendung des Blutweiderichs als zusammenziehendes Heilkraut beruht vor allem auf seinen Gerbstoffen. Das Europäische Arzneibuch standardisiert Lythri herba auf den Gesamtgerbstoff, mindestens 5,0 Prozent berechnet als Pyrogallol. Phytochemische Arbeiten haben gezeigt, welche Gerbstoffe das sind: vor allem C-glykosidische Ellagitannine, die Monomere Vescalagin und Castalagin und die dimeren Salicarinine A, B und C, dazu weitere Ellagitannine wie Pedunculagin und Gallotannine wie die Galloylglucosen. Daneben stehen C-glykosidische Flavone (Vitexin, Isovitexin, Orientin und Isoorientin), Phenolsäuren wie Gallussäure, Ellagsäure und p-Cumarsäure, Anthocyane, Heteropolysaccharide, Schleimstoffe und Sterole wie beta-Sitosterol. Gerbstoffe wirken zusammenziehend, weil sie Eiweiße binden und ausfällen. Das verdichtet die Oberfläche einer gereizten Schleimhaut und vermindert die Absonderung. Darauf beruht der Gedanke hinter dem zusammenziehenden Tee und der äußerlichen Waschung. In einer Studie am Menschen geprüft wurde er nie.

Die Laborbefunde stammen alle aus Zellkultur, Gewebe und Tierversuch, und sie weisen nicht in dieselbe Richtung. Im Reagenzglas dämpften der wässrige Extrakt und die isolierten C-glykosidischen Ellagitannine mehrere entzündungsfördernde Funktionen menschlicher Neutrophiler, weißer Blutkörperchen der ersten Abwehr. Extrakt und Ellagitannine senkten die Bildung des Botenstoffs Interleukin 8 und reaktiver Sauerstoffverbindungen, die Freisetzung der Enzyme Elastase und Myeloperoxidase und die Menge des Oberflächenmoleküls CD11b. Die dimeren Salicarinine wirkten dabei deutlich stärker als die Monomere. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass Ellagitannine schlecht aufgenommen und von Darmbakterien zu Urolithinen umgebaut werden. Was im Reagenzglas auf die Zellen trifft, kreist also nicht in derselben Form im Blut. An isoliertem Dünndarm vom Meerschweinchen zog sich die Muskulatur unter einem mit Wasser und Ethanol hergestellten Extrakt zusammen, statt zu erschlaffen, vor allem über muskarinische Rezeptoren, die Andockstellen des Nervenbotenstoffs Acetylcholin. Das französische Präparat Salicairine dagegen dämpfte am isolierten Zwölffingerdarm von Ratten künstlich ausgelöste Kontraktionen, bremste bei Mäusen einen mit Rizinusöl ausgelösten Durchfall und ließ den Dickdarm von Ratten mehr Flüssigkeit aufnehmen. Die Autoren vermuten, dass zumindest ein Teil der Wirkung auf dieser besseren Flüssigkeitsaufnahme beruht. Ob der Tee bei Durchfall krampflösend wirkt, bleibt damit offen. Extrakte zeigen außerdem im Reagenzglas antioxidative und antimikrobielle Aktivität, und bei Nagetieren verringerten die mit Wasser oder Methanol hergestellten Extrakte, über den Mund gegeben, künstlich ausgelöste Schwellungen und Schmerzreaktionen. Keiner dieser Befunde wurde am Menschen geprüft. Der Mechanismus ist im Labor plausibel und teilweise beschrieben, und dort endet er.

Eine kontrollierte Studie zum Blutweiderich am Menschen ist nicht veröffentlicht, weder bei Durchfall noch bei anderen Beschwerden. Die Übersichtsarbeit von Piwowarski, Granica und Kiss aus dem Jahr 2015 im Journal of Ethnopharmacology ist die maßgebliche Bestandsaufnahme zu dieser Pflanze. Sie dokumentiert die traditionellen Anwendungen ausführlich und kommt zu dem Schluss, dass die heutige pharmakologische Forschung nicht ausreicht, um sie zu stützen. Auch die französische Registrierung beruht allein auf der langen Verwendung. Jede Nutzenaussage zu diesem Kraut stützt sich damit allein auf Tradition und Laborarbeit.

