Christiane's Naturkraft
|
Enzyklopädie/Pflanze/TEM · Volksmedizin/encyclopedia-calendula

Ringelblume

Calendula officinalis
WofürFür alle, die eine traditionelle, gut verträgliche Pflanze für die äußerliche Hautpflege suchen, klassisch als Salbe, Kompresse oder Ölmazerat.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
60Etablierte historische Bedeutung
SicherheitGut verträglichDie äußerliche Anwendung ist seit Generationen sehr gut verträglich. Wichtigster Vorbehalt ist eine mögliche Kreuzreaktion bei Korbblütler-Allergie.
Tradition
Übliche Zubereitungen
SalbeKompresseTeeÖl MazeratTinktur

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Die Ringelblumenblüte gehört zu den klassischen äußerlichen Hautpflanzen der europäischen Haustradition. Die belegbare schriftliche Überlieferung beginnt um 1300 mit dem salernitanischen Tractatus de herbis, führt über die Renaissance-Kräuterbücher von Fuchs und Gerard und lebt heute in der Ringelblumensalbe des deutschsprachigen und alpinen Raums weiter. Die Anwendung ist durchgehend äußerlich, bei kleineren Hautentzündungen und zur Pflege kleiner Wunden, und der Pflanzenteil ist durchgehend die Blüte, Calendulae flos.

Die Studienlage ist bescheiden und die Studien sind klein. Die beste Einzelstudie, Pommier und Kolleginnen aus dem Jahr 2004, war eine Phase-III-Studie an 254 Brustkrebspatientinnen, in der eine Salbe aus Calendula officinalis die akute Strahlendermatitis gegenüber Trolamin verringerte. Eine kleinere Studie, Lavagna und Kolleginnen aus dem Jahr 2001, untersuchte die Heilung von Kaiserschnittwunden, verwendete aber eine Mischung aus Johanniskraut- und Ringelblumenöl mit der Ackerringelblume Calendula arvensis, sie ist also eine Mehrkräuter- und Fremdartstudie und kein Beleg für die Blüte von Calendula officinalis. Am ehrlichsten beschreibt man die Ringelblume als traditionell gut etablierte, gut verträgliche äußerliche Pflanze mit dünner Studienlage, nicht als bewiesene Behandlung.

Tradition und Behörde treffen sich bei der europäischen Monografie. Die führt Calendulae flos, die Blüte von Calendula officinalis, als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung kleinerer Entzündungen der Haut und Schleimhaut und zur Unterstützung der Heilung kleiner Wunden, und Kommission E und ESCOP decken dieselbe Blüte ab. Es handelt sich um eine traditionelle Anwendung, nur äußerlich, nicht um einen zugelassenen Wirksamkeitsnachweis. Ein Hinweis gehört hierher: Die Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae), wer also auf Ragweed, Chrysanthemen oder andere Korbblütler allergisch reagiert, kann auch auf sie reagieren.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Evidenz-Kategorien: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Mehr lesen

In jedem unserer Lexikon-Einträge bewerten wir zwei unterschiedliche Evidenz-Kategorien: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist einer der bekanntesten Bauerngarten-Klassiker im deutschsprachigen Raum. Die leuchtend orange-gelben Blüten werden zu Salben, Ölmazeraten, Tees und Kompressen verarbeitet und gehören seit Generationen zum Inventar des Hausmittelschrankes.

In der Forschung stehen die Triterpene (vor allem Faradiol-Ester) und die Flavonoide aus den Blüten im Mittelpunkt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur () führt die Ringelblume in der traditionellen Anwendung bei kleineren Hautentzündungen und zur Unterstützung der Wundheilung. Die deutsche Kommission E hat die Blüten ebenfalls positiv bewertet.

02
Geschichte

Geschichte

Die Ringelblume zählt zu den klassischen Pflanzen der mitteleuropäischen Klostermedizin und des Bauerngartens. Im deutschsprachigen Raum wird sie seit dem Mittelalter kultiviert. Die Ringelblumensalbe gehört zu den ältesten und am längsten verwendeten Hausmitteln für die Hautpflege.

