Eibisch
In Kürze
Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen
Eibisch hat eine lange schriftliche Geschichte. Dioskurides beschreibt althaia in der Antike, Culpeper später ausdrücklich die Wurzel bei Husten und Heiserkeit. Die historischen Anwendungen unterscheiden sich jedoch. Nicht jede der hier erfassten Traditionen ist durch eine eigene, genau zugeordnete Textstelle belegt. Aus der Überlieferung allein folgt daher weder eine lückenlose Nutzung noch eine klinisch gesicherte Wirkung.
Im Mittelpunkt stehen die Schleimstoffe der Wurzel. Sie quellen in Wasser auf und können die gereizte Schleimhaut benetzen. Das macht die traditionelle Anwendung bei Halsreiz und trockenem Husten nachvollziehbar. Studien am Menschen liefern bisher aber nur begrenzte Aussagen. Berichte über eine Besserung ohne Vergleichsgruppe können nicht zeigen, wie viel davon tatsächlich auf Eibisch zurückgeht.
Die EMA beschreibt Eibischwurzel bei Halsreiz mit trockenem Husten und bei leichten Magen-Darm-Beschwerden jeweils als traditionelles Arzneimittel. Für Hals und Husten kommen bestimmte Zubereitungen ab drei Jahren infrage, für Magen-Darm-Beschwerden der Wurzeltee ab zwölf Jahren. Es gelten weitere Grenzen je Präparat. Zu anderen Medikamenten empfiehlt die EMA vorsorglich eine halbe bis eine Stunde Abstand, weil deren Aufnahme verzögert werden könnte.
Klinische Evidenz ↔ Historische BedeutungWir zeigen zwei getrennte Kategorien von Evidenz: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.Mehr lesen
In jedem unserer Lexikoneinträge bewerten wir zwei unterschiedliche Kategorien von Evidenz: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.
Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.
Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.
Überblick
Eibisch (Althaea officinalis) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Malvengewächse. Vor allem seine Wurzel ist als traditionelles Mittel bei gereiztem Hals und trockenem Husten bekannt. Sie enthält Schleimstoffe, die in Wasser aufquellen. Eine solche Zubereitung kann sich als schützender Film auf die gereizte Schleimhaut legen. Auch Blätter werden traditionell verwendet; sie sind aber nicht mit der Wurzel gleichzusetzen.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) beschreibt bestimmte Eibischwurzel-Präparate bei Halsreiz mit trockenem Husten und bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Beide Anwendungen beruhen auf langjähriger Verwendung, nicht auf einem ausreichend gesicherten klinischen Wirksamkeitsnachweis. Die Angaben gelten für die Wurzel und die jeweils beschriebene Zubereitung. Die gleichnamigen Marshmallow-Süßigkeiten enthalten heute meist keinen Eibisch und sind kein Ersatz für ein Arzneimittel.
Geschichte
Eibisch ist bereits in der antiken Arzneimittelliteratur beschrieben. Dioskurides nennt im ersten Jahrhundert eine Pflanze namens althaia und erwähnt, dass ihre Wurzel Wasser verdickt. Seine Anwendungen betreffen unter anderem Wunden und Schwellungen; sie entsprechen nicht einfach den heutigen Hustenindikationen. Plinius beschreibt ebenfalls Malven und Eibisch. In Culpepers Kräuterbuch findet sich später eine ausdrückliche Verwendung der Eibischwurzel bei Husten und Heiserkeit. Die oft erzählte Geschichte einer altägyptischen Honigsüßigkeit ist mit den hier angeführten Quellen nicht belegt.
Eibischwurzel gehört auch im deutschsprachigen Raum zur überlieferten Pflanzenheilkunde. Ein konkreter österreichischer Beleg ist der Eibischsirup im Österreichischen Arzneibuch von 1981, auf den sich die EMA-Monografie bezieht. Heute gibt es Wurzelpräparate als Arzneitee, Sirup und in weiteren Darreichungsformen. Die EMA ordnet ihre Anwendung als traditionell ein. Das beschreibt die lange Verwendung, ohne die Wirkung durch große klinische Studien zu bestätigen.
Wirkmechanismus
Eibischwurzel enthält Schleimstoffe, also lange Ketten aus Zuckerbausteinen, die Wasser binden. Fachquellen nennen dafür etwa 5 bis 11 Prozent der getrockneten Wurzel; der Gehalt kann schwanken. In Wasser entsteht eine leicht zähflüssige Zubereitung, die an Schleimhäuten haften kann. Diese lokale Schutzschicht ist eine plausible Erklärung für die Anwendung bei gereiztem Hals und trockenem Husten. Sie beweist für sich allein noch keinen Behandlungserfolg.