Es gibt nur wenig Forschung, und sie stammt ganz aus Versuchen mit Zellen, Geweben und Tieren. Brun und Kollegen prüften 1998 das französische Präparat Salicairine. Bei Mäusen bremste es einen mit Rizinusöl ausgelösten Durchfall, bei Ratten ließ es den Dickdarm mehr Flüssigkeit aufnehmen, und am isolierten Zwölffingerdarm von Ratten dämpfte es künstlich ausgelöste Kontraktionen. Granica und Kollegen fanden 2020 in der Zellkultur, dass ein Extrakt des Krauts durchfallauslösende Kolibakterien im Wachstum bremste und ihr Anhaften an Darmzellen hemmte. Extrakt und Ellagitannine halfen den Darmzellen außerdem, sich zu einer geschlossenen Schicht zu verbinden, was die Autoren als Stütze für die Anwendung bei Durchfall werten. Bencsik und Kollegen fanden 2013 dagegen, dass sich isolierter Meerschweinchendarm unter einem mit Wasser und Ethanol hergestellten Extrakt zusammenzog, statt sich zu entspannen. Tunalier und Kollegen fanden 2007 für Extrakte aus Blutweiderich eine antioxidative Wirkung im Reagenzglas, und bei Nagetieren verringerten die mit Wasser oder Methanol hergestellten Extrakte, über den Mund gegeben, künstlich ausgelöste Schwellungen und Schmerzreaktionen. Piwowarski und Kiss zeigten 2015 im Reagenzglas, dass der wässrige Extrakt und isolierte C-glykosidische Ellagitannine mehrere entzündungsfördernde Funktionen menschlicher Neutrophiler dämpfen. Sie wiesen auch darauf hin, dass diese Stoffe schlecht aufgenommen und von Darmbakterien zu Urolithinen umgebaut werden. Pawlaczyk und Kollegen isolierten 2010 aus der Pflanze ein saures Glykokonjugat, also eine zuckerhaltige Verbindung. Es blockierte die Gerinnselbildung im Reagenzglas und in entnommenem Rattenblut vollständig, wirkte im lebenden Tier aber gerinnungsfördernd, ein Widerspruch, den die Autoren schon im Titel benennen. Virchea und Kollegen prüften 2025 einen Extrakt aus siebenbürgischen Wildpflanzen an Fruchtfliegen. In niedrigen Konzentrationen überlebten mehr Fliegen, in hohen wirkte der Extrakt giftig bis zur vollständigen Sterblichkeit, und bei zuckerreichem Futter waren schon niedrigere Konzentrationen giftig.

04
Wirksamkeit

Wirksamkeit

6 Outcomes evaluiert. Sortierung: Note absteigend.
ZielKlasseNoteWirkungStudien
Erwachsene mit kurzem leichtem Durchfall (historisch auch bei Kindern)
Nur traditionelle Anwendung
Erwachsene, die das Kraut äußerlich auf unverletzter Haut oder als Mundspülung anwenden
Nur traditionelle Anwendung
Isolierte menschliche Neutrophile im Reagenzglas (keine behandelten Menschen)
Nur im Reagenzglas1 Studie
Reagenzglastests und Versuche an Nagetieren
Nur Labor- und Tierversuche1 Studie
Isolierter Dünndarm vom Meerschweinchen
Gegenläufiger Laborbefund1 Studie
Nur historische Überlieferung, keine heutige Personengruppe
Nur historische Überlieferung
05
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

Die traditionelle Zubereitung ist ein einfacher Aufguss aus den getrockneten blühenden Zweigspitzen. Das Arzneipflanzenlexikon beschreibt dafür 2 bis 5 g geschnittenes Kraut auf etwa 150 ml kochendes Wasser, nach zehn Minuten abgeseiht und zwischen den Mahlzeiten getrunken. Die Angaben gelten für den überlieferten Tee, nicht für den in Frankreich registrierten Flüssigextrakt. Der Tee schmeckt trocken und zusammenziehend, kaum aromatisch, denn das Kraut ist reich an Gerbstoffen und enthält fast kein ätherisches Öl. Ältere deutsche und französische Praxis kannte auch eine Abkochung und einen heißen Aufguss aus größerer Menge, etwa 15 bis 20 g blühender Spitzen mit Stängeln auf einen halben Liter Wasser, über den Tag verteilt getrunken. Äußerlich diente derselbe Aufguss abgekühlt als Waschung, Kompresse oder Gurgellösung. Im Handel gibt es das Kraut geschnitten als Lythri herba, als Tinktur, als Trockenextrakt in Kapseln und vor allem in Frankreich als wässrig-alkoholischen Flüssigextrakt der blühenden oberirdischen Teile. Eine solche Zubereitung ist dort als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichtem Durchfall registriert und enthält 28 Volumenprozent Alkohol. Für alkoholkranke Menschen ist sie deshalb gefährlich. Vermeide alkoholische Getränke, wenn du dieses Präparat einnimmst. Hast du eine Lebererkrankung oder Epilepsie, sprich vor der Einnahme mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Weil Gerbstoffe Eiweiß binden, gib keine Milch in den Tee, wenn du seinen herben, zusammenziehenden Charakter willst, und nimm ihn nicht zusammen mit Eisenpräparaten oder anderen Tabletten ein. Das Arzneibuch regelt Identität und Gerbstoffgehalt des getrockneten Krauts, nicht die fertigen Zubereitungen.

