Christiane's Naturkraft
DEEN
Enzyklopädie/Pflanze/TEM · Volksmedizin/encyclopedia-mallow-common

Malve (Käsepappel)

Malva sylvestris
Quellen
3 ausgewiesen
WofürFür Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren, die Malventee als traditionelles Hausmittel bei Halskratzen und trockenem Reizhusten nutzen möchten.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
83Hohe historische Bedeutung
SicherheitMeist gut verträglichFür die beschriebenen Teezubereitungen nennt die EMA keine bekannten Nebenwirkungen. Bei einer Allergie gegen Malve darfst du sie nicht verwenden. Für Kinder unter zwölf Jahren sowie für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen ausreichende Sicherheitsdaten.
Tradition
Übliche Zubereitungen
Frische BlütenGetrocknete BlütenGetrocknete BlätterTeeSirup

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Die Wilde Malve ist ein vertrautes Garten- und Wegrandkraut mit lila-rosa Blüten. Ihre Blüten und Blätter werden als Tee verwendet. Malven erscheinen schon in antiken Texten, später auch in Hildegards Physica und englischen Kräuterbüchern. Dabei wechselten die beschriebenen Pflanzenteile und Anwendungen; eine über die Jahrhunderte unveränderte Hustenbehandlung ist damit nicht belegt.

Heute führt die EMA Malvenblüten und Malvenblätter zur traditionellen Linderung von Reizungen in Mund und Rachen sowie begleitendem trockenem Husten. Die Anwendung gilt ab zwölf Jahren. Traditionell bedeutet hier: lange verwendet und in der Wirkung plausibel, aber nicht durch ausreichend gute Studien bestätigt. Auch die verwandte Eibischwurzel ist bei der EMA als traditionelles Arzneimittel eingestuft; ihre Zubereitungen sind nicht einfach mit Malventee austauschbar.

Für den Tee werden Blüten und Blätter unterschiedlich dosiert und mit kochendem Wasser aufgegossen. Unter zwölf Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt die EMA die Arzneianwendung mangels ausreichender Daten nicht. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind in den Malvenmonografien nicht berichtet. Wenn Husten oder Halsreizungen länger als eine Woche anhalten, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Mehr lesen

In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Die Wilde Malve (Malva sylvestris) wächst an Wegrändern und in Gärten. In Österreich ist sie auch als Käsepappel bekannt. Ihre lila-rosa Blüten haben dunkle Adern, die Blätter sind rundlich und gelappt. Aus getrockneten Blüten oder Blättern wird traditionell Tee gegen Halskratzen und damit verbundenen trockenen Reizhusten zubereitet. Sie enthalten Schleimstoffe, die mit Wasser eine gelartige Flüssigkeit bilden.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt diese Anwendungen für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren. Sie stützt sich dabei auf die langjährige Verwendung. Gute Studien, die eine spürbare Linderung durch reinen Malventee zuverlässig nachweisen, fehlen bisher. Die EMA nennt außerdem leichte Magen-Darm-Beschwerden als traditionelle Anwendung.

02
Geschichte

Geschichte

Malven sind seit der Antike als Nahrungs- und Heilpflanzen überliefert. Dioskurides erwähnt sie in seiner Arzneimittellehre; Plinius beschreibt verschiedene wilde und kultivierte Malven. Die alten Namen lassen sich nicht immer eindeutig einer heutigen Art oder einem bestimmten Pflanzenteil zuordnen. Im zwölften Jahrhundert beschreibt Hildegard von Bingen in der Physica gekochte junge Malve bei einem schwachen Magen. Das belegt eine historische Verwendung, keine heutige medizinische Wirkung.

Spätere englische Kräuterbücher führen die Malve ebenfalls. Culpeper behandelt Malven und Eibisch gemeinsam; Grieve beschreibt Malva sylvestris 1931 in einem eigenen Abschnitt und nennt einen Aufguss bei Husten und Erkältungen. In Österreich erinnert der Name Käsepappel an die runden Früchte, die kleinen Käserädern ähneln. Heute beschreiben die EMA-Monografien Blüten- und Blattzubereitungen für Halsreizungen und begleitenden trockenen Husten. Die Arzneianwendung ist dort auf Personen ab zwölf Jahren begrenzt.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Schleimstoffe sind lange Zuckerketten, die Wasser binden und darin quellen. Sie können sich als dünne Schicht auf die Schleimhaut von Mund und Rachen legen. Das erklärt, warum Malve traditionell als reizmildernd gilt. Für Malvenblüten und Malvenblätter nennt die EMA heiße Aufgüsse oder Abkochungen. Ein Kaltansatz ist nicht nachweislich besser.

