Afrikanische Mispel
In Kürze
Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen
Die Afrikanische Mispel (Vangueria infausta) ist ein kleiner wilder Obstbaum aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), zu der auch der Kaffee gehört. Sie wächst vom südlichen bis ins östliche Afrika und trägt dort Dutzende Namen, auf isiZulu etwa umViyo, eine Schar von Kriegern. Vor allem ist sie ein Lebensmittel. Die runde, braune Frucht schmeckt süßsauer und mehlig wie ein Apfel. Man isst sie roh oder getrocknet, verarbeitet sie zu Saft, Marmelade und Brei und gibt sie ins Bier. William Burchell beschrieb 1824, wie die Bachapin den Strauch bei seiner Reise 1812 für verhext hielten und sein Holz nicht verbrannten. Daher der Name infausta, unglücklich. Neuere Erhebungen zeigen, wie lebendig die Nutzung im südlichen und östlichen Afrika ist.
Wichtig ist, welcher Teil gemeint ist. Die reife Frucht ist ein nahrhaftes Wildobst. Eine simbabwische Analyse fand rund 30 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm einer entkernten Probe aus Fruchtfleisch und Haut, ältere Messungen auch Zitronensäure. In der Volksmedizin dienen vor allem Wurzeln, Rinde und Blätter als Aufguss oder Sud gegen Malaria, Fieber, Husten, Bauchschmerzen, Zahnschmerzen und andere Leiden. Extrakte hemmen im Labor Bakterien, Pilze und Malariaerreger. Ein Extrakt aus der Wurzelrinde senkte auch bei infizierten Mäusen die Parasitenzahl. Für eine Wirkung beim Menschen fehlen klinische Belege.
Die reife Frucht ist in ihrer Heimat ein alltägliches Lebensmittel. Für die Heilzubereitungen aus Wurzel, Rinde und Blatt fehlen eine festgelegte Dosis und Sicherheitsdaten am Menschen. Die Übersicht von 2018 beschreibt erste Labortests an Zellen und Salinenkrebsen und fordert weitere toxikologische Untersuchungen. Behandle dich nicht selbst damit. Meide diese Zubereitungen in Schwangerschaft und Stillzeit, wenn du Medikamente nimmst, und bei Kindern. Eine sichere oder wirksame Behandlung ist durch die Überlieferung allein nicht belegt.
Klinische Evidenz ↔ Historische BedeutungWir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.Mehr lesen
In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.
Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.
Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.
Überblick
Die Afrikanische Mispel, Vangueria infausta Burch., ist ein sommergrüner Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), zu der auch der Kaffee gehört. Sie wächst wild im südlichen und östlichen Afrika, von Südafrika und Namibia nordwärts über Simbabwe und Mosambik bis Tansania und Kenia. Vor allem ist sie eine Nahrungspflanze. Die runde Frucht reift von glänzendem Grün zu weichem Braun, schmeckt süßsauer und mehlig wie ein Apfel und wird frisch oder getrocknet gegessen, zu Saft gepresst, in Maisbrei gerührt und ins Bier gegeben. Sie gehört zu den beliebteren Wildfrüchten der Region, wird im Busch gesammelt und von Straßenhändlern verkauft, aber kaum angebaut.
Daneben steht eine breite volksmedizinische Tradition, die vor allem Wurzeln, Rinde und Blätter nutzt. Maroyis Übersicht verzeichnet Anwendungen der Pflanze bei 43 Leiden in Ost- und Südafrika, von Malaria und Husten bis zu Zahnschmerzen. Extrakte zeigen im Labor Aktivität gegen Bakterien, Pilze und Malariaerreger, klinische Wirksamkeitsbelege fehlen. Dazu kommt ein Stück Kulturgeschichte. Der Name infausta, unglücklich, geht auf den von Burchell beschriebenen Glauben der Bachapin zurück, wer das Holz verbrenne, ziehe Unglück und Tod auf sich.
