Hopfen
In Kürze
Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen
Hopfen ist vor allem als Braupflanze bekannt. Hildegard von Bingen beschrieb im Mittelalter, dass seine Bitterkeit Getränke länger haltbar macht. Die bayerische Landesordnung von 1516 erlaubte Gerste, Hopfen und Wasser fürs Bier. Als Heilpflanze werden die weiblichen Hopfenzapfen traditionell bei Unruhe und Schlafproblemen verwendet. Das Hopfenkissen und die nordamerikanische Kräutermedizin des neunzehnten Jahrhunderts gehören zu dieser jüngeren Überlieferung.
Die klinischen Studien betreffen vor allem Hopfen zusammen mit Baldrian. Einzelne Untersuchungen fanden eine kürzere Einschlafzeit, andere nur geringe oder uneinheitliche Unterschiede gegenüber einem Scheinpräparat (Placebo). Franco und Kollegen untersuchten 2012 dagegen alkoholfreies Bier bei 17 Pflegekräften, ohne Placebovergleich. Diese Studie belegt keine Wirkung einer Baldrian-Hopfen-Kombination. Für Hopfen allein fehlen ausreichend zuverlässige Studien zur Behandlung von Schlafstörungen.
Die EMA unterscheidet Hopfen allein von bestimmten Baldrian-Hopfen-Präparaten. Für Hopfen allein beruht die Anwendung bei leichtem Stress und als Schlafhilfe auf langer Tradition. Für genau beschriebene Kombinationsextrakte erkennt die EMA eine medizinisch gut belegte Anwendung bei Schlafstörungen an. Das gilt nicht automatisch für jeden Tee oder jedes Mischpräparat. Halten Beschwerden unter Hopfen allein länger als zwei Wochen an, ist ärztlicher Rat nötig. Bei hormonsensitiven Erkrankungen sollten konzentrierte Präparate vorher ärztlich abgeklärt werden.
Klinische Evidenz ↔ Historische BedeutungWir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.Mehr lesen
In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.
Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.
Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.
Überblick
Hopfen (Humulus lupulus) ist eine mehrjährige Kletterpflanze aus der Familie der Hanfgewächse. Er ist unter anderem in Mitteleuropa heimisch und wird heute weltweit fürs Bierbrauen angebaut. Seine weiblichen Blütenstände sehen wie kleine Zapfen aus. Gelbe Drüsen darin enthalten viele der Bitter- und Aromastoffe. Für Arzneizubereitungen werden die getrockneten Hopfenzapfen verwendet.
Hopfen wird traditionell bei leichter Unruhe und als Schlafhilfe verwendet. Darauf stützt sich auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in ihrer Monografie. Die deutsche Kommission E nennt ähnliche Anwendungsgebiete. Klinische Studien untersuchten vor allem bestimmte Kombinationen mit Baldrian. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht auf Hopfen allein übertragen.
Geschichte
Hopfen hat in der europäischen Braukultur eine lange Geschichte. Hildegard von Bingen beschrieb im zwölften Jahrhundert, dass seine Bitterkeit Getränke länger haltbar macht. Die bayerische Landesordnung von 1516 nannte Gerste, Hopfen und Wasser als erlaubte Bierzutaten. Die spätere Überlieferung als beruhigende Pflanze ist davon zu unterscheiden: Eine lange Brautradition belegt noch keine schlaffördernde Wirkung.
Ein überliefertes Hausmittel ist das Hopfenkissen: ein kleines Kissen mit getrockneten Hopfenzapfen, das neben den Kopf gelegt wird. Schon King’s American Dispensatory von 1898 beschreibt es als verbreitete Schlafhilfe, weist aber auch auf die unzuverlässige Wirkung von Hopfen hin. Die EMA und die deutsche Kommission E führen Hopfen später in ihren Monografien bei Unruhe und Schlafproblemen; die EMA stützt sich bei Hopfen allein ausdrücklich auf die langjährige Anwendung.
Wirkmechanismus
Hopfen enthält mehrere gut beschriebene Stoffgruppen. Zu den Alpha-Bitterstoffen gehört Humulon, zu den Beta-Bitterstoffen Lupulon. Sie sind für die Bitterkeit und Haltbarkeit von Bier wichtig und werden auch im Zusammenhang mit beruhigenden Wirkungen untersucht. Xanthohumol gehört zu den im Labor untersuchten Pflanzenstoffen. 8-Prenylnaringenin zeigte in Zelltests eine ausgeprägte östrogenartige Wirkung. Daraus lässt sich noch nicht ableiten, wie stark ein bestimmtes Hopfenpräparat beim Menschen hormonell wirkt.
Wie Hopfen den Schlaf beeinflussen könnte, ist noch nicht abschließend geklärt. Laborbefunde liefern mögliche Erklärungen, beweisen aber keinen Nutzen beim Menschen. Auch bessere Ergebnisse einzelner Baldrian-Hopfen-Präparate belegen für sich genommen nicht, dass sich beide Pflanzen gegenseitig verstärken. Maroo und Kollegen untersuchten 2013 Baldrian, Passionsblume und Hopfen gemeinsam. Ihre Studie zeigt nicht, welchen Beitrag die einzelne Pflanze leistet.
