Vanille
In Kürze
Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen
Die Vanille ist ein Aroma, kein Heilmittel. Ihre dokumentierten Wurzeln sind mesoamerikanisch: die Totonaken im Tiefland von Veracruz kultivierten und fermentierten die Orchidee (totonakisch caxixanath), und der aztekische Hof würzte mit tlilxochitl, der schwarzen Blume, das Kakaogetränk xocolatl. In den europäischen Aufzeichnungen taucht die Pflanze durch Hernandez in den 1570er Jahren und den Botaniker Clusius 1605 auf, und nachdem die Handbestäubung im neunzehnten Jahrhundert den Plantagenanbau ermöglichte, wurde sie zum weltweit am höchsten geschätzten natürlichen Aromagewürz. Weil sie ein einzelnes Aroma mesoamerikanischen Ursprungs ist, das sich kommerziell verbreitet hat, und keine Pflanze, die viele Traditionen entdeckt hätten, steht dieser Eintrag in der Stufe der regionalen historischen Bedeutung.
Für die österreichische Küche ist die Vanille eines der prägenden Aromen der Wiener Konditorei und der Mehlspeisen-Kultur: Vanillekipferl, Vanillesauce als warme Begleitung zum Apfelstrudel und Vanilleeis. Das echte Gewürz ist die fermentierte Schote von Vanilla planifolia, in der das Vanillin mit rund zwei Prozent die führende Verbindung ist, ergänzt durch mehrere hundert kleinere Aromaverbindungen, die das volle Bouquet aufbauen. Die Tahiti-Vanille ist die eigene Hybride Vanilla x tahitensis, blumiger; synthetisches Vanillin ist überhaupt keine Pflanze, sondern eine einzelne industriell hergestellte Verbindung, flacher am Gaumen und auf der Verpackung wert, unterschieden zu werden.
Bei der Gesundheit ist die ehrliche Lesart klar: die Vanille hat im Grunde keine medizinische Evidenz und keine nennenswerte medizinische Tradition. Es gibt keine EMA-Monografie und keinen zugelassenen EFSA-Health-Claim, die Laborarbeit zum Vanillin ist nicht klinisch übertragen, und die kleine Aromatherapie-Folklore von einem wärmenden, erdenden Duft ist nur explorativ. CNP stellt die Vanille als kulinarischen und sensorischen Genuss dar, als das prägende Aroma der Konditorei, und macht keine gesundheitsbezogene Aussage dazu. In den üblichen Küchenmengen gehört sie zu den sichersten Gewürzen der Speisekammer.
Klinische Evidenz ↔ Historische BedeutungWir zeigen zwei getrennte Evidenz-Kategorien: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.Mehr lesen
In jedem unserer Lexikon-Einträge bewerten wir zwei unterschiedliche Evidenz-Kategorien: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.
Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.
Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.
Überblick
Die Vanille (Vanilla planifolia), auch echte Vanille, ist eine tropische Kletterorchidee aus der Familie der Orchidaceae, ursprünglich aus den Tieflandwäldern Mexikos und Mittelamerikas. Die Pflanze wächst als lange Liane zehn bis dreißig Meter in das Kronendach stützender Bäume hinauf, mit fleischigen immergrünen Blättern und blass weißlich-grünen Orchideenblüten, die nur einen einzigen Tag offen sind. Die fermentierten Samenkapseln, die Vanilleschoten, sind die Quelle des Gewürzes; der prägende Aromastoff ist das Vanillin mit rund zwei Prozent Anteil an der fermentierten Schote, ergänzt durch Vanillinsäure und eine komplexe Mischung aus mehreren hundert kleineren Aromaverbindungen, die der echten Vanille ihren vollen Charakter geben.
