Brennnessel-Frühlings-Wildernte
Ein Wochenend-Morgenspaziergang mit Korb, Handschuhen und einer Schere, dann eine ruhige Stunde in der Küche, in der die Ernte zu einer einfachen Frühlingssuppe wird. Die aktive Variante des Frühlingsspaziergangs.
Schritte
Eine kleine Erntegrundausstattung packen
Einen Korb (Weide oder Stoff) mit einem sauberen Tuch ausgelegt, ein Paar Gartenhandschuhe, die man gern den Wildkräutern widmet, eine Haushaltsschere und ein langärmeliges Hemd. Eine Trinkflasche für den Rückweg.
Den Ort sorgfältig wählen
Ein Wiesenrand oder ein Waldweg, von dem man weiß, dass nicht gespritzt wird, mindestens zehn Meter abseits von Straße oder einem von Hunden begangenen Weg. Brennnesseln wachsen gern auf ungestörtem, stickstoffreichem Boden; derselbe Boden trägt entlang stärker begangener Wege oft Hunde- und Pestizidrückstände. Nur an sauberen Stellen ernten, für die man bürgen kann.
Vor dem Schneiden bestimmen
Brennnesseln erkennt man an den herzförmigen, gezackten Blättern in gegenständigen Paaren, am vierkantigen Stängel und an den feinen Brennhaaren. Wer auch nur ein wenig unsicher ist, lässt die Pflanze stehen. Mit dem Handschuh durch Tasten gegenprüfen. Andere Pflanzen im dichten Unterwuchs, etwa Tollkirsche, brennen nicht und dürfen nie mit der Brennnessel verwechselt werden; im Zweifel ein Foto machen und in einer örtlichen botanischen Gruppe nachfragen, bevor geerntet wird.
Nur die oberen vier Blätter ernten
Mit Handschuhen die obersten vier jungen Blätter pro Stängel abschneiden, solange die Pflanze noch im Wachstum ist und nicht blüht. Den unteren Teil stehen lassen, damit die Pflanze weiterwächst. Ein halber Korb reicht für eine Haushaltssuppe.
Zuhause waschen und welken lassen
Am Spülbecken die Blätter in kaltes Wasser geben, vorsichtig schwenken und herausheben. In einen Topf geben, in dem schon ein Stück Butter oder etwas Olivenöl warm wird. Zwei Minuten rühren, dann ist das Brennen weg. Die Blätter sind jetzt sicher in der Hand.
Eine einfache Frühlingssuppe
Eine bereits angeschwitzte Zwiebel dazu, eine geschälte Kartoffel in Würfeln, ein halber Liter Gemüsesuppe. Fünfzehn Minuten köcheln. Pürieren, salzen, nach Belieben ein Schuss Obers oder Hafercreme. Eine Scheibe dunkles Brot, ein ruhiger Küchentisch; der Morgen ist rund.
Wildernte ist eine Praxis der Eigenverantwortung mit langer österreichischer Bauerngarten- und Wildkräutertradition. Drei Regeln tragen die Praxis. Erstens, sichere Bestimmung: Wer nicht hundertprozentig sicher ist, lässt die Pflanze stehen. Verwechslungen mit anderen Pflanzen sind selbst bei einfachen Arten möglich. Zweitens, Standort: Straßenränder, von Hunden begangene Wege und gespritzte Felder meiden. Zehn Meter Abstand sind die Faustregel. Drittens, Handschuhe und lange Ärmel: Brennnesseln brennen durch dünnen Stoff, und die Brennhaare sind das Erkennungszeichen der Pflanze. Schwangerschaft: gekochte Brennnesselblätter in üblichen Haushaltsmengen sind ein traditionelles Frühlingsessen; sehr große tägliche Mengen oder kräftige Brennnesselaufgüsse sind etwas anderes und nicht Teil dieser Praxis. Kinder: eine begleitete Ernte ist eine schöne Frühlingstradition; rohe Blätter bleiben aus Hand und Mund. Bei stärkeren Pollen- oder Gräserallergien vor dem Essen eine kleine Portion probieren.