Geschichte
Die Geschichte der Afrikanischen Mispel ist eine afrikanische, und lange wurde sie nur mündlich erzählt. Der Baum wächst wild allein südlich der Sahara, die europäische Botanik beschrieb ihn erst 1824. Umso reicher ist die Sprache der Region. Allein für Südafrika verzeichnet die Übersicht von Alfred Maroyi Dutzende Namen, darunter umViyo und umTulwa auf isiZulu, umvilo auf isiXhosa, mmilo auf Sepedi und Setswana, mpfilwa auf Xitsonga und muzwilu auf Tshivenda. In Simbabwe heißt die Frucht auf Shona Nzvirumombe und auf Ndebele umviyo. Auf Afrikaans heißt sie wildemispel, und tatsächlich wird ihr Geschmack mit dem der europäischen Mispel verglichen.
Der englische Naturforscher William Burchell veröffentlichte 1824 die botanische Beschreibung der Art. Am 18. Juni 1812 war er bei Sensavan auf den Strauch gestoßen. Die Bachapin, ein Volk der Tswana, hielten ihn für verhext und unglückbringend und nahmen sein Holz deshalb nie als Brennholz. Den Grund erfuhr er nie. Auf dem Hügel über ihrem Hauptort Litakun gehörte er zu den wenigen größeren Sträuchern, die noch standen. Andere wurden als Brennholz gebrochen oder von Ziegen abgeweidet. Burchell berichtet, die Bewohner hätten seinen Leuten den Tod vorausgesagt, als sie ihr Fleisch über diesem Holz kochten. Später aßen sie doch aus dem Kochtopf der Reisenden. Er nannte die Art Vangueria infausta, die unglückliche Vangueria, und veröffentlichte den Namen im zweiten Band seiner Reisebeschreibung. Die Frucht hielt er für ungenießbar.
Als Lebensmittel ist die Frucht in der ganzen Region fest verankert. Man isst sie frisch vom Baum, trocknet sie als Vorrat für magere Zeiten, rührt sie in Maisbrei, presst sie zu Saft und gibt sie ins Bier. Im Distrikt Mwanza in Malawi verbrauchen Haushalte bis zu 40 Kilogramm pro Saison, und in Botswana, Malawi, Mosambik, Tansania, Sambia und Simbabwe verkaufen Straßenhändler die Früchte. Wurzeln, Rinde und Blätter werden als Aufguss oder Sud für Hausmittel zubereitet, und in der Provinz Gauteng handelt man Wurzeln und Stämme als Heilmittel. In der Feldstudie aus KwaZulu-Natal essen alle hundert Befragten die Frucht. Das Wissen um ihre übrigen Anwendungen wird aber vor allem mündlich weitergegeben, ältere Frauen bewahren viel davon, und die Studie warnt, dass es verloren gehen kann, wenn sich Jüngere von den alten Speisen abwenden.
Der Glaube an die Kraft des Baums lebt weiter. In einer 2025 veröffentlichten Erhebung in Oyemeni im Norden von KwaZulu-Natal kannten alle hundert Befragten den isiZulu-Namen umViyo, der eine Schar von Kriegern bezeichnet. Manche erklären ihn mit den reifen braunen Früchten, die im Gebüsch hängen wie die Köpfe versteckter Krieger. Wächst ein Baum bei einem Gehöft, gilt er als Schutz der Ahnen vor Angriffen und bösen Kräften und bleibt stehen. Aus Blättern und Wurzeln bereitet man iNtelezi, ein Schutzmittel, das man vor Stockkämpfen über die Kämpfer sprüht. Und wie zu Burchells Zeit lernen schon Kinder, dass das Holz nicht ins Feuer gehört. Buben sollen es auf den Viehweiden nicht verwenden, Mädchen es nicht nach Hause tragen. Anderswo in Südafrika heißt es, wer mit dem Holz Feuer macht, dessen Kühe bekämen nur noch Stierkälber.
Wirkmechanismus
Die Chemie der Afrikanischen Mispel hängt am Pflanzenteil. Die essbare Frucht ist vor allem Nahrung. Sie enthält Vitamin C, Zitronen-, Äpfel- und Ameisensäure, Zucker, kurzkettige Fettsäuren und deren Ester, die zu ihrem fruchtigen Aroma beitragen, sowie bescheidene Mengen Phenole, Flavonoide und Gerbstoffe. Wurzeln, Rinde und Blätter, die Teile der Volksmedizin, sind chemisch vielfältiger. Aus ihnen wurden Iridoidlactone, Triterpene wie Friedelin und Vanguerolsäure, Flavonoide wie Quercetin, Luteolin und Epicatechin, ein Biflavon sowie Gerbstoffe und Saponine gewonnen.