Dosierung

Für den Tee gibt es keine amtliche Dosierung, die üblichen Angaben sind traditionell. Das Arzneipflanzenlexikon beschreibt 2 bis 5 g fein geschnittenes Kraut auf etwa 150 ml kochendes Wasser, nach zehn Minuten abgeseiht, und mehrere Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten. Der in Frankreich registrierte Flüssigextrakt wird bei Erwachsenen mit 1,5 bis 3 ml (30 bis 60 Tropfen) dreimal täglich dosiert, höchstens zwei Tage lang. Madaus verzeichnet 1938 Gaben des Flüssigextrakts von 0,5 g für Kinder nach Schulz und 3 bis 5 g für Erwachsene nach Leclerc. Dazu kommt Leclercs eigenes Rezept, 15 bis 20 g blühende Spitzen mit Stängeln als heißer Aufguss auf einen halben Liter Wasser, über den Tag getrunken. Die Kinderdosis ist Geschichte und keine Empfehlung. Unter 18 Jahren wird die Anwendung nicht empfohlen. Halte auch den Tee kurz und such ärztlichen Rat, wenn der Durchfall nach zwei Tagen nicht besser ist.

Besondere Gruppen

Für Schwangerschaft und Stillzeit und für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fehlen Sicherheitsdaten, deshalb wird die Anwendung in diesen Gruppen nicht empfohlen. Die französische Registrierung des Flüssigextrakts rät aus demselben Grund ab. Menschen mit empfindlichem oder leicht reizbarem Magen können erleben, dass ein gerbstoffreicher Tee die Beschwerden verstärkt. Nimmst du gerinnungshemmende oder plättchenhemmende Arzneimittel, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, denn in einer einzelnen Tierstudie wirkte ein isolierter Inhaltsstoff gerinnungsfördernd. Anhaltender Durchfall, Blut im Stuhl, Fieber oder Durchfall bei einem Kleinkind oder einem älteren Menschen, der auszutrocknen droht, gehören in ärztliche Hände und nicht an die Teetasse.