In der westlichen Heilkunde gibt es für die Vanille im Grunde keine medizinische Monografie-Tradition: es existiert keine EMA-HMPC-Monografie, keine deutsche Kommission-E-Monografie, und kein zugelassener EFSA-Health-Claim. Die Pflanze steht eindeutig in der kulinarischen Kategorie als das teuerste natürliche Aromagewürz der Welt. Die Vanille ist das prägende Aroma der Wiener Konditorei, von Vanillekipferl über Vanillesauce bis zu Vanilleeis, und gehört in ganz Europa und Nordamerika zur feinen Backstube. Eine zentrale Unterscheidung zieht sich durch jede ehrliche Lesart der Vanille: die echte Vanille aus der fermentierten Orchideenschote ist eine andere Zutat als das synthetische Vanillin, das industriell aus Lignin und anderen Vorstufen hergestellt wird und in günstigeren Vanille-Aromen ohne jede Orchidee zum Einsatz kommt.
Geschichte
Die Vanille hat ihre ältesten dokumentierten Wurzeln im präkolumbischen Mexiko, wo die Totonaken an der Veracruz-Küste die Orchidee schon lange vor dem europäischen Kontakt kultivierten und die Schoten fermentierten. Am aztekischen Hof trank man xocolatl, ein bitteres zeremonielles Getränk aus Kakao, Chili und Vanille, in dem die Vanille die Bitterkeit des Kakaos mit süß-blumigen Noten rundete. Die Maya-Welt verwendete das Gewürz in ähnlichen Kombinationen. Als Hernan Cortes und die Spanier im frühen sechzehnten Jahrhundert die aztekische Hauptstadt erreichten, lernten sie Kakao und Vanille gemeinsam am Hof kennen; beide Gewürze gelangten dann über die Silber- und Handelsrouten nach Spanien und von dort in die europäische Luxusküche des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts.
In der österreichischen und mitteleuropäischen Tradition wurde die Vanille zu einem der prägenden Backaromen der kaiserlichen Konditorei und der Mehlspeisen-Kultur, ganz besonders in Wien. Vanillekipferl, also Vanillehörnchen aus Butter, gemahlenen Mandeln oder Haselnüssen, Mehl, Zucker und Vanillezucker, gehören zu den klassischen Weihnachtskeksen des österreichischen Haushalts. Die Vanillesauce, eine dünne Vanillecreme aus Milch, Eigelb, Zucker und dem ausgekratzten Mark einer Vanilleschote, begleitet warme Desserts wie Apfelstrudel und Powidltascherln. Vanilleeis, hergestellt aus derselben Vanillecreme-Basis, prägt die österreichische Sommer-Süßspeise. Im neunzehnten Jahrhundert wurde nach der Klärung der chemischen Struktur synthetisches Vanillin aus Lignin und anderen industriellen Vorstufen entwickelt; heute ist der allergrößte Teil des handelsüblichen Vanille-Aromas synthetisches Vanillin, während die fermentierte Schote und der echte Extrakt der feinen Konditorei und dem ambitionierten Hausbacken vorbehalten bleiben.
Wirkmechanismus
Die prägende Verbindung der Vanilleschote ist das Vanillin (4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd), das mit rund zwei Prozent Anteil an der fermentierten Schote vorliegt. Vanillin wird ergänzt durch Vanillinsäure (Oxidationsprodukt des Vanillins), p-Hydroxybenzaldehyd und eine lange Liste kleinerer Aromaverbindungen wie kleine Mengen Guajakol, Anisaldehyd und verschiedene phenolische und Ester-Verbindungen, die zusammen das volle Vanille-Bouquet aufbauen. Der Fermentationsprozess, der rund sechs Monate dauert und aus wiederholten Zyklen von Brühen, Schwitzen, Sonnentrocknen und Konditionieren besteht, ist das, was aus der grünen unreifen Schote die aromatische braune fermentierte Schote macht: Enzyme in der Schote bauen Glucovanillin und andere Vorstufen ab, und die langsame Oxidation erzeugt die Tiefe des Endaromas.