Einige der isolierten Stoffe zeigen Aktivität in Labortests. Wurzelextrakte und das daraus gewonnene Friedelin hemmten Malariaerreger in der Zellkultur. Ein Extrakt aus der Wurzelrinde senkte bei infizierten Mäusen die Parasitenzahl in der frühen Infektion um 73,5 Prozent. Blattextrakte hemmten im Test das Enzym Cyclooxygenase, das Prostaglandine bildet, und Extrakte aus dem Fruchtfleisch bremsten die Denaturierung von Eiweiß. Einzelne Flavonoide fingen freie Radikale mindestens so gut ab wie Vitamin C. Diese Versuche erklären weder die Wirkung gegessener Früchte noch die eines Wurzeltees beim Menschen.
Die Forschung zur Afrikanischen Mispel ist jung, und eine klinische Studie am Menschen gibt es bis heute nicht. Den Stand fasst die Übersichtsarbeit von Alfred Maroyi zusammen, 2018 in der Zeitschrift Molecules erschienen. Sie wertet 109 Arbeiten aus den Jahren 1962 bis 2018 aus und findet Laborbelege für antibakterielle, antimykobakterielle, antimykotische, entzündungshemmende, antileishmaniale, antioxidative und antiplasmodiale Aktivität sowie für eine Hemmung der Prostaglandinbildung. Am weitesten reicht die Malariaforschung. Ein Wurzelextrakt hemmte Plasmodium falciparum in einem Screening von 20 Pflanzen, die die Venda gegen Malaria verwenden, schon bei weniger als 2 Mikrogramm pro Milliliter, und Wurzelrinde wirkte auch bei infizierten Mäusen. Maroyi schließt, dass nun toxikologische Studien, Tierversuche und klinische Studien am Menschen folgen müssen.
Auf der Lebensmittelseite gibt es Messwerte zur Zusammensetzung. Nemapare und Kollegen fanden 2025 in einer entkernten Probe simbabwischer Früchte aus Fruchtfleisch und Haut rund 30 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm sowie Ameisensäure. Weitere Tests ergaben Phenole und geringe antioxidative Aktivität der Extrakte. Eine Erhebung unter hundert Menschen in Oyemeni im Norden von KwaZulu-Natal dokumentiert die lebendige Nutzung als Nahrung und Hausmittel. Maroyis Übersicht von 2018 beschreibt Zellkultur- und Salinenkrebstests und wertet die untersuchten Extrakte als wenig giftig in diesen Modellen. Sie fordert weitergehende toxikologische Arbeiten. Sicherheitsdaten für Menschen und eine festgelegte Dosis der Hauszubereitungen fehlen. Ergebnisse zu Wurzel und Blatt lassen sich nicht auf gegessene Früchte übertragen, ebenso wenig umgekehrt.