Franco und Kollegen untersuchten 2012, wie sich 333 Milliliter alkoholfreies Bier zum Abendessen auf den Schlaf von 17 Pflegekräften auswirkten. Nach zwei Wochen war die gemessene Einschlafzeit kürzer als in der vorherigen Kontrollphase ohne Bier. Es gab jedoch kein Placebo; der Beitrag des Hopfens bleibt offen. Maroo und Kollegen verglichen 2013 ein Präparat aus Baldrian, Passionsblume und Hopfen mit dem Schlafmittel Zolpidem. Beide Gruppen berichteten nach zwei Wochen Verbesserungen. Ohne Placebogruppe und ohne Hopfen als Einzelzubereitung lässt sich daraus keine gesicherte Wirkung von Hopfen allein ableiten.
Für bestimmte Baldrian-Hopfen-Extrakte gibt es auch Studien mit Placebovergleich. Koetter und Kollegen fanden 2007 eine kürzere Einschlafzeit unter der Kombination. In einer größeren Untersuchung von Morin und Kollegen aus 2005 waren die Unterschiede dagegen meist klein; die Schlafmessung im Labor zeigte keine wesentlichen Gruppenunterschiede. Insgesamt sind die Ergebnisse begrenzt und hängen von der Zubereitung ab. Die Wirkung einer Kombination darf weder Hopfen allein noch einem Hopfentee oder Hopfenkissen zugeschrieben werden.
Wirksamkeit
| Ziel | Klasse | Note | Wirkung | Studien | Quellen |
|---|---|---|---|---|---|
| Schlafqualität (Kombination aus Hopfen und Baldrian)Bestimmte Kombinationsextrakte aus Baldrian und Hopfen wurden im Vergleich mit einem Scheinpräparat geprüft. Koetter und Kollegen 2007 fanden eine kürzere Einschlafzeit. Morin und Kollegen 2005 fanden überwiegend kleine oder uneinheitliche Unterschiede; die Schlafmessung im Labor zeigte keine wesentlichen Gruppenunterschiede. Daraus folgt kein Nachweis für Hopfen allein.Erwachsene mit leichten Schlafproblemen | VorläufigVorläufige Forschung. Erste kleine Studien deuten einen Effekt an, sind aber noch nicht repliziert. | CEvidenzqualität C. Gemischte oder begrenzte Evidenz. Kleine Studien, Signale, oder traditionelle Anwendung mit EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Gemischte Befunde | [3][4][7] | |
| Schlafqualität (Hopfen allein)Für Hopfen allein fehlen ausreichend zuverlässige Studien zur Behandlung von Schlafstörungen. Die kleine Untersuchung von Franco und Kollegen 2012 betraf alkoholfreies Bier, nicht einen reinen Hopfenextrakt, und hatte keine Vergleichsgruppe mit einem Scheinpräparat. Die EMA stützt die Anwendung als Schlafhilfe auf die langjährige Tradition.Erwachsene mit leichten Schlafproblemen | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Wirksamkeit unzureichend belegt | [6][1] | |
| Nervöse Unruhe (traditionelle Anwendung)Hopfen wird traditionell bei Unruhe verwendet; auch die Kommission E führt dieses Anwendungsgebiet an. Daraus ergibt sich kein gemessener Behandlungseffekt. Das Hopfenkissen ist als Hausmittel überliefert, seine Wirkung aber nicht zuverlässig klinisch belegt.Erwachsene mit leichter Unruhe oder Anspannung | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | [6] | |
| Leichter Stress (traditionelle Anwendung)Die EMA nennt die Linderung leichter Stresssymptome als traditionelle Anwendung. Diese Einstufung beruht auf langjähriger Verwendung und bedeutet nicht, dass die Wirkung durch ausreichend zuverlässige klinische Studien belegt ist.Erwachsene mit leichtem Stress | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | [6] |
Anwendung
Formen und Zubereitung
Für einen Schlaftee übergießt du 0,5 bis 1 Gramm getrocknete, zerkleinerte Hopfenzapfen mit 150 bis 200 Millilitern kochendem Wasser. Deck die Tasse zu, lass den Tee zehn bis fünfzehn Minuten ziehen und seihe ihn ab. Beachte gegebenenfalls die Zubereitungshinweise des Arzneitees. Der Aufguss schmeckt deutlich bitter; etwas Honig kann den Geschmack abrunden. Die EMA nennt für die Einnahme eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen. Für ein Hopfenkissen werden getrocknete Hopfenzapfen in ein kleines Kissen gefüllt und neben den Kopf gelegt, manchmal zusammen mit Lavendel. Die Füllung gibt mit der Zeit weniger Duft ab und kann dann erneuert werden. Das Kissen ist ein überliefertes Hausmittel; eine verlässlich schlaffördernde Wirkung ist damit nicht belegt. Klinische Studien betreffen vor allem bestimmte eingenommene Baldrian-Hopfen-Extrakte.
