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Liebstöckel

Levisticum officinale
Quellen
2 ausgewiesen
WofürFür alle, die Suppen und Eintöpfe mit dem würzigen Maggikraut abschmecken möchten. Küchenblätter und medizinisch verwendete Wurzel sind dabei zu unterscheiden.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
82Hohe historische Bedeutung
SicherheitMit VorsichtVorsicht betrifft vor allem die arzneiliche Wurzel. Sie darf bei einer entsprechenden Allergie nicht verwendet werden und wird in Schwangerschaft, Stillzeit sowie unter 18 Jahren nicht empfohlen. Bei vorgeschriebener Flüssigkeitsbeschränkung ist eine Durchspülung ungeeignet. Blätter als Küchengewürz sind von Arzneitee und konzentrierten Zubereitungen zu unterscheiden.
Tradition
Übliche Zubereitungen
Frische Blätter SuppenkrautGetrocknete Blätter GewürzWurzel TeeTinkturMischtee mit Anderen Aquaretika

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Liebstöckel ist vor allem als würziges Suppenkraut bekannt. Er wird in Europa seit langem angebaut und erscheint auch in mittelalterlichen Gartenquellen. Seine Blätter geben Suppen und Eintöpfen ein kräftiges Aroma. Weil schon wenig davon ausreicht, lässt er sich gut nach Geschmack dosieren.

Die arzneiliche Anwendung betrifft die Wurzel, nicht die Küchenblätter. Die EMA führt Wurzeltee zur begleitenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden. Gemeint ist, mehr Harn auszuscheiden. Dafür ist ausreichendes Trinken wichtig. Wie viel für dich geeignet ist, hängt auch von deinem Gesundheitszustand ab.

Die klinischen Belege für Liebstöckelwurzel allein sind begrenzt. Ergebnisse aus Laborversuchen oder mit Kräutermischungen beweisen keine Wirkung des einzelnen Wurzeltees. Bei Erkrankungen, die eine begrenzte Trinkmenge erfordern, ist eine Durchspülung ungeeignet. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie unter 18 Jahren empfiehlt die EMA die medizinische Anwendung nicht.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
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In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Der Liebstöckel (Levisticum officinale) ist eine hohe, mehrjährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler. Seine kräftig würzigen Blätter passen zu Rindsuppe, Eintöpfen und anderen herzhaften Gerichten. In Österreich gehört er zu den bekannten Kräutern des Bauerngartens. Der Beiname Maggikraut spielt auf die Ähnlichkeit mit der Flüssigwürze an. Die Marke Maggi ist jedoch nach ihrem Gründer Julius Maggi benannt, nicht nach der Pflanze.

Medizinisch verwendet wird die getrocknete Wurzel. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) beschreibt Wurzeltee als traditionelles Mittel, das bei leichten Harnwegsbeschwerden begleitend die Harnmenge erhöhen soll. Diese Einstufung beruht auf langjähriger Anwendung und ist kein Nachweis einer zuverlässig wirksamen Behandlung. Sie gilt nicht für die Blätter als Küchengewürz.

02
Geschichte

Geschichte

Liebstöckel hat eine lange europäische Gartengeschichte. Das Capitulare de villis, eine karolingische Landgüterordnung um 800, nennt levisticum in seiner Pflanzenliste. Im Gartengedicht Hortulus aus dem neunten Jahrhundert beschreibt Walahfrid Strabo die Pflanze unter dem Namen lybisticum. Diese Texte belegen historische Gartenüberlieferung; sie zeigen nicht genau, wann oder auf welchem Weg Liebstöckel erstmals nach Österreich kam.

Im österreichischen Bauerngarten wird Liebstöckel als kräftiges Suppenkraut geschätzt. Daneben beschreiben Kräuterbücher eine medizinische Verwendung, etwa für die Verdauung und zur Förderung des Harns. Solche historischen Anwendungen sind von der heutigen EMA-Einstufung der Wurzel zu unterscheiden. Diese betrifft die traditionelle begleitende Anwendung bei leichten Harnwegsbeschwerden.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Das ätherische Öl der Liebstöckelwurzel enthält duftende Stoffe, darunter Ligustilid. Für einzelne Inhaltsstoffe wurden im Labor krampflösende Eigenschaften beschrieben. Solche Versuche erklären, warum die Pflanze untersucht wird; sie belegen noch keine entsprechende Wirkung des Tees beim Menschen.

Wie stark Liebstöckelwurzel die Harnmenge beim Menschen beeinflusst, ist nicht ausreichend geklärt. Die im EMA-Bericht beschriebenen älteren Tierversuche lieferten unterschiedliche Ergebnisse. Eine gesicherte Steigerung der Nierendurchblutung ohne Verlust von Mineralsalzen lässt sich daraus nicht ableiten. Die Pflanze enthält auch Furocumarine, Stoffe, die unter UV-Licht Hautreaktionen begünstigen können. Ob das praktisch relevant ist, hängt unter anderem von der Zubereitung und dem Kontakt mit der Haut ab.

