Majoran
In Kürze
Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen
Majoran ist ein mild-würziges Küchenkraut aus dem östlichen Mittelmeerraum. In Österreich ist er besonders als Wurstkraut bekannt. Er gehört zur selben Gattung wie Oregano, ist aber eine eigene Art. Seine europäische Verwendung als Gewürz und Hausmittel hat eine lange Geschichte; bei antiken Namen und mittelalterlichen Zuschreibungen bleibt die genaue Pflanzenzuordnung teilweise offen.
Für eine verdauungsfördernde Wirkung fehlen ausreichende verlässliche Studien am Menschen. Die EMA erkennt Majorankraut deshalb als traditionelles pflanzliches Arzneimittel an: als Tee bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen und als bestimmte Salbe bei gereizter Haut um die Nasenöffnungen. Laborbefunde zu ätherischem Öl belegen weder eine Wirkung von Tee noch einen Nutzen als Küchengewürz.
Für den Alltag ist Majoran vor allem ein Gewürz. Bei Arzneitee gelten eigene Regeln: Er ist für Erwachsene vorgesehen und wird in Schwangerschaft und Stillzeit mangels ausreichender Daten nicht empfohlen.
Klinische Evidenz ↔ Historische BedeutungWir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.Mehr lesen
In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.
Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.
Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.
Überblick
Majoran (Origanum majorana), auch Wurstkraut genannt, ist ein aromatisches Kraut aus der Familie der Lippenblütler. Er stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und wird heute weltweit angebaut. In der österreichischen Küche würzt er etwa Bratwürste, Leberkäse, Erdäpfelgulasch, Schweinsbraten und Bohnensuppen. Sein Aroma ist meist milder und süßer als das des eng verwandten Oreganos.
Als Hausmittel wird Majoran traditionell bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen eingesetzt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) beschreibt dafür einen Tee aus dem getrockneten Kraut. Außerdem nennt sie eine bestimmte Salbenzubereitung für gereizte Haut um die Nasenöffnungen. Diese Anwendungen beruhen auf langjähriger Verwendung; ein Nutzen ist durch zuverlässige Studien am Menschen nicht ausreichend belegt. Küchengewürz, Arzneitee und konzentriertes ätherisches Öl sind dabei unterschiedliche Zubereitungen.
Geschichte
Die Geschichte des Majorans reicht in die mediterrane Kräuterüberlieferung zurück. Antike Pflanzennamen wie sampsouchon und amaracus werden mit ihm in Verbindung gebracht. Sie lassen sich aber nicht immer eindeutig der heutigen Art Origanum majorana zuordnen. Erzählungen über Hochzeitskränze, Liebesgöttinnen und Grabpflanzungen sind deshalb keine sicheren Belege für eine durchgehende Verwendung genau dieser Art.
In der späteren europäischen Kräutertradition ist süßer Majoran besser greifbar. Culpepers Kräuterbuch behandelt ihn getrennt vom wilden Majoran und beschreibt seinen damaligen Gebrauch bei Beschwerden von Kopf und Magen. Die oft erzählte Verbreitung über karolingische Klostergärten lässt sich dagegen mit den hier genannten Quellen nicht belegen: Walahfrid Strabos Hortulus und die Pflanzenliste des Capitulare de villis liefern keinen eindeutigen Majoran-Nachweis. In der österreichischen Küche ist Majoran heute als Wurstkraut und als Gewürz für Erdäpfelgulasch, Krautrouladen und Bohnensuppen bekannt.
Wirkmechanismus
Das ätherische Öl enthält die flüchtigen Stoffe, die den Duft des Majorans prägen. Dazu gehören Terpinen-4-ol und Sabinenhydrat. Ihre Anteile können sich je nach Herkunft und Gewinnung unterscheiden; eine feste Liste von Hauptbestandteilen gilt deshalb nicht für jedes Öl. Im Kraut kommt außerdem Rosmarinsäure vor, ein pflanzlicher Inhaltsstoff, der auch in anderen Lippenblütlern enthalten ist.
Traditionell gilt Majoran als blähungslindernd und leicht krampflösend. Wie ein Majorantee diese Beschwerden beim Menschen beeinflusst, ist jedoch nicht ausreichend geklärt. Im Labor werden unter anderem die Hemmung von Bakterien durch das ätherische Öl und antioxidative Eigenschaften von Pflanzenstoffen untersucht. Solche Ergebnisse erklären mögliche Ansatzpunkte für weitere Forschung, belegen aber keine Behandlung mit Tee oder Gewürz.
Die EMA-Monografie von 2016 beschreibt zwei traditionelle Anwendungen von Majorankraut: Arzneitee bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden und eine Salbe bei gereizter Haut um die Nasenöffnungen. Die behördliche Anerkennung beruht auf langjährigem Gebrauch, nicht auf überzeugenden klinischen Studien. Bei der erneuten Prüfung 2023 sah die EMA keinen Anlass, die Monografie zu ändern.
