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Lavendel

Lavandula angustifolia
Quellen
7 ausgewiesen
WofürFür Erwachsene, die Lavendel als traditionelles Kraut in ihre Abendroutine einbauen möchten, etwa als Blütentee oder Duftsäckchen.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
56Etablierte historische Bedeutung
SicherheitMeist gut verträglichLavendelzubereitungen werden häufig gut vertragen, können aber Reizungen oder allergische Reaktionen auslösen. Tee, Hautöl und Arzneimittelkapseln haben unterschiedliche Anwendungshinweise. Die allgemeine Bewertung gilt nicht für das Einnehmen von Duftöl oder für beliebige selbst gemischte Zubereitungen.
Tradition
Übliche Zubereitungen
TeeTinkturessential oil (topical, diluted)capsule (Lasea, non-prescription medicine)pillow filling / sachetBad

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Lavendelblüten und Lavendelöl werden traditionell bei leichter seelischer Belastung, Erschöpfung und zur Unterstützung des Schlafs verwendet. Die EMA beschreibt dafür bestimmte Zubereitungen in zwei getrennten Monografien. Diese Anerkennung beruht auf langjähriger Anwendung und ist kein Nachweis aus großen klinischen Studien.

Die hier beschriebenen klinischen Studien untersuchten Silexan, ein bestimmtes Lavendelöl in Kapseln. Teilgenommen haben Menschen mit generalisierter Angststörung, die unter anderem mit anhaltenden, schwer kontrollierbaren Sorgen verbunden ist. Die Studienergebnisse gelten für dieses eingenommene Präparat und lassen sich nicht auf Tee, Duftkissen, Bäder oder Hautöl übertragen.

Für die Anwendung kommt es auf die Zubereitung an: Tee, Duftprodukte und Arzneimittelkapseln haben unterschiedliche Dosierungen und Sicherheitsregeln. Nimm kein Duftöl als Hausmittel ein. Bei anhaltender Unruhe oder Schlafproblemen solltest du ärztlich abklären lassen, was dahintersteckt.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
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In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) ist ein kleiner Strauch mit violetten Blüten und einem kräftigen Duft. Er stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum und wächst auch bei uns in vielen Gärten. Seine getrockneten Blüten werden als Tee oder in Duftsäckchen verwendet. Aus den blühenden Triebspitzen wird außerdem ätherisches Öl gewonnen.

Lavendel wird traditionell bei leichter seelischer Belastung und zur Unterstützung des Schlafs verwendet. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt diese Anwendungen für bestimmte Blüten- und Ölzubereitungen aufgrund ihrer langen Verwendung an. Die hier beschriebenen Studien am Menschen betreffen ein bestimmtes Lavendelöl zum Einnehmen. Ihre Ergebnisse gelten nicht automatisch für Tee, Duftkissen oder ein Bad.

02
Geschichte

Geschichte

Lavendelarten tauchen schon in antiken Pflanzenbüchern auf. Die Beschreibungen von Dioskurides und Plinius werden dem Schopflavendel (Lavandula stoechas) zugeordnet, einer verwandten Art des Echten Lavendels. Auch mittelalterliche und frühneuzeitliche Texte lassen sich nicht immer eindeutig einer heutigen Art zuordnen. Eine lückenlose Geschichte des Echten Lavendels als Schlafmittel lässt sich daraus nicht ableiten.

Heute gehören Lavendeltee, Duftsäckchen und Lavendelbäder zur europäischen Hausmitteltradition. Moderne Monografien beschreiben bestimmte Zubereitungen genauer. Davon zu unterscheiden ist Silexan, ein speziell hergestelltes Lavendelöl zum Einnehmen. Es ist als Arzneimittel unter dem Namen Lasea in Österreich und Deutschland rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. In Österreich ist es für Erwachsene mit vorübergehender ängstlicher Verstimmung zugelassen.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Zu den wichtigsten Duftstoffen im ätherischen Lavendelöl gehören Linalool und Linalylacetat. In Zell- und Tierversuchen beeinflusste das untersuchte Lavendelöl Kalziumkanäle. Das sind kleine Durchgänge in der Zellhülle, die an der Weitergabe von Nervensignalen beteiligt sind. Diese Befunde liefern eine mögliche Erklärung für die Wirkung, beweisen aber keinen Nutzen von Lavendeltee oder Duftkissen.

Beim Riechen von Lavendel werden Signale über den Geruchssinn verarbeitet. Bei einer eingenommenen Ölkapsel gelangen Inhaltsstoffe über den Verdauungstrakt in den Körper. Diese Anwendungen unterscheiden sich deshalb deutlich. Wie viel einzelne Inhaltsstoffe zu einer spürbaren Wirkung auf Stress oder Schlaf beitragen, ist noch nicht vollständig geklärt.