06
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Als zusammenziehender Haustee hat der Blutweiderich eine lange Geschichte ohne Berichte über ernste Schäden, und das Risiko sollte man nicht übertreiben. Belastbare Sicherheitsdaten fehlen aber, und diese Lücke ist der Hauptgrund für die Einstufung Vorsicht. Die französische Registrierung des Flüssigextrakts enthält amtliche Anwendungshinweise. Ein gerbstoffreicher Tee kann bei empfindlichem Magen die Beschwerden verstärken. Nimm ihn nur kurz, denn schon für den registrierten Extrakt sieht Frankreich höchstens zwei Tage vor. Trink dazu reichlich, auch gesüßte Getränke und salzige Suppe, damit du die verlorene Flüssigkeit ersetzt. Bei starkem oder sehr häufigem Durchfall, Blut oder Schleim im Stuhl, Fieber, Erbrechen oder anderen Beschwerden des Verdauungstrakts geh sofort zur Ärztin oder zum Arzt. Lass Durchfall auch abklären, wenn er länger als zwei Tage anhält, statt die Teekur zu verlängern. In Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird die Anwendung nicht empfohlen, weil Sicherheitsdaten fehlen, und so sieht es auch die französische Registrierung. Die historische Gabe an Säuglinge mit Magen-Darm-Entzündung ist Geschichte und keine Anleitung. Ein isoliertes saures Glykokonjugat der Pflanze blockierte im Reagenzglas die Gerinnselbildung, wirkte im Tierversuch aber gerinnungsfördernd, ein Widerspruch, den die Autoren selbst hervorheben. Nimmst du gerinnungshemmende oder plättchenhemmende Arzneimittel, sprich deshalb vor der Anwendung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. In einer Studie an Fruchtfliegen aus dem Jahr 2025 vertrugen die Tiere bei normalem Futter niedrige Extraktkonzentrationen gut, hohe waren deutlich giftig bis zur vollständigen Sterblichkeit, und bei zuckerreichem Futter waren schon niedrigere Konzentrationen giftig. Konzentrierte Extrakte sind also nicht dasselbe wie eine Tasse Tee. Wenn du die Pflanze selbst sammelst, lies die Hinweise zu den Doppelgängern. Der Wasserdost wächst am selben feuchten Standort und enthält leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Eine kontrollierte Wechselwirkungsstudie gibt es nicht. Die französische Registrierung nennt nur Wechselwirkungen, die sich aus dem Alkohol im Flüssigextrakt (28 Volumenprozent) ergeben, etwa mit Disulfiram, Metronidazol und Arzneimitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen. Zwei weitere Vorsichtshinweise folgen aus dem, was über die Pflanze bekannt ist. Gerbstoffe binden im Darm Eiweiße, Alkaloide und Metallionen. Wird ein Arzneimittel oder ein Eisen- oder Zinkpräparat gleichzeitig mit gerbstoffreichem Tee eingenommen, kann der Körper weniger davon aufnehmen. Halte deshalb ein bis zwei Stunden Abstand. Außerdem wirkte in einer einzelnen Tierstudie ein isoliertes saures Glykokonjugat der Pflanze gerinnungsfördernd, während es im Reagenzglas die Gerinnung hemmte. Das ist ein widersprüchlicher Laborbefund und keine beim Menschen beobachtete Wechselwirkung. Nimmst du Warfarin, ein direkt wirkendes gerinnungshemmendes Arzneimittel zum Einnehmen oder ein Mittel, das die Blutplättchen hemmt, sag deiner Ärztin oder deinem Arzt trotzdem, dass du Blutweiderich verwendest. Konzentrierte Extrakte verlangen die größte Sorgfalt.

Gegenanzeigen

Eine europäische Monografie mit Gegenanzeigen gibt es nicht. Die folgenden Punkte stützen sich auf die französische Registrierung des Flüssigextrakts und auf die allgemeine Pharmakologie der Gerbstoffe. Meide Blutweiderich, wenn du auf ihn überempfindlich reagierst. Für das französische Präparat gilt das auch bei einer Allergie gegen einen seiner anderen Bestandteile. Schwangerschaft und Stillzeit: nicht empfohlen, weil die Sicherheit nicht belegt ist. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nicht empfohlen, weil die Sicherheit nicht belegt ist. Hast du eine akute oder chronische entzündliche Darmerkrankung oder eine bekannte Magenreizung, meide gerbstoffreiche Zubereitungen ohne ärztlichen Rat. Sie können die Beschwerden verschlechtern. Bei starkem oder sehr häufigem Durchfall, Blut oder Schleim im Stuhl, Fieber, Erbrechen oder anderen Beschwerden des Verdauungstrakts such sofort ärztliche Hilfe. Lass Durchfall auch abklären, wenn er länger als zwei Tage dauert. Bei einem Kleinkind oder einem gebrechlichen älteren Menschen gehört jeder Durchfall in ärztliche Hände. Behandle solchen Durchfall nicht selbst.

Nebenwirkungen

Die französische Registrierung des Flüssigextrakts führt keine Nebenwirkungen an, und nennenswerte unerwünschte Wirkungen sind auch aus der Fachliteratur nicht bekannt. Wie andere gerbstoffreiche Kräuter kann Blutweiderich aber einen empfindlichen Magen reizen und Übelkeit oder Magenbeschwerden auslösen, besonders auf leeren Magen oder in größeren Mengen. Allergische Reaktionen sind möglich. Konzentrierte Extrakte verlangen mehr Sorgfalt als Tee, denn in einer Studie an Fruchtfliegen aus dem Jahr 2025 waren hohe Extraktkonzentrationen deutlich giftig. Im Ames-Test, dem üblichen Bakterientest auf erbgutverändernde Wirkung, blieb der Extrakt des französischen Präparats unauffällig. In einem Mikrokerntest an Süßwassermuscheln zeigte ein durch 24 Stunden Schütteln mit Wasser hergestellter Extrakt aus getrockneten Blättern und Stängeln 2015 dagegen eine statistisch gesicherte erbgutverändernde Wirkung, und die Autoren fordern, die Sicherheit der Arzneipflanze daraufhin zu prüfen. Dieser Extrakt war weder der Tee aus blühenden Zweigspitzen noch das französische Präparat. Studien zu Krebsrisiko und Fortpflanzung gibt es für das Präparat nicht. Hör bei jeder unerwarteten Reaktion mit der Anwendung auf und hol dir Rat.