Die Blüten enthalten außerdem Farbstoffe namens Anthocyane, darunter Malvin. Sie tragen zur violetten Farbe bei und verändern ihre Farbe je nach Säuregehalt. Weitere Pflanzenstoffe wurden im Labor untersucht: Ein alkoholischer Malvenextrakt verringerte beispielsweise die Freisetzung bestimmter Entzündungsbotenstoffe in einer Zellkultur. Ob diese Stoffe in einer Tasse Tee Beschwerden lindern, lässt sich daraus nicht sagen.

Die EMA bewertet Malvenblüten und Malvenblätter als traditionelle pflanzliche Arzneimittel. Dafür muss eine ausreichend lange medizinische Verwendung dokumentiert sein, und die Wirkung muss plausibel erscheinen. Das ist kein Nachweis aus überzeugenden klinischen Studien. Die Monografien gelten für bestimmte Zubereitungen aus Blüten oder Blättern; die Blattmonografie umfasst neben Malva sylvestris auch Malva neglecta.

Für reinen Malventee bei trockenem Reizhusten oder gewöhnlichem Halskratzen fehlen weiterhin ausreichend aussagekräftige Studien am Menschen. Untersuchungen zu anderen Anwendungen oder zu Mischpräparaten schließen diese Lücke nicht. Laborversuche mit Malvenextrakten liefern Hinweise auf mögliche Wirkungen, zeigen aber nicht, wie stark oder wie zuverlässig eine Tasse Tee Beschwerden lindert.

04
Wirksamkeit

Wirksamkeit

4 Outcomes evaluiert. Sortierung: Note absteigend.
ZielKlasseNoteWirkungStudienQuellen
Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren
Traditionelle Anwendung[1][2]
Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren
Traditionelle Anwendung[1][2]
Zubereitungshinweis, kein untersuchter Nutzen am Menschen
Zubereitungshinweis[1][2]
Im Labor gezüchtete menschliche Zellen
Nur im Labor untersucht[3]
05
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

Übergieße die abgewogene Menge Blüten oder Blätter mit sprudelnd kochendem Wasser. Lass den Tee entsprechend der Packungsanleitung ziehen, mindestens fünf Minuten, und seihe ihn dann ab. Trinke ihn frisch zubereitet und auf eine angenehme Temperatur abgekühlt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt kochendes Wasser, weil getrocknete Kräuter Keime enthalten können. Die EMA nennt auch Abkochungen als Zubereitung. Ein stundenlanger Ansatz mit kaltem oder lauwarmem Wasser ist nicht grundsätzlich wirksamer und wird hier für getrocknete Kräuter nicht empfohlen. Junge Malvenblätter werden auch als Gemüse verwendet. Diese Verwendung als Lebensmittel ist von der gezielten Arzneianwendung zu unterscheiden; ein selbst gemachter Sirup hat ebenfalls keine mit dem Tee gleichsetzbare Dosierung.

Dosierung

Die EMA nennt für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren folgende Teemengen: 1 bis 2 g getrocknete, zerkleinerte Blüten auf 250 ml kochendes Wasser, zwei- bis dreimal täglich. Die durchschnittliche Tagesmenge beträgt 5 g Blüten. Für getrocknete, zerkleinerte Blätter sind es 1,8 g auf 150 ml kochendes Wasser, dreimal täglich. Diese Mengen gelten jeweils für ein reines Blüten- oder Blattpräparat; halte dich bei Arzneitee an die Packungsbeilage. Halte bei Husten oder Halsreizungen, die während der Anwendung länger als eine Woche anhalten, ärztlich Rücksprache. Bei leichten Magen-Darm-Beschwerden gilt dafür eine Grenze von zwei Wochen. Werden Beschwerden schlimmer, brauchst du früher Rat. Die Teemengen lassen sich nicht auf Sirup oder konzentrierte Extrakte übertragen.

06
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Die EMA empfiehlt die Arzneianwendung unter zwölf Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht, weil ausreichende Daten fehlen. Bei bekannter Allergie gegen Malve ist sie ausgeschlossen. Wenn unerwünschte Beschwerden auftreten, setz das Präparat ab und hole medizinischen Rat ein. Lass Atemnot, Fieber, eitrigen Auswurf oder eine Verschlechterung der Beschwerden ärztlich abklären. Bei Husten und Halsreizungen solltest du spätestens nach einer Woche ohne Besserung Rat suchen, bei leichten Magen-Darm-Beschwerden nach zwei Wochen. Wechselwirkungen sind laut EMA nicht berichtet; die Monografien verlangen keinen allgemeinen Abstand zu anderen Medikamenten. Beachte mögliche Hinweise in der Packungsbeilage deines Präparats.
07
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Malvaceae
Heimische Regionen
Europe (native), North Africa (native), Western Asia (native), Austria, naturalised worldwide
Erntezeit
Flowers June to September; leaves through the warm season
Lebensraum
Die Wilde Malve ist in Europa, Nordafrika und Westasien heimisch und wurde auch in andere Regionen eingeführt. Sie wächst an sonnigen Wegrändern, auf offenen Flächen und in Gärten. Sie kann sich selbst aussäen. Der Name Käsepappel wird auch für andere Malven verwendet, etwa für die Wegmalve (Malva neglecta).
Erkennen & Sammeln
Die meist zwei- bis mehrjährige Pflanze wird etwa 30 bis 150 cm hoch. Ihre rundlichen Blätter haben fünf bis sieben flache Lappen und einen gezähnten Rand. Die lila-rosa Blüten bestehen aus fünf Blütenblättern mit dunkleren Adern. Nach der Blüte entstehen flache, runde Früchte, die in einzelne Teilfrüchte zerfallen. Ihre Form erinnert an kleine Käseräder und erklärt den Namen Käsepappel. Die Blütenadern allein reichen zur sicheren Artbestimmung nicht aus.

Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen

Unangenehm

Eibisch (Althaea officinalis)

Eibisch (Althaea officinalis) gehört ebenfalls zu den Malvengewächsen. Seine Blätter sind dicht und weich behaart, die Blüten meist blasser als bei der Wilden Malve. Als Arzneipflanze hat er eigene Vorgaben für Pflanzenteil, Zubereitung, Dosis und Alter. Er ist deshalb kein beliebig austauschbarer Ersatz.

Zum Eintrag: Eibisch
Unangenehm

Stockrose (Alcea rosea)

Die Stockrose (Alcea rosea) ist eine häufige Zierpflanze im Bauerngarten und gehört ebenfalls zu den Malvengewächsen. Sie hat meist einen hohen Blütenstand mit großen Blüten. Die EMA-Monografien für Malvenblüten und Malvenblätter umfassen sie nicht; sie ist dafür kein gleichwertiger Ersatz.

08
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wie bereite ich Malventee zu?

Für einen Aufguss nennt die EMA 1 bis 2 g getrocknete Blüten auf 250 ml kochendes Wasser oder 1,8 g getrocknete Blätter auf 150 ml. Lass den Tee nach Packungsanleitung mindestens fünf Minuten ziehen, seihe ihn ab und trinke ihn frisch, sobald er angenehm abgekühlt ist. Ein Ansatz über Nacht mit kaltem oder lauwarmem Wasser ist bei getrockneten Kräutern keine gute allgemeine Empfehlung.

Worin unterscheidet sich Malve von Eibisch?

Malve (Malva sylvestris) und Eibisch (Althaea officinalis) gehören beide zu den Malvengewächsen. Für Malventee verwendet man Blüten oder Blätter; beim Eibisch ist vor allem die Wurzel als Arzneipflanzenteil bekannt. Beide enthalten Schleimstoffe und werden traditionell bei Halsreizungen und trockenem Husten genutzt. Sie sind aber unterschiedliche Arzneipflanzen mit eigenen Zubereitungen, Dosierungen und Altersgrenzen. Ein verlässlich stärkerer Effekt des Eibischs lässt sich aus dem Schleimstoffgehalt allein nicht ableiten.

Ist Malventee für Kinder geeignet?

Die EMA empfiehlt Malvenblüten und Malvenblätter als Arzneitee erst ab zwölf Jahren. Für jüngere Kinder reichen die Daten zu Anwendung und Sicherheit nicht aus. Ein schwächerer Aufguss löst diese Unsicherheit nicht. Lass bei jüngeren Kindern ärztlich klären, was bei Husten oder Halsbeschwerden geeignet ist.

Muss ich Abstand zu anderen Medikamenten halten?

Die EMA-Monografien für Malvenblüten und Malvenblätter nennen keine berichteten Wechselwirkungen und schreiben keinen allgemeinen Einnahmeabstand vor. Hinweise für andere schleimstoffreiche Pflanzen gelten nicht automatisch auch für Malve. Wenn die Packungsbeilage deines Präparats einen Abstand verlangt, halte ihn ein. Bei Fragen zu deinen Medikamenten hilft die Apotheke.

09
Quellen

3 Belege.

  1. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L., flos. 2018. Quelle
  2. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L. and/or Malva neglecta Wallr., folium. 2018. Quelle
  3. Cleverson Antonio Ferreira Martins; Almeriane Maria Weffort-Santos; João Cleverson Gasparetto; Angela Cristina Leal Badaró Trindade; Michel Fleith Otuki; Roberto Pontarolo. Malva sylvestris L. extract suppresses desferrioxamine-induced PGE₂ and PGD₂ release in differentiated U937 cells: the development and validation of an LC-MS/MS method for prostaglandin quantification. 2014. doi:10.1002/bmc.3106

Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.