Einen wesentlichen heilkundlichen Wirkmechanismus hat die Vanille nicht in dem Sinn, in dem ihn Kamille, Fenchel oder Kardamom haben; das Vanillin ist zuerst und vor allem ein Aromastoff, und die kleine Laborarbeit zur antioxidativen Wirkung des Vanillins ist nicht klinisch übertragen. In der Aromatherapie genießen das Vanille-Absolue und der Vanille-Extrakt einen anekdotischen traditionellen Ruf als wärmendes und erdendes Aroma, das gelegentlich mit einer mildernden Wirkung auf die Stresswahrnehmung in Verbindung gebracht wird; die Humanstudien dazu sind klein und explorativ, und CNP stellt die Vanille nicht als entspannendes Heilkraut dar. Die kulinarische Identität ist die ehrliche Lesart: die Vanille ist das weltweit am meisten geschätzte natürliche Aromagewürz, und genau dort sitzt ihre Bedeutung.
Die Vanille wird in der Literatur zur Lebensmittelchemie und Aromaforschung weit intensiver untersucht als in der medizinischen Literatur. Vanillin gehört zu den meistuntersuchten Aromastoffen der industriellen Geschmacksforschung, und die fermentierte Schote sowie der echte Extrakt werden routinemäßig auf Vanillingehalt, Vanillinsäure, p-Hydroxybenzaldehyd und das breitere Profil aus mehreren hundert kleineren Aromaverbindungen analysiert, das die echte Schote vom rein synthetischen Vanillin-Präparat unterscheidet. Eine klinische Studienliteratur zur medizinischen Verwendung der Vanille gibt es im Grunde nicht; die kleine veröffentlichte Sammlung an Humanstudien zum Vanilleduft in aromatherapeutischen Kontexten ist explorativ und nicht bestätigend. Ehrlich gelesen ist die Vanille ein kulinarisches Aromagewürz mit einer tiefen lebensmittelchemischen Literatur und einer dünnen medizinischen Literatur.
Eine praktische Frage steht neben der Wissenschaft: wie unterscheidet man die echte Vanille vom synthetischen Vanillin im Alltag. Der echte Vanille-Extrakt trägt das volle Bouquet kleinerer Aromaverbindungen und schmeckt in fertigem Gebäck deutlich komplexer und nachhaltiger; reines synthetisches Vanillin schmeckt flacher, vorne süßer und hinten kürzer. Moderne analytische Methoden können beide eindeutig unterscheiden, und die EU-Lebensmittelkennzeichnung verlangt die ehrliche Auslobung von natürlicher Vanille, natürlichem Vanille-Aroma und Vanille-Aroma nicht-natürlichen Ursprungs; auf günstigen Supermarktpackungen verschwimmen die Begriffe trotzdem oft. In der österreichischen Konditorei- und Wiener Mehlspeisen-Tradition macht der Unterschied einen hörbaren Unterschied: ein Vanillekipferl mit echtem Vanillezucker aus einer ausgekratzten Madagaskar-Schote ist ein anderes Produkt als eines mit industriellem Vanillin-Zucker.