07
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Lythraceae
Heimische Regionen
Native across Europe, including the British Isles, Scandinavia and the Mediterranean, Native across temperate Asia to Japan, Sakhalin, Kashmir, Afghanistan and the Levant, Native in north-west Africa. Status in eastern Australia is debated, Naturalised and invasive in North America, and naturalised in South America, southern Africa and New Zealand
Erntezeit
Flowering shoot tips cut at full flower between June and September, then dried
Lebensraum
Eine Pflanze nasser Standorte: See- und Teichränder, Bäche und Flussufer, Gräben, Riedwiesen, Flachmoore und Sümpfe, von der Ebene bis in die untere Bergstufe. Sie verträgt stehendes Wasser und breitet sich am Rand in flaches Wasser aus. Sie bevorzugt nährstoffreichen Lehm und Ton und wächst in Sonne bis Halbschatten, oft in hohen Beständen neben Mädesüß, Wasserdost und Weidenröschen.
Erkennen & Sammeln
Eine Staude von 50 bis 150 cm Höhe, gelegentlich bis 200 cm, deren viele Stängel aus einem einzigen dicken, holzigen Wurzelstock austreiben und dichte Horste bilden. Der Stängel ist aufrecht, rötlich, fein behaart und im Querschnitt deutlich vier- bis sechskantig. Das ist im Gelände das nützlichste Merkmal. Die lanzettlichen Blätter sind 3 bis 10 cm lang, fast sitzend und stehen gegenständig oder zu dritt im Quirl, mit unterseits hervortretenden Nerven. Auf ihre weidenähnliche Form spielt der Artname salicaria an. Die rotvioletten Blüten sind 10 bis 20 mm breit und haben meist sechs Kronblätter und zwölf Staubblätter in zwei Kreisen. Sie sitzen in Scheinquirlen, die zusammen eine dichte, 15 bis 35 cm lange Ähre am Stängelende bilden. Jede Pflanze trägt nur eine von drei Blütenformen, die sich in der Länge von Griffel und Staubblättern unterscheiden, und reichlich Samen bildet eine Blüte nur mit Pollen einer anderen Form. So kreuzen sich verschiedene Pflanzen miteinander. Die Pflanze blüht von Juni bis September, die Frucht ist eine Kapsel. Meist sechs Kronblätter und ein kantiger Stängel unterscheiden sie zusammen von den Weidenröschen, die vier Kronblätter und runde Stängel haben. Die Kronblattzahl kann von fünf bis sieben reichen. Einzelne Merkmale ersetzen nicht die Bestimmung der ganzen Pflanze.

Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen

Giftig

Hemp-agrimony (Eupatorium cannabinum L.)

Eine gefährliche Verwechslung ist der Wasserdost. Er wächst auf demselben nassen Boden, wird ebenso hoch, blüht ebenfalls von Juli bis September und trägt matt rosa Blütenköpfe, die man aus der Ferne leicht für Blutweiderich hält. Er ist ein Korbblütler und enthält leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide, deshalb darf er nie in einen Tee geraten. Aus der Nähe zeigt der Wasserdost hanfähnliche, meist in drei oder fünf schmale Abschnitte geteilte Blätter, doch die obersten Blätter sind ungeteilt. Sicherer erkennst du ihn am runden Stängel und an den flachen Schirmen aus kleinen Röhrenblüten ohne sichtbare Kronblätter. Der Blutweiderich hat ungeteilte lanzettliche Blätter, einen kantigen Stängel und meist sechs klare purpurne Kronblätter mit zwölf Staubblättern. Die Kronblattzahl kann von fünf bis sieben reichen. Prüfe Blätter, Stängel und den gesamten Blütenstand zusammen. Lass die Pflanze stehen, wenn ihre Bestimmung unsicher bleibt.

Unangenehm

Great hairy willowherb (Epilobium hirsutum L.)