In der modernen Phytotherapie hat die Pflanze ihren Platz behalten. Die führt die Calendula-Blüten in der Liste der traditionell anerkannten pflanzlichen Arzneimittel, und die deutsche Kommission E hat die Blüten in einer positiven Monografie bewertet. Die Ringelblume ist damit eine der wenigen Gartenpflanzen, die den Sprung von der Klostermedizin in die regulatorische Anerkennung geschafft haben.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Im Mittelpunkt der mechanistischen Forschung stehen die Triterpene aus den Blüten. Besonders die Faradiol-Ester wurden in Laboruntersuchungen auf entzündungshemmende Aktivität untersucht und gelten in der Phytochemie als Leitsubstanzen der Ringelblume. Daneben tragen Flavonoide und Carotinoide zum Profil bei.

In-vitro-Studien zeigen für Calendula-Extrakte entzündungshemmende und wundheilungsunterstützende Effekte auf Hautzellen. Wie sich diese Laborergebnisse auf die alltägliche Anwendung einer Ringelblumensalbe übertragen, ist im Detail nicht geklärt, deckt sich aber mit dem langen traditionellen Anwendungsmuster.

Die klinische Evidenz zur Ringelblume ist überschaubar, aber gezielt. Eine Studie von Pommier und Kolleginnen aus dem Jahr 2004 hat eine Calendula-Salbe bei akuter Strahlendermatitis im Rahmen einer Brustkrebs-Bestrahlung untersucht und gegenüber der Standardversorgung Vorteile bei der Hautverträglichkeit beobachtet. Eine kleinere Arbeit von Lavagna und Kolleginnen aus dem Jahr 2001 untersuchte ein kombiniertes Öl aus Johanniskraut und Calendula bei der Wundheilung nach Kaiserschnitt. Verwendet wurde dabei die verwandte Art Calendula arvensis, nicht Calendula officinalis, und das in einer Mehrkräuter-Mischung, sodass die Arbeit für sich genommen nichts über Calendula officinalis aussagt.

Weitere klinische Arbeiten haben Calendula-Mundspülungen zur Prävention oraler Mukositis bei Tumorpatientinnen untersucht (Patrick und Kolleginnen). Die zugrunde liegenden Studien sind klein und heterogen, deshalb gilt die Ringelblume in der Phytotherapie als traditionell gut etabliert mit ergänzender, vielversprechender klinischer Evidenz, nicht als bewiesene Behandlung.

04
Wirksamkeit

Wirksamkeit

4 Outcomes evaluiert. Sortierung: Note absteigend.
ZielKlasseNoteWirkungStudien
Adults with minor skin wounds; post-surgical (caesarean)
Leichte Verbesserung1 Studie
Cancer patients receiving radiotherapy or chemotherapy
Leichte Verbesserung2 Studien
Adults with minor inflammatory skin conditions; radiotherapy patients
Traditionell angewendet1 Studie
In vitro / preclinical
Frühe Befunde
05
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

Für einen Tee gibst du ein bis zwei Teelöffel getrocknete Ringelblumen in eine Tasse und übergießt sie mit frisch aufgekochtem Wasser. Deck die Tasse zehn Minuten zu, dann abseihen. Für eine Kompresse einen kräftigeren Aufguss ansetzen, abkühlen lassen und ein sauberes Baumwolltuch darin tränken. Für ein Ölmazerat füllst du die getrockneten Blüten locker in ein sauberes Glas, übergießt sie vollständig mit einem guten Pflanzenöl (zum Beispiel Bio-Sonnenblumen- oder Olivenöl) und lässt sie zwei bis vier Wochen an einem warmen, sonnigen Platz ziehen. Danach abseihen und kühl lagern. Die Ringelblumensalbe entsteht klassisch aus diesem Ölmazerat mit Bienenwachs.

Dosierung

Äußerlich wird die Ringelblumensalbe traditionell zwei bis vier Mal täglich auf trockene, gereizte oder kleine wunde Hautstellen aufgetragen. Kompressen mit einem abgekühlten Aufguss können mehrmals täglich für jeweils zehn bis fünfzehn Minuten angelegt werden. Innerlich liegen ein bis zwei Tassen Tee pro Tag im traditionellen Bereich. Die äußerliche Anwendung ist gut verträglich und kann über längere Zeiträume fortgesetzt werden. Wenn sich die Hautstelle nicht innerhalb weniger Tage bessert oder Zeichen einer Infektion zeigt, hör mit der Eigenanwendung auf und sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