Die EMA-Monografie behandelt zerkleinerte Liebstöckelwurzel als Tee. Sie führt die begleitende Anwendung bei leichten Harnwegsbeschwerden auf langjährige Tradition zurück. Der Bewertungsbericht von 2012 fand keine kontrollierten klinischen Studien, die eine gut belegte medizinische Anwendung der Wurzel allein tragen würden. Bei der Überprüfung 2021 sah die EMA keinen Anlass, diese Monografie zu ändern.

Labor- und Tierversuche sind von Studien am Menschen zu unterscheiden. Auch Ergebnisse mit einem Arzneimittel aus mehreren Pflanzen lassen sich nicht Liebstöckel allein zuschreiben. Für den Wurzeltee bleibt deshalb die traditionelle Anwendung maßgeblich. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung von Harnwegsbeschwerden und keine notwendige Behandlung.

04
Wirksamkeit

Wirksamkeit

4 Outcomes evaluiert. Sortierung: Note absteigend.
ZielKlasseNoteWirkungStudienQuellen
Erwachsene, die Liebstöckelwurzel als Tee verwenden
Traditionelle Anwendung[1]
Ältere Tierversuche
Uneinheitliche Tierversuche[2]
Allgemeinbevölkerung, die Liebstöckel-Blätter als Küchenkraut verwendet
Traditionelle AnwendungKeine Quellen
Unterschiedliche Zubereitungen und Kontaktarten
Abhängig von der Anwendung[2]
05
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

In der Küche verwendest du die frischen, fein gehackten Blätter für Suppe, Eintopf oder Rindsuppe. Beginne mit wenig, denn Liebstöckel würzt kräftig. Du kannst ihn mitkochen oder gegen Ende der Garzeit dazugeben. Auch getrocknete Blätter dienen als Gewürz. Für Arzneitee wird dagegen die getrocknete Wurzel verwendet. Bereite sie nach der Dosierung und Anleitung des jeweiligen Teepräparats zu und seihe den Aufguss vor dem Trinken ab. Liebstöckelwurzel kann Bestandteil von Blasen- und Nierentees sein, etwa zusammen mit anderen traditionell verwendeten Harnwegskräutern. Die EMA bewertet bestimmte Teemischungen gesondert. Ihre Zusammensetzung und Anleitung sind wichtig; aus den Monografien einzelner Pflanzen ergibt sich kein beliebiges Mischrezept. Auch bei einer Mischung musst du die Warnhinweise aller Bestandteile beachten.

Dosierung

Für Erwachsene nennt die EMA folgenden Wurzeltee: 2 bis 3 g zerkleinerte, getrocknete Liebstöckelwurzel mit 150 ml kochendem Wasser aufgießen, zweimal täglich. Das entspricht 4 bis 6 g Wurzel pro Tag. Die Monografie begrenzt die Anwendung auf höchstens zwei bis vier Wochen. Halten Beschwerden an oder werden sie stärker, lass sie schon während der Anwendung abklären und warte nicht bis zum Ende dieser Zeit. Für Küchenblätter gilt diese Arzneidosierung nicht. Trinke während einer Durchspülungsbehandlung ausreichend. Die passende Trinkmenge hängt auch von deinem Gesundheitszustand ab. Wenn du wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung weniger trinken sollst, ist eine solche Behandlung ungeeignet. Bei anderen Nierenerkrankungen kläre die Anwendung vorher ärztlich ab. Tinkturen, Extrakte und Mischpräparate sind nicht mit dem beschriebenen Wurzeltee gleichzusetzen; für sie gelten die jeweiligen Gebrauchsinformationen.

06
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Verwende Liebstöckelwurzel nicht bei einer Allergie gegen Liebstöckel, andere Doldenblütler wie Sellerie oder den Aromastoff Anethol. Bei einer verordneten Trinkmengenbegrenzung, etwa wegen einer schweren Herz- oder Nierenerkrankung, kommt eine Durchspülung nicht infrage. Lass die Anwendung bei Nierenerkrankungen vorher ärztlich prüfen. Die Trinkmenge sollte zu deinem Gesundheitszustand passen. In Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt die EMA die medizinische Anwendung nicht, weil ausreichende Sicherheitsdaten fehlen. Auch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird sie nicht empfohlen. Bei Fieber, Schmerzen oder Brennen beim Harnlassen, Krämpfen oder Blut im Harn sowie bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden brauchst du ärztlichen Rat. Hautreaktionen nach Kontakt mit Liebstöckel oder seinem Öl sind von der Einnahme des Wurzeltees zu unterscheiden; bei einer Reaktion brich die Anwendung ab und lass sie abklären.
07
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Apiaceae
Heimische Regionen
Eastern Mediterranean (native), Western Balkans (native), Central Europe (cultivated since the Middle Ages), Austria (Bauerngarten and Apothekergarten classic)
Erntezeit
Leaves June to September; root in autumn of the second or third year
Lebensraum
Als ursprüngliches Verbreitungsgebiet nennt Kew den südlichen Iran bis Afghanistan. In Europa wird Liebstöckel seit langem kultiviert und kann verwildern. In Österreich kennt man ihn vor allem aus Bauern- und Kräutergärten. Er wächst gut an sonnigen bis halbschattigen Plätzen mit tiefgründigem, feuchtem, aber durchlässigem Boden. Die mehrjährige Pflanze kann viele Jahre am selben Standort bleiben.
Erkennen & Sammeln
Liebstöckel ist eine kräftige, mehrjährige Pflanze, die zur Blütezeit etwa ein bis zwei Meter hoch wird, gelegentlich auch höher. Er hat hohle, aufrechte Stängel und große, mehrfach geteilte, glänzend dunkelgrüne Blätter. Im Sommer erscheinen grünlich-gelbe Blüten in Doppeldolden: Mehrere kleine Blütenschirme sitzen gemeinsam an einer größeren Dolde. Das würzige Aroma ist typisch, reicht aber allein nicht zur sicheren Bestimmung. Die Küchenblätter und die arzneiliche Wurzel haben unterschiedliche Verwendungen.

Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen

Lebensgefahr

Gefleckter Schierling (Conium maculatum)

Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) ist hochgiftig und gehört ebenfalls zu den Doldenblütlern. Seine Blätter sind feiner geteilt, die Blüten weiß, und am Stängel können rötlich-violette Flecken auffallen. Geruch oder einzelne Flecken sind kein ausreichender Bestimmungstest. Verreibe oder koste keine unbekannten Pflanzen zur Probe. Sammle Doldenblütler nur, wenn du die Art sicher bestimmen kannst; für die Küche ist eindeutig gekennzeichneter Liebstöckel aus der Gärtnerei die einfachere Wahl.

Lebensgefahr

Wasserschierling (Cicuta virosa)

Der Wasserschierling (Cicuta virosa) ist hochgiftig. Er wächst an nassen Standorten, etwa an Ufern und in sumpfigen Bereichen. Verwechslungen seiner Wurzeln mit essbaren Pflanzen haben zu tödlichen Vergiftungen geführt. Der Standort allein bietet keine sichere Abgrenzung zu anderen Doldenblütlern. Verwende für die Küche sicher bestimmten, kultivierten Liebstöckel und für Arzneitee gekennzeichnete Liebstöckelwurzel in Arzneimittelqualität.

08
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Warum ist der Liebstöckel das österreichische Suppenkraut?

Liebstöckel gibt Suppen und Eintöpfen ein kräftiges, an Sellerie erinnerndes Aroma. Deshalb wird er in österreichischen Gärten gern als Suppenkraut gezogen. Schon wenig reicht zum Würzen. Sein Beiname Maggikraut entstand wegen der Ähnlichkeit zu Maggi-Würze. Die Marke trägt den Namen ihres Gründers Julius Maggi, nicht den der Pflanze.

Darf ich Liebstöckel in der Schwangerschaft anwenden?

Als Gewürz in üblichen Küchenmengen sind die Blätter von einer medizinischen Anwendung zu unterscheiden. Liebstöckelwurzeltee und andere Arzneizubereitungen werden in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, weil die Sicherheit nicht ausreichend untersucht ist. Lass Harnwegsbeschwerden in der Schwangerschaft ärztlich abklären, statt sie selbst mit Liebstöckel zu behandeln.

Kann der Liebstöckel mit Goldrute in einer Blasen- und Nierentee-Mischung kombiniert werden?

Ja, Liebstöckelwurzel kann in traditionellen Blasen- und Nierentees mit anderen Pflanzen kombiniert werden. Die EMA beschreibt bestimmte Mischungen, unter anderem mit Goldrute. Das bedeutet nicht, dass gleiche Teile von beliebigen Kräutern eine geprüfte Mischung ergeben. Verwende ein geeignetes Teepräparat nach seiner Anleitung oder lass dich in der Apotheke beraten. Zusammensetzung, Altersgrenze, Anwendungsdauer und Warnhinweise können von denen des reinen Wurzeltees abweichen.

Soll ich die Sonne meiden, wenn ich Liebstöckel anwende?

Liebstöckel enthält Stoffe, die zusammen mit UV-Licht Hautreaktionen begünstigen können. Entscheidend ist aber die Art der Anwendung. Die EMA fand keine klinischen Daten oder Meldesignale, die diese Bedenken für die empfohlene Einnahme von Wurzeltee bestätigen. Das ist keine Entwarnung für konzentriertes Öl auf der Haut oder ausgiebigen Hautkontakt mit Pflanzenmaterial. Beachte bei Arzneipräparaten die jeweilige Gebrauchsinformation.

09
Quellen

2 Belege.

  1. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products. Community herbal monograph on Levisticum officinale Koch, radix. 2012. Quelle
  2. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products. Assessment report on Levisticum officinale Koch, radix. 2012. Quelle

Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.