Christiane's Naturkraft
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Ausgabe 01ManifestHerbst

Warum wir ein Journal führen

10. September 2026

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

das hier ist die erste Ausgabe von Christianes Journal, und bevor wir über die erste Pflanze reden, möchte ich dir erzählen, warum unsere Familie ein Journal führt.

Meine Mutter Christiane hat in den 1980er Jahren für österreichische Koch-, Haushalts- und Gartenzeitschriften geschrieben. Diese Beiträge sind eine Inspiration für unser Journal. Pflanzen durch die Jahreszeiten zu begleiten, im Garten und in der Küche, verlangt Aufmerksamkeit und Geduld. Daran möchten wir anknüpfen, mit unseren eigenen Worten und unter unseren eigenen Namen. Dieses Journal ist kein rekonstruiertes Archiv und spricht nicht in ihrer Stimme.

Warum ein Journal? Weil es einen Takt hat. Es kommt wieder, Ausgabe für Ausgabe, so wie ein alter Kalender wiederkommt, Jahr für Jahr, und dabei an Tiefe gewinnt. Wir möchten dir etwas geben, zu dem du gern zurückkehrst: eine Bibliothek zum Nachschlagen und einen Begleiter durch die Jahreszeiten.

Was wir uns für die Ausgaben vornehmen, ist überschaubar, und das mit Absicht. Eine Pflanze, die wir uns genau ansehen. Praktische Anregungen für Küche und Garten. Raum für das, was über eine Pflanze bekannt ist, und für die Fragen, die offenbleiben. Der jahreszeitliche Rhythmus gehört dazu, weil Pflanzen sich an Licht, Wärme und Boden halten. Im Spätsommer reift der Holunder, also beginnen wir mit ihm. Diese erste Ausgabe ist unsere Einladung dazu.

Wir sind eine kleine Familienwerkstatt aus Österreich. Das darf man diesem Journal anmerken. Küche und Garten gehören ebenso dazu wie die Forschung. Unser Anspruch ist, Studien sorgfältig einzuordnen und ihre Quellen zu nennen. Persönliche Erfahrung soll als solche erkennbar bleiben.

Genauso wichtig ist mir, dir zu sagen, was dieses Journal niemals sein wird.

Wir schreiben über Pflanzen, über ihre Geschichte, ihre Verwendung in der Küche und ihre Botanik. Heilversprechen haben hier keinen Platz. Wo die Studienlage dünn oder widersprüchlich ist, gehört das zur Geschichte dazu. Wir möchten Neugier wecken, statt Angst zu schüren. Und wir möchten kenntlich machen, worauf eine Aussage beruht: auf Forschung, auf Überlieferung oder auf persönlicher Erfahrung. Eine schöne Geschichte allein macht noch keinen Beleg.

Mit dieser Sorgfalt möchten wir an die Arbeit gehen. Sie braucht Zeit und manchmal die Geduld, eine Frage offenzulassen. Das ist der Anspruch, mit dem ich meinen Namen unter diese Seiten setze.

Denn das tue ich hier, mit voller Absicht. Diese Zeilen tragen meinen Namen, nicht den meiner Mutter. Sie hat uns die Haltung mitgegeben, die Arbeit liegt jetzt bei uns, bei mir, bei meiner Familie und bei den Menschen, die mit uns an diesem Journal schreiben und es prüfen.

Was ich mir wünsche, ist einfach. Dass du am Ende jeder Ausgabe etwas weißt, das du vorher nicht wusstest, und dass du das Gefühl hast, dass sich jemand Zeit für dich genommen und seine Worte mit Bedacht gewählt hat. Mehr nicht, und nichts Geringeres.

Schön, dass du da bist. Fangen wir mit dem Holunder an.

Herzlich,

Stephan Rauch

In dieser Ausgabe