Wirksamkeit
| Ziel | Klasse | Note | Wirkung | Studien |
|---|---|---|---|---|
| Wiener Konditorei and traditional Austrian bakingLong, well-documented tradition in the Viennese Konditorei and the central European Mehlspeisen culture: Vanillekipferl, Vanillesauce, Vanilleeis. No medicinal claim; row records the culinary tradition that defines vanilla in the Austrian household.General population, culinary use | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Traditional-Use Monographie. | CEvidenzqualität C. Gemischte oder begrenzte Evidenz. Kleine Studien, Signale, oder traditionelle Anwendung mit EMA HMPC Traditional-Use Monographie. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | |
| Aromatherapy use for warming and grounding aromaAnecdotal traditional reputation for the vanilla aroma as warming and grounding in aromatherapy settings. Small exploratory human-trial set; no firm clinical signal. CNP does not present vanilla as a calming herbal remedy.Adults in exploratory aromatherapy contexts | UnzureichendUnzureichende Datenlage. Keine belastbaren Studien oder traditionelle Quellen verfügbar. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Anekdotische Tradition | |
| Vanillin as the defining aroma compound (chemistry)Vanillin (4-hydroxy-3-methoxybenzaldehyde) is one of the most-studied aroma compounds in food science, present at around two percent of the cured pod. Analytical literature on the vanillin profile, vanillic acid, and the broader bouquet that distinguishes true vanilla from synthetic vanillin is robust.Analytical food-science literature | KlinischKlinisch belegt. Randomisiert kontrollierte Studien oder Metaanalysen bestätigen den Effekt am Menschen. | AEvidenzqualität A. Konsistente Evidenz aus mehreren hochwertigen Studien oder EMA HMPC Well-Established-Use Bewertung. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Lebensmittelchemie | |
| Synthetic vanillin industrial flavouring (disambiguation)Synthetic vanillin is manufactured industrially from lignin or other precursors and is the standard form in cheaper vanilla flavouring without any orchid involvement. Regulated as a food additive; not a herbal-medicine question. Disambiguated honestly throughout this entry.Industrial food production | UnzureichendUnzureichende Datenlage. Keine belastbaren Studien oder traditionelle Quellen verfügbar. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Industrielles Aroma |
Anwendung
Formen und Zubereitung
Für die Verwendung einer ganzen Vanilleschote legst du die Schote flach auf ein Schneidebrett und schneidest sie der Länge nach mit der Spitze eines scharfen Messers von einem Ende zum anderen auf; dann fährst du mit der Rückseite des Messers an der offenen Innenseite der Schote entlang und kratzt das dunkle klebrige Mark und das umliegende Fruchtfleisch heraus. Das Mark kommt direkt ins Gericht; die ausgekratzte Schote trägt noch reichlich Aroma und lässt sich ein zweites Mal verwenden, etwa um Milch für die Vanillesauce zu aromatisieren oder ein Glas Vanillezucker anzusetzen. Für Vanillezucker selbst gemacht vergräbst du eine oder zwei ausgekratzte Schoten in einem Glas feinen Kristallzuckers und lässt das Ganze zwei bis vier Wochen stehen; der Zucker nimmt das Aroma auf und ist dann direkt einsatzbereit für Vanillekipferl, Vanillesauce und Vanilleeis. Vanillepaste, hergestellt aus gemahlenen Vanilleschoten in einem Zuckersirup, ist ein praktischer Ersatz für ganze Schoten und gibt ein ähnliches Bouquet mit etwas dickflüssigerer Textur. Vanille-Extrakt, hergestellt durch Mazeration aufgeschnittener Schoten in Ethanol und Wasser, ist die übliche Form in der österreichischen und kontinentalen Backstube und arbeitet direkt in jeder Flüssigkeit oder jedem Teig; ein Teelöffel echter Vanille-Extrakt ersetzt in den meisten Rezepten das Mark einer halben Schote. Synthetischer Vanillin-Zucker und synthetisches Vanille-Aroma sind im Supermarkt günstig zu haben und in vielen Haushalten die Alltagsform, aber der Geschmack ist merklich flacher als der einer echten Madagaskar- oder Mexiko-Schote. Für die feine Konditorei und die Wiener Mehlspeisen-Tradition ist die fermentierte Schote oder ein echter Extrakt die richtige Wahl.