Wirksamkeit
| Ziel | Klasse | Note | Wirkung | Studien |
|---|---|---|---|---|
| Essbare Wildfrucht und Vitamin-C-QuelleDie Frucht wird von Südafrika bis Kenia gesammelt, frisch und getrocknet gegessen und zu Saft, Marmelade, Brei und Bier verarbeitet. Eine Analyse simbabwischer Früchte fand rund 30 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm einer entkernten Probe aus Fruchtfleisch und Haut. Ältere, dort zitierte Messungen ergaben mehr Zitronensäure als in Orangen. Die antioxidative Aktivität der untersuchten Extrakte war im Reagenzglas gering.Gemeinschaften im südlichen und östlichen Afrika, die die Frucht essen | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Nahrungsnutzung | |
| Wurzel- und Blatt-Volksmedizin (Malaria, Brust-, Verdauungs-, Zahnbeschwerden)Maroyis Übersicht von 2018 verzeichnet volksmedizinische Anwendungen der Pflanze in neun Ländern, insgesamt bei 43 Leiden. Häufig dienen Wurzeln, Rinde und Blätter als Hausmittel gegen Malaria, Fieber, Husten und Brustbeschwerden, Durchfall und Bauchschmerzen, Zahnschmerzen und Menstruationsbeschwerden. Für eine Wirkung beim Menschen fehlen klinische Belege.Traditionelle Anwender im südlichen und östlichen Afrika | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung, keine klinische Evidenz | |
| Entzündungshemmende und antioxidative AktivitätIm Reagenzglas hemmten Extrakte aus dem Fruchtfleisch die Denaturierung von Hühnereiweiß und fingen Stickstoffmonoxid-Radikale ab, Blattextrakte hemmten das Enzym Cyclooxygenase, und einzelne Flavonoide aus Blättern und Rinde fingen Radikale mindestens so gut ab wie Vitamin C. Ob davon im Körper eines Menschen etwas ankommt, wurde nie untersucht.In-vitro-Modelle mit Pflanzenextrakten | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Nur präklinisch | |
| Antimikrobielle, antiplasmodiale und antimykobakterielle AktivitätLaborscreenings fanden Aktivität von Blatt-, Rinden- und Wurzelextrakten gegen Bakterien, Pilze, Mykobakterien und Leishmanien. Am stärksten fiel sie gegen Malariaerreger aus. Ein Wurzelextrakt hemmte Plasmodium falciparum schon bei weniger als 2 Mikrogramm pro Milliliter, und ein Extrakt aus der Wurzelrinde senkte bei infizierten Mäusen die Parasitenzahl in der frühen Infektion um 73,5 Prozent. Studien am Menschen gibt es keine.In-vitro-Modelle und ein Malariaversuch an Mäusen mit Pflanzenextrakten | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Nur präklinisch |
Die Studien, auf die es ankommt.
Eine Befragung von hundert Menschen in Oyemeni im Norden von KwaZulu-Natal, die erste systematische ethnobotanische Erhebung zur Afrikanischen Mispel in Südafrika. Alle Befragten essen die Frucht, einige bereiten daraus auch umBhantshi, Saft oder Bier mit Fruchtmark zu, und die Blätter dienen zum Zähneputzen und gegen Zahnschmerzen. Die Studie dokumentiert Tradition und Wissen, über eine Wirkung sagt sie nichts aus.
Ngubane SC, Mbhele Z, Ntuli NR. Ngubane SC, Mbhele Z, Ntuli NR. Indigenous Knowledge and Traditional Uses of Vangueria infausta subsp. infausta Burch in Northern KwaZulu-Natal, South Africa. Plants (Basel) 14(12):1820 (2025). doi:10.3390/plants14121820Eine Laboranalyse von Früchten, die auf einem Markt in Gweru in Simbabwe gekauft wurden. Die entkernte Probe aus Fruchtfleisch und Haut enthielt 297 Milligramm Vitamin C und 68 Milligramm Ameisensäure pro Kilogramm. Weitere Tests fanden Phenole, die antioxidative Aktivität der Extrakte aus getrockneten Proben blieb aber unter 20 Prozent. Untersucht wurde die Zusammensetzung der Frucht, keine Wirkung am Menschen.
Nemapare P, Mugadza DT, Gadaga TH. Nemapare P, Mugadza DT, Gadaga TH. Characterization of Functional Properties and Organic Acids in Vangueria infausta Burch. (Wild Medlar/Nzvirumombe/Umviyo) Fruit(s) Found in Zimbabwe. Int J Food Sci 2025:9925294 (2025). doi:10.1155/ijfo/9925294Ein Tierversuch mit begleitenden Zellkulturtests. Ein Extrakt aus der Wurzelrinde unterdrückte bei Mäusen, die mit dem Malariaerreger Plasmodium berghei infiziert waren, die Parasiten in der frühen Infektion um 73,5 Prozent, und Fraktionen hemmten Plasmodium falciparum in der Kultur, Chloroquin wirkte allerdings weit über hundertmal stärker. Es ist der einzige Tierversuch in der Übersicht von Maroyi und bleibt ein Laborbefund, kein Beleg für eine Wirkung beim Menschen.