Eine bessere Verdauung durch Majorantee ist bisher nicht durch ausreichende klinische Studien belegt. Untersuchungen anderer Anwendungen oder konzentrierter Zubereitungen beantworten diese Frage nicht. In einer Laborstudie von Moumni und Kollegen (2020) hemmte ätherisches Majoranöl das Wachstum untersuchter Bakterien. Das war ein Versuch an Bakterienkulturen, keine Behandlung von Menschen. Für den Arzneitee bleibt die traditionelle Anwendung daher die Grundlage.
Wirksamkeit
| Ziel | Klasse | Note | Wirkung | Studien | Quellen |
|---|---|---|---|---|---|
| Leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden (EMA-Monografie für die traditionelle Anwendung)Die EMA beschreibt Majorantee zur traditionellen Linderung leichter krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen. Diese Einordnung beruht auf langjähriger Verwendung. Ausreichende klinische Studien, die einen Nutzen bei diesen Beschwerden belegen, fehlen. Die Dosierung bezieht sich auf getrocknetes, zerkleinertes Majorankraut für Erwachsene.Erwachsene mit leichten Verdauungsbeschwerden | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | [1][2] | |
| Linderung von Blähungen und leichten Krämpfen (traditionell)Traditionell wird Majoran gegen Blähungen und leichte Krämpfe verwendet. Auch die EMA-Monografie beschreibt diese Verdauungsanwendung. Ein zusätzlicher klinischer Wirksamkeitsnachweis ergibt sich daraus nicht. Laborbefunde zu Inhaltsstoffen können eine Wirkung von Majorantee beim Menschen nicht bestätigen.Traditionelle Anwendung von Majorantee bei Erwachsenen | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | [1][2] | |
| Kulinarische und aromatische Anwendung (klassisches österreichisches Wurstkraut)Majoran wird in der mitteleuropäischen Küche als Gewürz verwendet, etwa für Würste, Selchfleisch, Erdäpfelgulasch, Krautrouladen und Bohnensuppen. Diese kulinarische Verwendung ist von einer Arzneianwendung zu unterscheiden. Sie belegt für sich genommen keinen medizinischen Nutzen.Allgemeine Bevölkerung, die den Majoran als Küchenkraut verwendet | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | ||
| Hemmung von Bakterien durch ätherisches Majoranöl (Labor)Moumni und Kollegen (2020) untersuchten ätherisches Majoranöl an Bakterienkulturen. Das Öl hemmte unter den Versuchsbedingungen das Wachstum getesteter Bakterien. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Majoran Infektionen beim Menschen behandelt oder dass Tee und Gewürzmengen ähnlich wirken.Bakterienkulturen im Labor | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Hinweis im Labor | [3] |
Anwendung
Formen und Zubereitung
Majoran lässt sich frisch und getrocknet verwenden. Zerreibe getrocknete Blätter kurz vor der Zugabe zwischen den Fingern, damit sich ihr Aroma entfaltet. Sie passen etwa zu Würsten, Selchfleisch, Erdäpfelgulasch und Bohnensuppen. Gib Majoran eher gegen Ende der Garzeit dazu, wenn du seinen Duft erhalten möchtest. Frische Triebspitzen kannst du über das fertige Gericht streuen. Für einen Arzneitee übergießt du 2 bis 4 g getrocknetes, zerkleinertes Majorankraut mit 150 ml kochendem Wasser. Lass den Tee zugedeckt etwa 5 bis 10 Minuten ziehen und seihe ihn ab; beachte auch die Packungsangaben. Die EMA beschreibt die Einnahme vor dem Essen. Bewahre getrockneten Majoran gut verschlossen sowie vor Wärme und Licht geschützt auf.
Dosierung
Als Küchengewürz wird Majoran nach Geschmack verwendet; daraus lässt sich keine Arzneidosis ableiten. Für Erwachsene nennt die EMA bei leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden 1 bis 2 Tassen Arzneitee täglich vor dem Essen: je 2 bis 4 g Kraut in 150 ml Wasser, insgesamt 2 bis 8 g pro Tag. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird diese Arzneianwendung mangels Daten nicht empfohlen. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an oder werden sie stärker, lass sie ärztlich abklären. Für Kombinationspräparate gelten deren eigene Packungsangaben. Die EMA beschreibt außerdem eine Salbe mit Majoranextrakt in weißer Vaseline für gereizte Haut um die Nasenöffnungen. Für Erwachsene und Kinder ab einem Jahr wird eine kleine Menge 2- bis 4-mal täglich äußerlich aufgetragen. Halte dich an die Packungsbeilage und bring die Salbe nicht tief in die Nase. Bei Anzeichen einer Hautinfektion, Verschlechterung oder Beschwerden über mehr als eine Woche ist ärztlicher Rat nötig. Die Salbe ist nicht mit ätherischem Majoranöl in einem selbst gemischten Trägeröl gleichzusetzen; aus der Monografie lässt sich dafür keine allgemeine Tropfendosis ableiten.