Dosierung
Eine heilkundliche Dosierung für die Vanille gibt es nicht, weil es keine medizinische Anwendung gibt. In der Küche ist die ganze Vanilleschote die übliche Einheit: eine Schote liefert genug Mark für einen halben Liter Vanillesauce, eine Kilogramm-Charge Vanilleeis oder ein volles Rezept Vanillekipferl. Für Vanillezucker rechnet man eine oder zwei ausgekratzte Schoten pro Kilogramm Zucker; für Tortenteig und Eiscreme liegt der übliche Bereich beim Mark einer halben bis ganzen Schote oder ein bis zwei Teelöffeln Vanille-Extrakt pro Rezept. Eine sicherheitsrelevante Obergrenze über die übliche Küchenmenge hinaus existiert nicht, abgesehen vom Preis der Schoten selbst. In der Aromatherapie wird das Vanille-Absolue oder ein mit Vanille aromatisiertes Trägeröl in sehr niedrigen Konzentrationen verwendet, ein paar Tropfen pro Anwendung, und wird nie innerlich als heilkundliches ätherisches Öl eingenommen. Eine pädiatrische oder schwangerschaftsbezogene Dosierung musst du nicht weiter beachten, weil die Vanille in der kulinarischen Form für alle in den üblichen Küchenmengen unbedenklich ist; die österreichische Tradition, Kindern zu Weihnachten ein Stück Vanillekipferl zu reichen, ist selbstverständlich und unproblematisch. Synthetisches Vanillin in der industriellen Aromatisierung wird als Lebensmittelzusatzstoff reguliert und gilt in den Mengen, die in der Süßwarenindustrie verwendet werden, als allgemein sicher; das ist eine regulatorische Frage und keine pflanzenheilkundliche.
Sicherheit
Verwechslungen
Giftige Doppelgänger
Tahiti-Vanille (Vanilla tahitensis)
Verwandte Vanille-Art mit blumigerem, leicht parfümartigem Aroma; sie wird in der feinen Patisserie gerne für Crèmes und Desserts mit Beeren oder Schokolade verwendet, wo das blumige Aroma den Begleitnoten Raum gibt. In der feinen Konditorei sind echte Bourbon-Vanille (Vanilla planifolia) und Tahiti-Vanille beide hochgeschätzt, aber gut unterscheidbar: für klassische Vanillekipferl und Vanillesauce ist die Bourbon-Vanille die Referenz, für florale Crèmes oder Sorbets passt die Tahiti-Vanille besser.
Synthetisches Vanillin
KEINE Pflanze, sondern ein industriell hergestellter Aromastoff: synthetisches Vanillin wird aus Lignin (Nebenprodukt der Papierherstellung) oder aus anderen Vorstufen synthetisiert und enthält nur die eine Verbindung, nicht das volle Vanille-Bouquet aus mehreren hundert Aromaverbindungen. In der industriellen Vanille-Aromatisierung üblich, in günstigem Supermarktzucker und in vielen Fertigprodukten enthalten; mit echter Vanille aber nicht gleichzusetzen. Der Geschmack ist flacher, vorne süßer und hinten kürzer als bei der fermentierten Orchideenschote. In der EU-Kennzeichnung muss synthetisches Vanille-Aroma deklariert werden, in der Praxis verschwimmen die Begriffe auf Verpackungen aber oft.
Häufige Fragen
Echte Vanille oder synthetisches Vanillin, wo liegt der Unterschied?
Die echte Vanille ist die fermentierte Schote der tropischen Orchidee Vanilla planifolia; sie enthält das Vanillin als prägenden Aromastoff plus mehrere hundert kleinere Aromaverbindungen, die zusammen das volle Vanille-Bouquet aufbauen. Synthetisches Vanillin ist dagegen kein pflanzliches Produkt: es wird industriell aus Lignin (Nebenprodukt der Papierherstellung) oder aus anderen Vorstufen synthetisiert und enthält nur die eine Verbindung. Der Unterschied schmeckt man: echte Vanille schmeckt komplexer, runder und länger; synthetisches Vanillin schmeckt vorne süßer und hinten kürzer. In günstigen Supermarktprodukten ist meist synthetisches Vanillin enthalten, in der feinen Konditorei und im ambitionierten Hausbacken die echte Schote oder der echte Extrakt. In der EU-Kennzeichnung musst du auf die Auslobung achten: nur "Bourbon-Vanille", "Vanille-Extrakt" oder "Mark der Vanilleschote" garantiert die echte Pflanze.