Kasper und Kollegen untersuchten 2014 bei 539 Erwachsenen mit generalisierter Angststörung ein bestimmtes Lavendelöl zum Einnehmen (Silexan). Über zehn Wochen wurden täglich 80 oder 160 Milligramm mit einem Scheinpräparat und mit dem Arzneimittel Paroxetin verglichen. In beiden Lavendelölgruppen gingen die gemessenen Angstsymptome stärker zurück als mit dem Scheinpräparat. Woelk und Schläfke berichteten 2010 nach sechs Wochen über ähnlich starke Verbesserungen mit Silexan und Lorazepam. Diese Studie hatte jedoch keine Gruppe mit einem Scheinpräparat.

Die Ergebnisse sprechen für eine Wirkung dieses speziellen Lavendelöls auf Angstsymptome. Sie belegen nicht, dass Lavendelprodukte allgemein Angststörungen behandeln oder andere Therapien ersetzen können. Studien bei generalisierter Angststörung sind außerdem von der zugelassenen Anwendung zu unterscheiden: In Österreich ist Lasea für vorübergehende ängstliche Verstimmung bei Erwachsenen vorgesehen. Aus den genannten Kapselstudien lässt sich keine Wirksamkeit von Tee, Duftkissen oder Hautöl ableiten.

04
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

Für einen Tee übergießt du ein bis zwei Gramm getrocknete Lavendelblüten mit 150 Millilitern kochendem Wasser. Lass den Aufguss zugedeckt ziehen und seihe ihn anschließend ab; beachte die Ziehzeit auf der Packung. Für die Haut verwendest du eine dafür vorgesehene Lavendelzubereitung nach Herstellerangabe. Eine selbst gemischte Verdünnung ist nicht allein aufgrund ihres Prozentanteils sicher. Getrocknete Blüten eignen sich auch für Duftsäckchen. Für ein Lavendelbad hältst du dich an die Angaben eines geeigneten Badezusatzes. Gib unverdünntes Duftöl nicht auf Haut oder Schleimhäute und schlucke es nicht. Lavendelöl zum Einnehmen ist nur in dafür vorgesehenen Arzneimitteln anzuwenden; eine solche Zubereitung ist Silexan in Lasea-Kapseln.

Dosierung

Die EMA nennt für Lavendelblütentee ein bis zwei Gramm Blüten in 150 Millilitern Wasser, dreimal täglich, für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren. Diese traditionelle Arzneimitteldosierung gilt nicht für ätherisches Öl. Für Haut- und Duftprodukte gibt es keine einheitliche, durch die genannten Kapselstudien belegte Dosierung. Halte dich an die jeweilige Produktanleitung. Für Lasea gilt in Österreich: Erwachsene nehmen einmal täglich eine Kapsel mit 80 Milligramm Lavendelöl. Die Anwendung ist auf höchstens drei Monate begrenzt. Wenn sich die Beschwerden nach einem Monat nicht bessern oder wenn sie stärker werden, ist ärztlicher Rat nötig. Die höhere Dosis aus der Studie von 2014 ist keine Empfehlung zur Selbstbehandlung.

05
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Verwende Lavendel nicht bei einer bekannten Allergie gegen die Zubereitung. Duftöl gehört nicht in den Mund oder auf Schleimhäute; unverdünnt kann es die Haut reizen. Die EMA empfiehlt arzneiliche Blüten- und Ölzubereitungen erst ab zwölf Jahren und mangels ausreichender Daten nicht in Schwangerschaft oder Stillzeit. Lasea ist erst ab 18 Jahren vorgesehen. Wenn dich eine Zubereitung müde macht, fahre nicht Auto. Bei offenen Wunden, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber, schweren Infektionen sowie schweren Kreislaufproblemen oder Herzschwäche sind Vollbäder ungeeignet. Bei Lasea ist Aufstoßen eine häufige Nebenwirkung; auch Magen-Darm-Beschwerden und allergische Reaktionen sind möglich. Bei eingeschränkter Leberfunktion darf es nicht eingenommen werden, bei schwerer Nierenfunktionsstörung wird es nicht empfohlen. In der Schwangerschaft wird von der Anwendung abgeraten, in der Stillzeit darf es nicht eingenommen werden. Kombiniere es vorsichtshalber nicht mit Alkohol oder anderen angstlösenden beziehungsweise beruhigenden Mitteln. Einzelne Fallberichte bei Kindern und Zellversuche werfen Fragen zu möglichen hormonellen Wirkungen von Lavendel-Duftprodukten auf. Ob diese Produkte die beobachteten Veränderungen verursacht haben, ist nicht geklärt.
06
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Lamiaceae
Heimische Regionen
Mediterranean basin, Provence, Italy, Iberian peninsula, cultivated worldwide
Erntezeit
June to August at full flowering
Lebensraum
Echter Lavendel wächst an sonnigen, trockenen Standorten mit gut durchlässigem, oft kalkhaltigem Boden. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht vom Nordosten Spaniens über Südfrankreich bis nach Italien. Er wird auch außerhalb dieser Region angebaut und ist in vielen Ländern, darunter Österreich, als Gartenpflanze verbreitet.
Erkennen & Sammeln
Echter Lavendel ist ein kleiner Strauch mit verholzter Basis, meist 30 bis 60 Zentimeter hoch. Seine schmalen, graugrünen Blätter sitzen paarweise gegenüber an den Stängeln. Im Sommer trägt er kleine violettblaue Blüten in länglichen Blütenständen. Blätter und Blüten duften stark, besonders wenn man sie vorsichtig zwischen den Fingern verreibt.

Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen

Unangenehm

Lavandin (Lavandula x intermedia)

Lavandin (Lavandula × intermedia) ist eine Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speik-Lavendel (L. latifolia). Er wächst meist größer und liefert mehr Öl, dessen Zusammensetzung sich von Echtem Lavendel unterscheidet. Lavandin wird ebenfalls als Duftpflanze verwendet. Die EMA-Monografien und die hier beschriebenen Silexan-Studien beziehen sich jedoch auf Lavandula angustifolia.

07
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lavandula angustifolia und Lavandin?

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) ist die Art, auf die sich die EMA-Monografien und die hier beschriebenen Silexan-Studien beziehen. Lavandin (Lavandula × intermedia) ist eine Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speik-Lavendel. Er liefert meist mehr Öl mit einer anderen Zusammensetzung und wird ebenfalls als Duftstoff verwendet. Deshalb sind die Öle für eine arzneiliche Anwendung nicht ohne Weiteres austauschbar.

Was ist Silexan?

Silexan ist ein speziell hergestelltes Lavendelöl zum Einnehmen. Es steckt in Lasea-Kapseln, einem rezeptfreien Arzneimittel aus der Apotheke. In Österreich ist Lasea für vorübergehende ängstliche Verstimmung bei Erwachsenen zugelassen. Studien untersuchten Silexan unter anderem bei generalisierter Angststörung, teils auch in höherer Dosierung als zugelassen. Das ist von der Anwendung laut Packungsbeilage zu unterscheiden. Ein selbst zubereitetes Öl oder ein Duftöl ist kein Ersatz dafür.

Kann man ätherisches Lavendelöl einnehmen?

Nur als Arzneimittel, das ausdrücklich zum Einnehmen vorgesehen ist, und nach dessen Packungsbeilage. Schlucke kein Lavendel-Duftöl und mische dir keine eigene Kapsel. Bei Lasea enthält eine Kapsel 80 Milligramm Lavendelöl; die österreichische Packungsbeilage sieht eine Kapsel täglich für Erwachsene vor. Lass dich in der Apotheke beraten, welches Präparat für dich infrage kommt.

Welche Tageszeit eignet sich am besten für Lavendel?

Wenn du Lavendel als Tee oder Duft in deine Abendroutine einbauen möchtest, kannst du das nach persönlicher Vorliebe tun. Eine wissenschaftlich gesicherte beste Uhrzeit gibt es für diese Anwendungen nicht. Für Arzneimittelkapseln gilt die Packungsbeilage: Lasea wird einmal täglich möglichst zur gleichen Zeit eingenommen, nicht nur bei Bedarf vor dem Schlafengehen.

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Quellen

7 Belege.

  1. Siegfried Kasper; Markus Gastpar; Walter E Müller; Hans-Peter Volz; Hans-Jürgen Möller; Sandra Schläfke; Angelika Dienel. Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder--a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine. 2014. doi:10.1017/S1461145714000017
  2. H Woelk; S Schläfke. A multi-center, double-blind, randomised study of the Lavender oil preparation Silexan in comparison to Lorazepam for generalized anxiety disorder. 2010. doi:10.1016/j.phymed.2009.10.006
  3. Anita M Schuwald; Michael Nöldner; Thomas Wilmes; Norbert Klugbauer; Kristina Leuner; Walter E Müller. Lavender Oil-Potent Anxiolytic Properties via Modulating Voltage Dependent Calcium Channels. 2013. doi:10.1371/journal.pone.0059998
  4. J Tyler Ramsey; Yin Li; Yukitomo Arao; Ajanta Naidu; Laurel A Coons; Alejandro Diaz; Kenneth S Korach. Lavender Products Associated With Premature Thelarche and Prepubertal Gynecomastia: Case Reports and Endocrine-Disrupting Chemical Activities. 2019. doi:10.1210/jc.2018-01880
  5. European Medicines Agency, HMPC. Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, flos (EMA/HMPC/734125/2010). 2012. Quelle
  6. European Medicines Agency, HMPC. Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, aetheroleum (EMA/HMPC/143181/2010). 2012. Quelle
  7. Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG. Lasea 80 mg Weichkapseln: Gebrauchsinformation, Österreich (Z.Nr. 138956). 2024. Quelle

Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.