Abosi AO, Mbukwa E, Majinda RR, Raseroka BH, Yenesew A, Midiwo JO, Akala H, Liyala P, Waters NC. Abosi AO, Mbukwa E, Majinda RR, Raseroka BH, Yenesew A, Midiwo JO, Akala H, Liyala P, Waters NC. Vangueria infausta root bark: in vivo and in vitro antiplasmodial activity. Br J Biomed Sci 63(3):129-133 (2006). doi:10.1080/09674845.2006.11732732Ein Laborscreening von 43 Extrakten aus 20 Pflanzen, die die Venda in Südafrika gegen Malaria verwenden. Die Studie hebt die Extrakte der Afrikanischen Mispel gemeinsam mit denen von Tabernaemontana elegans hervor, sie hemmten den Malariaerreger Plasmodium falciparum schon unter 2 Mikrogramm pro Milliliter. Das stützt die überlieferte Anwendung als Hinweis aus dem Labor. Studien am Menschen gibt es dazu keine.
Bapela MJ, Meyer JJ, Kaiser M. Bapela MJ, Meyer JJ, Kaiser M. In vitro antiplasmodial screening of ethnopharmacologically selected South African plant species used for the treatment of malaria. J Ethnopharmacol 156:370-373 (2014). doi:10.1016/j.jep.2014.09.017Ein Reagenzglasversuch aus Simbabwe mit dem Fruchtfleisch. Ein Ethanolextrakt und daraus gewonnene Fraktionen hemmten die Denaturierung von Hühnereiweiß, die unverseifbare Fraktion um bis zu 93 Prozent bei 400 Milligramm pro Liter, und fingen Stickstoffmonoxid-Radikale ab. Es ist eine der wenigen Untersuchungen an der essbaren Frucht selbst, aber ein einfacher Labortest ohne Aussage über den menschlichen Körper.
Gwatidzo L, Chowe L, Musekiwa C, Mukaratirwa-Muchanyereyi N. Gwatidzo L, Chowe L, Musekiwa C, Mukaratirwa-Muchanyereyi N. In vitro anti-inflammatory activity of Vangueria infausta: an edible wild fruit from Zimbabwe. Afr J Pharm Pharmacol 12(13):168-175 (2018). doi:10.5897/AJPP2018.4894
Anwendung
Formen und Zubereitung
Als Lebensmittel ist die Afrikanische Mispel denkbar einfach. Die reife Frucht ist weich und braun, ihr orangefarbenes Fleisch schmeckt süßsauer, leicht herb und mehlig und wird mit grünem Apfel, Mispel und Ananas verglichen. Meist isst man sie roh direkt vom Baum, gern auch im Gehen. Für den Vorrat werden die Früchte getrocknet. Für Saft drückt man das Fruchtfleisch in Wasser aus, siebt Haut und Samen ab und süßt nach Geschmack. Mit etwas Wasser und Zucker ergibt das Mark ein Mus, das Apfelmus ersetzen kann, eingekocht wird es zu Marmelade, und die südafrikanische Küchenliteratur kennt auch Essig daraus. In der Erhebung aus Oyemeni war umBhantshi das am häufigsten genannte Gericht. Die Früchte werden mit der Hand zerdrückt, Haut und Samen entfernt, und das Mus wird unter krümeligen Maisbrei, uPhuthu, oder unter vorgekochten, zerstoßenen Mais gemischt. Für weichen Brei rührt man die Fruchtpaste in kochendes Wasser und gibt dann Mais- oder Sorghummehl dazu. Einige Befragte berichteten, dass sie mit Wasser verdünntes Fruchtmark ins gärende Bier geben, wenn es zu wenig sauer ist. Die südafrikanische Pflanzenbeschreibung nennt auch einen starken Schnaps aus den Früchten. Ein Befragter aus Oyemeni beschrieb, wie klein geschnittene, unreife Früchte in frischer Milch zum Gerinnen genutzt werden, um Amasi herzustellen. Die Erhebung dokumentiert diese Praxis, ihre Lebensmittelsicherheit hat sie nicht geprüft. In der Volksmedizin sind die Teile andere und die Rezepte weit weniger festgelegt. Aus Wurzeln, Rinde und Blättern werden Aufgüsse und Sude gekocht und meist getrunken. In KwaZulu-Natal dienen die frischen, samtigen Blätter als Zahnbürste, zerdrückte Blätter als Paste auf einem schmerzenden Zahn, und eine abgekühlte Abkochung der Wurzel als Mundspülung. Keine dieser Zubereitungen ist standardisiert, hat eine festgelegte Dosis oder wurde auf ihre Sicherheit geprüft. Sie stehen hier als Teil der Tradition, nicht als Rezept zum Nachmachen.