06
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Die Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Wer auf Ragweed, Chrysanthemen oder andere Korbblütler allergisch reagiert, kann auch auf Calendula reagieren. Bei bekannter Korbblütler-Allergie vorsichtig herantasten oder ganz darauf verzichten. In der Schwangerschaft gilt die äußerliche Anwendung als unbedenklich, von konzentrierten innerlichen Anwendungen (zum Beispiel Tinkturen in höheren Dosen) wird traditionell abgeraten, weil ältere Quellen eine potenzielle uterusanregende Wirkung beschreiben. Bei Unsicherheit sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
07
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Asteraceae
Heimische Regionen
Mediterranean, Central Europe, Cultivated worldwide
Erntezeit
June to October
Lebensraum
Im mitteleuropäischen Bauerngarten kultiviert. Bevorzugt vollsonnige Standorte und gut durchlässige, eher nährstoffreiche Gartenerde. Selbstaussäend und blühfreudig von Juni bis in den Oktober hinein.
Erkennen & Sammeln
Leuchtend orange bis gelbe, gänseblümchenartige Blütenköpfe mit einem Durchmesser von vier bis sieben Zentimetern. Die Blüten haben einen leicht harzigen, aromatischen Geruch. Die Blätter sind länglich, leicht behaart und sitzen wechselständig am Stiel. Die Pflanze wird etwa dreißig bis sechzig Zentimeter hoch.

Giftige Doppelgänger

Unangenehm

Tagetes (Studentenblume / French and African marigold)

Eine andere Gattung (Tagetes) innerhalb der Korbblütler-Familie. Im Englischen werden beide manchmal "marigold" genannt, das verleitet zur Verwechslung. Tagetes hat einen deutlich anderen, stärkeren Geruch und eine andere, weniger umfangreiche traditionelle Anwendung. Für die klassische Ringelblumen-Hausmittelanwendung wird ausschließlich Calendula officinalis genutzt.

08
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wie macht man Ringelblumensalbe selbst?

Du setzt zuerst ein Ölmazerat an: getrocknete Ringelblumenblüten locker in ein sauberes Glas geben, mit Pflanzenöl (zum Beispiel Sonnenblumen- oder Olivenöl) vollständig bedecken und zwei bis vier Wochen warm und sonnig ziehen lassen. Dann abseihen. Für die Salbe das fertige Ringelblumenöl im Wasserbad mit Bienenwachs (etwa 10 Gramm Wachs auf 100 ml Öl) schmelzen und in saubere Tiegel füllen. Kühl gelagert hält die Salbe mehrere Monate.

Ist Calendula dasselbe wie Tagetes (Studentenblume)?

Nein. Die Echte Ringelblume (Calendula officinalis) und die Studentenblume (Tagetes) gehören beide zur Familie der Korbblütler, sind aber unterschiedliche Gattungen. Im englischen Sprachraum heißen beide manchmal "marigold", das führt zu Verwechslungen. Für die traditionelle Hautpflege ist nur Calendula gemeint, Tagetes hat eine andere, weniger umfangreiche Anwendungstradition.

Darf ich Ringelblume in der Schwangerschaft verwenden?

Die äußerliche Anwendung als Salbe oder Kompresse gilt traditionell als unbedenklich und wird in der Hebammenpraxis im deutschsprachigen Raum häufig empfohlen, zum Beispiel bei trockener Haut. Von konzentrierten innerlichen Anwendungen (Tinkturen in höheren Dosen) wird in der Schwangerschaft eher abgeraten, weil ältere Quellen eine potenzielle uterusanregende Wirkung beschreiben. Bei Unsicherheit sprich mit deiner Hebamme oder deiner Ärztin.

Wie oft kann ich die Ringelblumensalbe auftragen?

Traditionell wird die Salbe zwei bis vier Mal täglich dünn auf die betroffene Hautstelle aufgetragen. Die äußerliche Anwendung ist gut verträglich und kann über längere Zeiträume fortgesetzt werden. Wenn sich nichts bessert oder die Stelle entzündlich wird, hör mit der Eigenanwendung auf und lass es ärztlich abklären.

Wann sammelt man Ringelblumen für den Eigenbedarf?

Die Blütezeit reicht im mitteleuropäischen Garten von Juni bis Oktober. Die Blüten werden am späten Vormittag bei trockenem Wetter gepflückt, dann an einem schattigen, luftigen Ort getrocknet. Trocken und dunkel gelagert sind die Blüten ein Jahr haltbar. Für eine kontinuierliche Ernte regelmäßig die offenen Blüten abzupfen, dann blüht die Pflanze nach.

Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.