Eine häufige Verwechslung ist das Zottige Weidenröschen. Es wächst ebenfalls an Gräben und Flussufern und trägt rosa bis purpurne Blüten an hohen Stängeln. Es ist eine andere Pflanze mit anderer Chemie und kein Ersatz für Lythri herba. Zähl die Kronblätter und sieh dir den Stängel an. Das Weidenröschen hat vier ausgerandete Kronblätter und einen runden, weich behaarten Stängel, der Blutweiderich meist sechs Kronblätter und zwölf Staubblätter und einen kantigen Stängel. Auch das Schmalblättrige Weidenröschen (Chamaenerion angustifolium) wird oft verwechselt. Es hat ebenfalls vier Kronblätter, dazu eine lockerere, pyramidenförmige Blütentraube und wechselständige Blätter. Die Kronblattzahl beim Blutweiderich kann von fünf bis sieben reichen. Prüfe die ganze Pflanze und lass sie stehen, wenn ihre Bestimmung unsicher bleibt.

Unangenehm

Yellow loosestrife (Lysimachia vulgaris L.)

Diese Verwechslung steckt im Namen. Der Gilbweiderich gehört zu den Primelgewächsen, einer nicht verwandten Familie, und teilt mit dem Blutweiderich nur einen Namensteil und den feuchten Standort. Seine gelben, fünfzähligen Blüten stehen in lockeren Rispen, blühend sind die beiden also leicht zu unterscheiden. Der altgriechische Name lysimachion umfasste beide Pflanzen. Deshalb bleibt bei jeder antiken oder mittelalterlichen Stelle offen, welche Art gemeint ist, und der französische Name des Blutweiderichs, lysimachie rouge, erinnert noch an diese Überschneidung. Der Gilbweiderich ist chemisch ein anderes Kraut und kein Ersatz.

Unangenehm

Marsh woundwort (Stachys palustris L.)

Ein Nachbar auf der Feuchtwiese, der leicht täuscht, weil auch er einen vierkantigen Stängel und eine purpurrosa Blütenähre hat. Als Lippenblütler hat er zweilippige Blüten mit einer helmartigen Oberlippe, und seine Blätter sind am Rand gezähnt. Der Blutweiderich hat meist sechs flache Kronblätter, zwölf Staubblätter und ganzrandige Blätter. Der Sumpfziest hat seine eigene Geschichte als Wundkraut, ist aber nicht Lythri herba. Der vierkantige Stängel allein genügt also nicht, um Blutweiderich zu bestimmen. Auch Kronblätter und Staubblätter musst du zusammen mit Blättern und Blütenstand prüfen. Meist sind es sechs Kronblätter, gelegentlich fünf oder sieben. Lass jede Pflanze stehen, deren Bestimmung unsicher bleibt.

08
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Welcher Teil des Blutweiderichs wird verwendet, und was steckt darin?

Verwendet wird die getrocknete blühende Zweigspitze, in der Pharmazie Lythri herba genannt. Die Monografie des Europäischen Arzneibuchs verlangt mindestens 5,0 Prozent Gerbstoffe, berechnet als Pyrogallol. Diese Gerbstoffe sind vor allem C-glykosidische Ellagitannine (Vescalagin, Castalagin, Salicarinine A bis C), begleitet von C-glykosidischen Flavonen, Phenolsäuren, Anthocyanen und Schleimstoffen. Einige ältere Autoren nutzten auch die Wurzel, das Arzneibuch beschreibt aber nur die blühende Zweigspitze.

Ist Blutweiderich von einer europäischen Behörde zugelassen?

Auf EU-Ebene nicht. Frankreich hat aber einen Flüssigextrakt aus den blühenden oberirdischen Teilen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichtem Durchfall registriert, allein auf Grund der langen Verwendung. Den medizinischen Nutzen dieser Tropfen stufte die französische Gesundheitsbehörde HAS 2006 als unzureichend ein, und die Krankenversicherung erstattet sie nicht. Außerdem steht die blühende Spitze auf der französischen Liste A der traditionell verwendeten Arzneipflanzen, und das Europäische Arzneibuch legt für Lythri herba Identität, Reinheit und Gerbstoffgehalt fest. Eine Monografie der Europäischen Arzneimittel-Agentur gibt es nicht. Eine Monografie der Kommission E oder der ESCOP gibt es nicht, und in der EU ist keine gesundheitsbezogene Angabe für die Pflanze zugelassen.