Dosierung
Für die Frucht gibt es keine Mengenangabe, man isst sie wie jedes andere Weichobst. Für die Wurzel-, Rinden- und Blattzubereitungen der Volksmedizin gibt es weder eine festgelegte Dosis noch einen definierten Extrakt oder Daten aus Studien am Menschen. Diese Lücke ist ein Grund für die Einstufung mit Vorsicht. Wenn du an eine solche Zubereitung denkst, sprich vorher mit einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke.
Besondere Gruppen
Die reife Frucht essen in ihrer Heimat Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Die Heilzubereitungen aus Wurzel, Rinde und Blatt wurden weder in Schwangerschaft und Stillzeit noch bei Kindern untersucht, und Daten zu Sicherheit und Giftigkeit fehlen. Schwangere und Stillende sollten sie meiden, Kindern gibt man sie nicht.
Sicherheit
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Für Zubereitungen aus Wurzel und Blatt fehlen Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln. Die enthaltenen Stoffe sind klinisch kaum untersucht, mögliche Wechselwirkungen deshalb unbekannt. Wenn du verschreibungspflichtige Medikamente nimmst, verzichte auf diese Zubereitungen und frag in der Arztpraxis oder Apotheke nach.
Gegenanzeigen
Für die Heilzubereitungen aus Wurzel, Rinde und Blatt fehlen klinische Sicherheitsdaten und eine festgelegte Dosis. Aus dieser Datenlücke ergeben sich die folgenden Vorsichtsmaßnahmen. Schwangerschaft und Stillzeit: die Zubereitungen aus Wurzel, Rinde und Blatt ganz meiden, denn es gibt keine Sicherheitsdaten. Kinder: keine Heilzubereitungen geben. Als Lebensmittel ist nur die reife Frucht gedacht. Bestehende Erkrankung oder verschreibungspflichtige Arzneimittel: keine Selbstbehandlung mit Heilzubereitungen ohne ärztlichen Rat, denn Daten zu Dosis und Wechselwirkungen fehlen, und zur Giftigkeit gibt es nur erste Labortests.
Nebenwirkungen
Systematische klinische Daten zu Nebenwirkungen der Heilzubereitungen fehlen in der vorliegenden Literatur. Die reife Frucht wird als Lebensmittel gegessen. Wie die Wurzel- und Blattzubereitungen vertragen werden, lässt sich aus den beschriebenen Labortests nicht beurteilen. Wenn dir nach einer solchen Zubereitung unwohl wird, setz sie ab und hol dir ärztlichen Rat.
Verwechslungen
Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen
Other Vangueria species (e.g. Vangueria madagascariensis, Vangueria esculenta)
Mehrere nahe verwandte Arten, etwa Vangueria madagascariensis und Vangueria esculenta, tragen ähnliche essbare Früchte und werden in Afrika ähnlich genutzt, deshalb verwechselt man sie auf Artebene leicht. Harmlos ist die Gattung aber nicht durchweg. Vangueria pygmaea, Vangueria thamnus und Vangueria latifolia gehören zu den sechs Pflanzen, die im südlichen Afrika die Gousiekte auslösen, eine tödliche Herzvergiftung bei Wiederkäuern, die vier bis acht Wochen nach dem Fressen der Pflanze mit plötzlichem Herzversagen endet. Sammle deshalb nur, was du sicher als Vangueria infausta bestimmt hast, und kauf nur Ware bekannter Herkunft.
Edible fruit versus medicinal root and leaf
Die reife Frucht ist das Lebensmittel. Wurzeln, Rinde und Blätter dienen als Hausmittel und sind anders zusammengesetzt. Dass die Frucht alltäglich gegessen wird, belegt die Sicherheit von Aufgüssen und Suden aus Wurzel und Blatt keineswegs. Für diese Hauszubereitungen fehlen Sicherheitsdaten am Menschen. Behandle dich daher nicht selbst damit.