Aus dem Schleimstoffgehalt lässt sich nicht direkt ableiten, dass die Wurzel stärker wirkt oder das Blatt für Kinder sicherer ist. Auch die Behauptung, kochendes Wasser zerstöre die Schleimstoffe vollständig, ist zu pauschal: Manche Arzneitees werden kalt angesetzt und anschließend kurz zum Sieden erhitzt. Für die Zubereitung zählen deshalb die Anleitung des konkreten Produkts und die hygienische Handhabung.
Die EMA stützt die Anwendung von Eibischwurzel auf die lange Verwendung und ergänzende Untersuchungen. Sie bewertet diese Grundlage nicht als ausreichend für eine klinisch gesicherte Wirkung. Eine Arbeit von Fink und Kollegen aus 2018 umfasst zwei Befragungen von insgesamt 822 Personen, die einen bestimmten wässrigen Wurzelextrakt als Sirup oder Lutschtabletten gekauft hatten. Sie berichteten über sieben Tage über Beschwerden und Verträglichkeit. Viele empfanden eine rasche Besserung, doch es gab keine zufällige Gruppenzuteilung und keine Placebogruppe.
Solche Befragungen zeigen, wie Anwender ein Präparat beurteilen. Sie können jedoch nicht ausschließen, dass Beschwerden von selbst nachlassen oder Erwartungen das Ergebnis beeinflussen. Ergebnisse von Mischpräparaten lassen sich außerdem nicht Eibisch allein zuschreiben. Insgesamt passt die Einordnung als traditionelles Mittel: Der lokale Schutzfilm ist nachvollziehbar, das Ausmaß eines zusätzlichen Nutzens gegenüber Placebo bleibt aber unzureichend geklärt.
Wirksamkeit
| Ziel | Klasse | Note | Wirkung | Studien | Quellen |
|---|---|---|---|---|---|
| Trockener Husten bei gereiztem HalsDie EMA beschreibt bestimmte Eibischwurzel-Präparate traditionell bei Halsreiz und damit verbundenem trockenem Husten. Fink et al. (2018) befragten 822 Käufer eines wässrigen Wurzelextrakts als Sirup oder Lutschtabletten. Viele berichteten über Besserung. Ohne Placebogruppe lässt sich daraus aber kein verlässlicher zusätzlicher Nutzen ableiten. Die Ergebnisse gelten nicht automatisch für einen selbst angesetzten Tee oder für Blätter.Erwachsene und Kinder ab drei Jahren, je nach Präparat | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | [1][2] | |
| Reizung von Mund und RachenFür Reizungen von Mund und Rachen gilt dieselbe traditionelle EMA-Anwendung der Wurzel. Die Schleimstoffe können die Schleimhaut benetzen. Nutzerbefragungen zu bestimmten Sirupen und Lutschtabletten berichten eine Besserung, belegen aber ohne Vergleichsgruppe keine gesicherte Wirkung. Blätter und Blüten sind von dieser Wurzelmonografie nicht erfasst.Erwachsene und Kinder ab drei Jahren, je nach Präparat | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | [1][2] | |
| Leichte Magen-Darm-Reizung (traditionelle Anwendung)Die EMA beschreibt Eibischwurzel traditionell zur Linderung leichter Magen-Darm-Beschwerden. Das ist kein klinischer Nachweis einer Behandlung von Magenerkrankungen. Für den Wurzeltee gilt diese Anwendung ab zwölf Jahren; der beschriebene alkoholische Flüssigextrakt ist erst für Erwachsene vorgesehen. Die Empfehlung für Hals und Husten darf nicht unverändert auf diese Anwendung übertragen werden.Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene, abhängig von der Zubereitung | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | DEvidenzqualität D. Vorläufige Hinweise. Eine kleine Studie, ein Pilotbefund oder Labor- bzw. Tiermodell. Klinische Relevanz unklar. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Traditionelle Anwendung | [1] | |
| Schleimstoffgehalt (botanische Tatsache)Fachquellen beschreiben für die getrocknete Eibischwurzel etwa 5 bis 11 Prozent Schleimstoffe. Der Gehalt hängt unter anderem vom Pflanzenmaterial ab. Das erklärt eine Eigenschaft der Wurzel, ist aber keine klinische Effektgröße. Ein Rekord als schleimstoffreichste Pflanze und eine feste Wirkstärke im Vergleich zum Blatt sind damit nicht belegt.Untersuchungen zur Zusammensetzung der Eibischwurzel | TraditionellTraditioneller Gebrauch. Lange Anwendung in Volksmedizin oder offizieller EMA HMPC Monographie zur traditionellen Anwendung. | IEvidenzqualität I (Unzureichend). Nicht genug Evidenz für eine Aussage. Weitere Forschung notwendig. Dies ist eine Evidenzbewertung, kein Produktversprechen. | Botanische Tatsache |
Anwendung
Formen und Zubereitung
Eibischwurzel wird häufig kalt angesetzt. Verwende dafür Arzneitee und die auf der Packung genannte Menge, Wassermenge und Ziehzeit. Für jede Portion brauchst du ein sauberes Gefäß; verwende den fertigen Ansatz gleich nach der Zubereitung. Bereite ihn nicht auf Vorrat für den ganzen Tag zu. Falls die Anleitung ein kurzes Erhitzen zum Sieden vorsieht, gehört dieser Schritt zur Zubereitung. Die Behauptung, Eibisch dürfe niemals aufgekocht werden, trifft nicht zu. Weitere Formen sind Sirupe und Lutschtabletten mit Eibischwurzel-Auszügen. Die Zusammensetzung und Altersgrenze können sich unterscheiden, besonders bei Mischpräparaten. Einen Tee trinkst du in kleinen Schlucken; eine geeignete Lutschtablette lässt du langsam im Mund zergehen. Die traditionelle äußerliche Verwendung, etwa in Auflagen, ist von den hier beschriebenen EMA-Anwendungen zu unterscheiden. Halte zu anderen Arzneimitteln den empfohlenen Abstand ein.