Gibt es Studien am Menschen zum Blutweiderich?

Nein. Eine randomisierte oder placebokontrollierte Studie am Menschen gibt es nicht, weder bei Durchfall noch bei anderen Beschwerden. Die vorhandene Forschung stammt aus dem Reagenzglas, aus isoliertem Gewebe, von Nagetieren und von Fruchtfliegen. Die große Übersichtsarbeit von 2015 kommt zu dem Schluss, dass die heutige pharmakologische Forschung nicht ausreicht, um die überlieferten Anwendungen zu stützen. Auch die französische Registrierung stützt sich allein auf die lange Verwendung.

Ist Blutweiderich dieselbe Pflanze wie Gilbweiderich?

Nein, auch wenn die Namen es im Deutschen wie im Englischen nahelegen. Blutweiderich ist Lythrum salicaria aus der Familie der Weiderichgewächse, Gilbweiderich ist Lysimachia vulgaris aus den Primelgewächsen, eine andere Familie mit anderer Chemie. Der altgriechische Name lysimachion galt für beide. Deshalb bleibt bei den antiken Stellen offen, welche Pflanze gemeint ist. Steht in einer Quelle, auf einem Etikett oder beim Lieferanten nur Weiderich, prüf den lateinischen Namen.

Können Kinder, Schwangere oder Stillende Blutweiderich anwenden?

Nein, die Anwendung wird nicht empfohlen. Für Schwangerschaft und Stillzeit und für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fehlen Sicherheitsdaten, und die französische Registrierung des Flüssigextrakts rät aus diesem Grund in allen drei Gruppen ab. Eine belegte Gefahr ist das nicht, aber ohne Daten ist Zurückhaltung die richtige Wahl. Französische und deutsche Ärzte gaben die Pflanze in den 1920er-Jahren Säuglingen mit Magen-Darm-Entzündung. Das ist Geschichte. Ein Baby oder Kleinkind mit Durchfall braucht ärztliche Hilfe, keinen Kräutertee.

Warum ist Blutweiderich in Teilen Nordamerikas verboten?

Weil er außerhalb seines Heimatgebiets als gefährlicher Eindringling in Feuchtgebieten gilt. Nach Nordamerika kam er Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Dort bildet er dichte Bestände, die heimische Sumpfpflanzen verdrängen und den Tieren der Feuchtgebiete, auch Vögeln, Nahrung und Deckung nehmen. Mehrere US-Bundesstaaten regeln den Umgang mit ihm. Auf der bundesweiten Liste schädlicher Unkräuter in 7 CFR 360.200 steht er nicht. Minnesota verbietet grundsätzlich Besitz, Einfuhr, Kauf, Verkauf, Vermehrung, Transport und Ausbringen, sieht aber gesetzliche Ausnahmen vor, darunter Genehmigungen und eigene Vorschriften für Blutweiderich. In Washington sind Transport, Kauf, Verkauf, Verkaufsangebote und Weitergabe von Pflanzen und Pflanzenteilen grundsätzlich verboten. Washington sieht unter anderem Ausnahmen für wissenschaftliche Zwecke und sicheren Transport zur Bekämpfung oder Entsorgung vor. In Europa ist die Pflanze heimisch. Sammeln, Handel und Transport richten sich trotzdem nach den örtlichen Vorschriften.

Womit kann man Blutweiderich beim Sammeln verwechseln?

Mehrere Feuchtgebietspflanzen mit rosa bis purpurnen Blütenähren wachsen daneben. Das Zottige Weidenröschen (Epilobium hirsutum) hat vier Kronblätter und einen runden Stängel, der Blutweiderich meist sechs Kronblätter, zwölf Staubblätter und einen kantigen Stängel. Der Sumpfziest (Stachys palustris) hat ebenfalls einen vierkantigen Stängel, aber zweilippige Lippenblüten und gezähnte Blätter. Der Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) gehört einer ganz anderen Familie an und blüht gelb. Eine gefährliche Verwechslung ist der Wasserdost (Eupatorium cannabinum). Er wächst auf demselben nassen Boden, hat matt rosa Blütenköpfe und enthält leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide. Die Kronblattzahl beim Blutweiderich kann von fünf bis sieben reichen. Prüfe Blätter, Stängel und den ganzen Blütenstand zusammen. Lass jede Pflanze stehen, deren Bestimmung unsicher bleibt.

Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.