Häufige Fragen
Was ist die Afrikanische Mispel und welcher Teil wird verwendet?
Die Afrikanische Mispel (Vangueria infausta) ist ein kleiner wilder Obstbaum aus der Familie der Rötegewächse, zu der auch der Kaffee gehört, heimisch vom südlichen bis ins östliche Afrika. Gegessen wird die runde, braune Frucht, die süßsauer und mehlig schmeckt und an einen Apfel erinnert, roh, getrocknet, als Saft, im Maisbrei oder im Bier. Wurzeln, Rinde und Blätter dienen dagegen als Hausmittel der Volksmedizin, und diese beiden Seiten der Pflanze solltest du auseinanderhalten.
Ist die Afrikanische Mispel in Europa als Heilpflanze zugelassen?
Eine EMA-Monografie zur Afrikanischen Mispel ist nicht verzeichnet. Auch im EU-Register der Gesundheitsangaben findet sich unter ihrem botanischen Namen keine pflanzenspezifische zugelassene Angabe. Ihre Nutzung als Hausmittel in Afrika ist damit kein Nachweis einer Arzneimittelzulassung in Europa. Der EU-Katalog für neuartige Lebensmittel enthält keinen Eintrag zu Vangueria infausta, ist aber unverbindlich und unvollständig. Daraus lässt sich weder eine Erlaubnis noch ein Verbot als Lebensmittel ableiten.
Ist die Wirkung der Afrikanischen Mispel am Menschen belegt?
Nein. Es gibt keine einzige klinische Studie. Alle Befunde stammen aus dem Labor und aus Tierversuchen mit Extrakten. Am auffälligsten sind die Ergebnisse gegen Malariaerreger, bis hin zu einem Versuch an infizierten Mäusen mit Extrakt aus der Wurzelrinde. Die maßgebliche Übersichtsarbeit von Alfred Maroyi aus dem Jahr 2018 hält fest, dass nun toxikologische Studien, Tierversuche und schließlich klinische Studien am Menschen folgen müssen.
Ist die Frucht nahrhaft?
Die Frucht liefert verschiedene Nährstoffe. Eine Analyse von Früchten vom Markt in Gweru in Simbabwe ergab rund 30 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm einer entkernten Probe aus Fruchtfleisch und Haut, dazu Ameisensäure und Phenole. Ältere Messungen, die dort zitiert werden, fanden mehr Zitronensäure als in Orangen oder Ananas. Laut Maroyis Übersicht enthält die Frucht außerdem Ballaststoffe, Kalium, Magnesium, Eisen und Kupfer.
Kann man die Afrikanische Mispel anbauen?
Ja, auch wenn das bisher kaum jemand tut. In Hausgärten in Tansania und in der südafrikanischen Provinz Limpopo wird sie gepflegt, und Versuchspflanzungen gab es in Malawi und sogar in der Negev-Wüste in Israel. Früchte gepflegter Bäume können bis zu zehnmal größer werden als die wilder, und in Malawi trugen Versuchsbäume 2,5 bis 5 Kilogramm. Vermehrt wird sie aus frischem Samen, von dem du Haut und Fruchtfleisch entfernst und den du in durchlässige, sandige Aussaaterde legst, oder aus Stecklingen. Sie wächst langsam, verträgt Trockenheit und mäßige Kälte und lässt sich, früh geschnitten, zu einem hübschen kleinen Gartenbaum ziehen.
Ist die Afrikanische Mispel sicher?
Die reife Frucht ist in ihrer Heimat ein alltägliches Lebensmittel, Schäden durch das Essen sind nicht beschrieben. Anders steht es um die Aufgüsse und Sude aus Wurzel, Rinde und Blatt. Für sie gibt es keine Dosis, keine Toxizitätsstudie an Tieren und keine Sicherheitsdaten am Menschen, nur erste Labortests an Zellen und Salinenkrebsen. Deshalb ist der Eintrag mit Vorsicht eingestuft. Wenn du schwanger bist, stillst, krank bist oder Medikamente nimmst, lass diese Zubereitungen weg, und gib sie keinem Kind.
Wie alt ist die Tradition, und warum heißt die Pflanze unglücklich?