Wie mache ich Vanillezucker selbst?
Echter Vanillezucker ist leicht selbst gemacht. Du nimmst eine oder zwei ausgekratzte Vanilleschoten, also Schoten, deren Mark du schon für eine Vanillesauce oder ein Vanilleeis verwendet hast, und vergräbst sie in einem Schraubglas mit etwa fünfhundert Gramm bis einem Kilogramm feinen Kristallzuckers. Verschließ das Glas und lass es zwei bis vier Wochen stehen, gelegentlich schütteln; der Zucker nimmt das Vanillearoma in dieser Zeit vollständig auf. Du kannst auch eine ganze Schote längs aufschneiden und mitvergraben, wenn du intensiveren Vanillezucker möchtest. Nachfüllen geht problemlos: Zucker, der entnommen wird, kannst du wieder ergänzen, die Schoten geben monatelang Aroma ab. Echter selbst gemachter Vanillezucker ist deutlich aromatischer als der industrielle Vanillin-Zucker aus dem Supermarkt und ist die richtige Wahl für Vanillekipferl, Vanillesauce, Vanilleeis und Mehlspeisen.
Welche Rolle spielt die Vanille in der Wiener Konditorei-Tradition?
Die Vanille ist eines der prägenden Aromen der Wiener Konditorei. Vanillekipferl, also kleine Hörnchen aus Butter, gemahlenen Mandeln oder Haselnüssen, Mehl, Zucker und reichlich Vanillezucker, gehören zu den klassischen österreichischen Weihnachtskeksen; sie werden nach dem Backen noch warm in einer Mischung aus Vanillezucker und Staubzucker gewälzt. Die Vanillesauce, eine dünne Vanillecreme aus Milch, Eigelb, Zucker und dem Mark einer Vanilleschote, ist die klassische warme Begleitung zu Apfelstrudel, Powidltascherln und vielen weiteren Mehlspeisen. Vanilleeis aus einer Vanillecreme-Basis prägt die Sommer-Süßspeise und ist die Grundlage vieler weiterer Eissorten. Im historischen Wiener Kaffeehaus und in der Wiener Konditorei steht die echte Vanille traditionell im Vordergrund, weil das volle Bouquet der fermentierten Schote die Mehlspeisen-Tradition trägt; in einfacheren Haushaltsrezepten kommt heute oft Vanillin-Zucker zum Einsatz.
Madagaskar-Vanille, Tahiti-Vanille, Mexiko-Vanille, was unterscheidet sie?
Madagaskar produziert rund sechzig Prozent der weltweiten Vanille, meist als Bourbon-Vanille (Vanilla planifolia, dieselbe Art wie die mexikanische Ursprungspflanze); sie hat ein klassisches, kräftiges, rund-süßes Vanillearoma und ist die Referenz der Wiener Konditorei. Tahiti-Vanille (Vanilla tahitensis) ist eine verwandte Art mit blumigerem, leicht parfümartigem Aroma; sie wird in der feinen Patisserie gerne für Crèmes und Desserts mit Beeren oder Schokolade verwendet, wo das blumige Aroma den Begleitnoten Raum gibt. Mexiko-Vanille, also Vanilla planifolia aus dem Ursprungsgebiet, ist seltener am Markt, hat oft ein etwas würzigeres Profil und ist die historische Wurzel der Pflanze; sie ist in feinen Spezialgeschäften erhältlich. Indonesische und Uganda-Vanille kommen ebenfalls in größeren Mengen auf den Markt und sind preislich oft attraktiver, mit etwas einfacherem Profil. Für Vanillekipferl, Vanillesauce und Vanilleeis ist die Bourbon-Vanille aus Madagaskar die klassische Wahl.
Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.