Dosierung
Die folgenden EMA-Angaben gelten ab zwölf Jahren: Bei leichtem Stress werden 0,5 Gramm zerkleinerte Hopfenzapfen pro Aufguss bis zu viermal täglich verwendet. Als Schlafhilfe sind es 0,5 bis 1 Gramm, jeweils in 150 bis 200 Millilitern kochendem Wasser, eine halbe bis eine Stunde vor dem Zubettgehen. Für Extrakte und Kombinationen mit Baldrian gilt die jeweilige Packungsbeilage; Milligrammangaben verschiedener Extrakte sind nicht direkt vergleichbar. Wenn Beschwerden unter Hopfen allein länger als zwei Wochen anhalten oder sich verschlechtern, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Für Kombinationsarzneimittel gelten die Hinweise der jeweiligen Packungsbeilage. Für das Hopfenkissen gibt es keine medizinisch belegte Dosierung. Es ersetzt keine Abklärung anhaltender Schlafprobleme.
Sicherheit
Verwechslungen
Häufige Fragen
Was ist ein Hopfenkissen?
Ein Hopfenkissen ist ein kleines Kissen mit getrockneten Hopfenzapfen, manchmal mit Lavendel gemischt. Du legst es neben den Kopf; es gibt einen aromatischen Duft ab. Als Hausmittel für den Schlaf ist es seit langem überliefert, doch eine verlässliche Wirkung ist klinisch nicht belegt. Wenn der Duft nachlässt, kann die Füllung erneuert werden.
Soll ich Hopfen mit Baldrian kombinieren?
Bestimmte Baldrian-Hopfen-Extrakte wurden gemeinsam untersucht und haben eine eigene EMA-Monografie. Die Studien zeigen teils Verbesserungen, teils nur geringe Unterschiede zu Placebo. Das gilt für die untersuchten Zubereitungen, nicht automatisch für selbst gemischte Tees. Ob ein Kombinationsarzneimittel für dich passt, kannst du in der Apotheke oder ärztlich klären. Für Hopfen allein ist die Wirksamkeit bei Schlafstörungen weniger gut belegt.
Ist Hopfen hormonell aktiv?
Ja, zumindest in Laborversuchen: Der Inhaltsstoff 8-Prenylnaringenin kann ähnlich wie Östrogen wirken. Wie bedeutsam das bei einem bestimmten Hopfenpräparat ist, hängt unter anderem vom Gehalt und von der Aufnahme im Körper ab. Bei einer Erkrankung, deren Verlauf durch Hormone beeinflusst werden kann, oder während einer Hormontherapie solltest du konzentrierte Präparate daher vorab ärztlich abklären. Aus dem Laborbefund allein lässt sich das persönliche Risiko nicht beziffern.
Kann man Hopfen einnehmen, wenn man Bier nicht verträgt?
Das hängt davon ab, worauf du im Bier reagierst. Bier enthält neben Hopfen weitere mögliche Auslöser; aus einer Unverträglichkeit lässt sich deshalb weder eine Hopfenallergie noch die sichere Verträglichkeit von Hopfenpräparaten ableiten. Lass die Ursache bei unklaren oder allergischen Reaktionen abklären, bevor du ein Präparat ausprobierst. Bei bekannter Hopfenallergie solltest du Hopfen auch als Tee oder Kissen meiden.
7 Belege.
- Lourdes Franco; Cristina Sánchez; Rafael Bravo; Ana B. Rodríguez; Carmen Barriga; Eulalia Romero; Javier Cubero. The sedative effect of non-alcoholic beer in healthy female nurses. 2012. doi:10.1371/journal.pone.0037290
- Niteeka Maroo; Avijit Hazra; Tapas Das. Efficacy and safety of a polyherbal sedative-hypnotic formulation NSF-3 in primary insomnia in comparison to zolpidem: a randomized controlled trial. 2013. doi:10.4103/0253-7613.106432
- U. Koetter; E. Schrader; R. Käufeler; A. Brattström. A randomized, double blind, placebo-controlled, prospective clinical study to demonstrate clinical efficacy of a fixed valerian hops extract combination (Ze 91019) in patients suffering from non-organic sleep disorder. 2007. doi:10.1002/ptr.2167
- Charles M. Morin; Uwe Koetter; Célyne Bastien; J. Catesby Ware; Virgil Wooten. Valerian-hops combination and diphenhydramine for treating insomnia: a randomized placebo-controlled clinical trial. 2005. doi:10.1093/sleep/28.11.1465
- S. R. Milligan; J. C. Kalita; A. Heyerick; H. Rong; L. De Cooman; D. De Keukeleire. Identification of a potent phytoestrogen in hops (Humulus lupulus L.) and beer. 1999. doi:10.1210/jcem.84.6.5887
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Community herbal monograph on Humulus lupulus L., flos, Revision 1. 2014. Quelle
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Valeriana officinalis L., radix and Humulus lupulus L., flos, Revision 1. 2019. Quelle
Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.