Die Nutzung reicht weiter zurück als jede schriftliche Quelle und wurde mündlich weitergegeben. Den ersten schriftlichen Beleg liefert der englische Naturforscher William Burchell, der dem Strauch 1812 bei den Bachapin begegnete, einem Volk der Tswana. Sie hielten ihn für verhext und unglückbringend und nahmen sein Holz nie fürs Feuer. Burchell nannte ihn deshalb infausta, lateinisch für unglücklich, und veröffentlichte den Namen 1824. Mit der Sicherheit der Frucht hat der Name nichts zu tun.
14 Belege.
- Maroyi A. Maroyi A. Nutraceutical and Ethnopharmacological Properties of Vangueria infausta subsp. infausta. Molecules 23(5):1089 (2018).. 2018. doi:10.3390/molecules23051089
- Ngubane SC, Mbhele Z, Ntuli NR. Ngubane SC, Mbhele Z, Ntuli NR. Indigenous Knowledge and Traditional Uses of Vangueria infausta subsp. infausta Burch in Northern KwaZulu-Natal, South Africa. Plants (Basel) 14(12):1820 (2025).. 2025. doi:10.3390/plants14121820
- Nemapare P, Mugadza DT, Gadaga TH. Nemapare P, Mugadza DT, Gadaga TH. Characterization of Functional Properties and Organic Acids in Vangueria infausta Burch. (Wild Medlar/Nzvirumombe/Umviyo) Fruit(s) Found in Zimbabwe. Int J Food Sci 2025:9925294 (2025).. 2025. doi:10.1155/ijfo/9925294
- Abosi AO, Mbukwa E, Majinda RR, Raseroka BH, Yenesew A, Midiwo JO, Akala H, Liyala P, Waters NC. Abosi AO, Mbukwa E, Majinda RR, Raseroka BH, Yenesew A, Midiwo JO, Akala H, Liyala P, Waters NC. Vangueria infausta root bark: in vivo and in vitro antiplasmodial activity. Br J Biomed Sci 63(3):129-133 (2006).. 2006. doi:10.1080/09674845.2006.11732732
- Bapela MJ, Meyer JJ, Kaiser M. Bapela MJ, Meyer JJ, Kaiser M. In vitro antiplasmodial screening of ethnopharmacologically selected South African plant species used for the treatment of malaria. J Ethnopharmacol 156:370-373 (2014).. 2014. doi:10.1016/j.jep.2014.09.017
- Gwatidzo L, Chowe L, Musekiwa C, Mukaratirwa-Muchanyereyi N. Gwatidzo L, Chowe L, Musekiwa C, Mukaratirwa-Muchanyereyi N. In vitro anti-inflammatory activity of Vangueria infausta: an edible wild fruit from Zimbabwe. Afr J Pharm Pharmacol 12(13):168-175 (2018).. 2018. doi:10.5897/AJPP2018.4894
- Verstraete B, Van Elst D, Steyn H, Van Wyk B, Lemaire B, Smets E, Dessein S. Verstraete B, Van Elst D, Steyn H, Van Wyk B, Lemaire B, Smets E, Dessein S. Endophytic bacteria in toxic South African plants: identification, phylogeny and possible involvement in gousiekte. PLoS One 6(4):e19265 (2011).. 2011. doi:10.1371/journal.pone.0019265
- Burchell WJ. Burchell WJ. Travels in the Interior of Southern Africa, volume 2. London: Longman, Hurst, Rees, Orme, Brown and Green (1824), pp. 258, 451, 499, 526.. 1824. Quelle
- Behr K. Behr K. Vangueria infausta. PlantZAfrica, South African National Biodiversity Institute (2004).. 2004. Quelle
- European Medicines Agency. EMA herbal medicines register, current official export. 2026. Quelle
- European Commission. European Commission. EU Register of nutrition and health claims, current policy item data.. 2026. Quelle
- European Commission, Directorate-General for Health and Food Safety. European Commission. Novel Food status Catalogue.. Quelle
- European Commission. European Commission. EU Novel Food Catalogue, entry POL-NF-13064: Silene vulgaris (Moench) Garcke, leaves and tender stems, not novel in food (Article 4 consultation, Spanish authority), 2025. 2025. Quelle
- World Health Organization. Malaria fact sheet.. Quelle
Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.