Sicherheit
Verwechslungen
Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen
Oregano (Origanum vulgare)
Oregano (Origanum vulgare) ist eine eng verwandte, aber eigenständige Art. Er schmeckt meist kräftiger, pfeffriger und etwas bitterer als der mildere, süßere Majoran. Auch die Blütenstände unterscheiden sich: Bei Majoran sind sie dichter und knotenartig. In der Küche setzen beide unterschiedliche Akzente, etwa Oregano in Tomatensaucen und Majoran in Würsten oder Erdäpfelgulasch. Die EMA-Monografie zu Majorankraut gilt nur für Origanum majorana und die darin beschriebenen Zubereitungen. Sie lässt sich nicht auf Oregano oder beliebige ätherische Öle übertragen.
Zum Eintrag: OreganoMexikanischer Oregano (Lippia origanoides)
Mexikanischer Oregano (Lippia origanoides, Synonym Lippia graveolens) gehört zu den Eisenkrautgewächsen (Verbenaceae), also zu einer anderen Pflanzenfamilie. Er wird in der mexikanischen und mittelamerikanischen Küche verwendet und kann im Handel einfach als „Oregano“ bezeichnet sein. Der Name allein verrät deshalb nicht, welche Pflanze enthalten ist. Sein Gebrauch als Gewürz macht ihn nicht zu einem Ersatz für arzneiliches Majorankraut.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Majoran und Oregano?
Majoran (Origanum majorana) und Oregano (Origanum vulgare) sind eng verwandt, aber zwei eigene Arten. Majoran schmeckt meist milder, süßer und etwas blumiger, Oregano kräftiger und pfeffriger. Majoran passt besonders zu Würsten, Braten, Erdäpfelgulasch und Bohnensuppen; Oregano ist etwa aus Tomatensaucen und von Pizza bekannt. Beim Austauschen verändert sich also der Geschmack. Auch arzneilich sind sie nicht gleichzusetzen: Die EMA-Monografie zu Majorankraut gilt nur für die genannte Art und die beschriebenen Zubereitungen.
Warum passt Majoran zu Würsten und Erdäpfelgulasch?
Das mild-würzige, leicht süße Aroma passt gut zu Würsten, Selchfleisch, Erdäpfeln und Hülsenfrüchten. Daher ist Majoran in der österreichischen Küche auch als Wurstkraut bekannt. Getrocknete Blätter kannst du kurz vor der Zugabe zwischen den Fingern zerreiben, damit sie stärker duften. Gib sie eher gegen Ende der Garzeit dazu, um das Aroma zu erhalten.
Was sollten Schwangere vor der Anwendung von Majoran wissen?
Kleine Mengen zum Würzen sind von einer Arzneianwendung zu unterscheiden. Für Majoran als Arzneitee oder in der beschriebenen Salbenzubereitung ist die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit nicht ausreichend untersucht. Die EMA empfiehlt diese Arzneianwendungen deshalb nicht. Auch eine gelegentliche Tasse Arzneitee lässt sich daraus nicht als unbedenklich ableiten. Konzentrierte ätherische Öle und Extrakte sind kein Ersatz für Küchenmengen; kläre ihre Verwendung mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.
Ist Majoran als Kraut mittelalterlicher Klostergärten belegt?
Die häufig erzählte Geschichte ist mit den hier genannten Quellen nicht gesichert. Walahfrid Strabos Hortulus und die Pflanzenliste des Capitulare de villis nennen keinen eindeutig zuordenbaren Majoran. Eine lückenlose Verbreitung von dort bis in österreichische Bauerngärten lässt sich deshalb nicht behaupten. In späteren Kräuterbüchern ist süßer Majoran deutlicher erkennbar, etwa bei Culpeper. Seine heutige Rolle als Küchengewürz steht unabhängig von der offenen Frage nach dem genauen mittelalterlichen Weg.
3 Belege.
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Origanum majorana L., herba. 2016. Quelle
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Assessment report on Origanum majorana L., herba. 2016. Quelle
- Moumni S, Elaissi A, Trabelsi A, Merghni A, Chraief I, Jelassi B, Chemli R, Ferchichi S. Correlation between chemical composition and antibacterial activity of some Lamiaceae species essential oils from Tunisia. 2020. doi:10.1186/s12906-020-02888-6
Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.