Dosierung
Die Menge richtet sich nach der Anwendung und dem Präparat. Für Halsreiz und trockenen Husten nennt die EMA bei Jugendlichen ab zwölf Jahren und Erwachsenen 0,5 bis 3 g zerkleinerte Wurzel in 150 ml Wasser pro Kaltansatz, mehrmals täglich, höchstens 15 g Wurzel am Tag. Für leichte Magen-Darm-Beschwerden sind es ab zwölf Jahren 2 bis 5 g in 150 ml Wasser, dreimal täglich, ebenfalls höchstens 15 g am Tag. Das sind Angaben zur Wurzel, nicht zur gleichen Grammmenge eines Extrakts. Bei fertigen Präparaten gilt die Packungsangabe. Kinder brauchen die für ihr Alter und das jeweilige Präparat vorgesehene Dosis. Die Erwachsenenmenge lässt sich nicht einfach nach Körpergewicht umrechnen. Für andere Arzneimittel zum Einnehmen empfiehlt die EMA vorsorglich eine halbe bis eine Stunde Abstand vor oder nach Eibisch; beachte auch deren eigene Einnahmehinweise. Halten Halsreiz oder Husten länger als eine Woche an, lass sie ärztlich abklären. Bei Magen-Darm-Beschwerden nennt die EMA zwei Wochen, bei einer Verschlechterung ist schon früher ärztlicher Rat nötig.
Sicherheit
Verwechslungen
Ähnliche Pflanzen und Verwechslungen
Wilde Malve / Käsepappel (Malva sylvestris)
Die Wilde Malve (Käsepappel, Malva sylvestris) gehört ebenfalls zu den Malvengewächsen. Ihre Blüten sind meist kräftiger rosa bis violett und deutlich dunkel geadert. Auch sie enthält Schleimstoffe, ist aber eine andere Heilpflanze. Angaben zu Eibischwurzel-Präparaten lassen sich nicht auf Malvenblätter oder Malvenblüten übertragen.
Zum Eintrag: Malve (Käsepappel)Stockrose (Alcea rosea)
Die Stockrose (Alcea rosea) gehört ebenfalls zu den Malvengewächsen und ist in Bauerngärten verbreitet. Sie fällt meist durch ihren hohen Wuchs und die großen, auffälligen Blüten auf. Sie ist eine andere Art. Die EMA-Angaben zur traditionellen Anwendung von Eibischwurzel gelten ausdrücklich für Althaea officinalis, nicht für Stockrosen.
Häufige Fragen
Ist die Eibischpflanze dasselbe wie die Marshmallow-Süßigkeit?
Nein. Die Heilpflanze heißt auf Englisch marshmallow und gab auch der Süßigkeit ihren Namen. Heutige Marshmallows bestehen meist aus Zucker, Sirup und einem Geliermittel; gewöhnlich enthalten sie keinen Eibisch. Die oft erzählte Geschichte einer altägyptischen Süßigkeit aus Eibisch und Honig ist mit den hier verwendeten Quellen nicht gesichert. Gegen Halsreiz beschriebene Arzneimittel enthalten genau festgelegte Wurzelzubereitungen, keine gewöhnlichen Marshmallow-Süßigkeiten.
Wie bereite ich einen Kaltauszug zu?
Verwende Eibischwurzel als Arzneitee und halte dich an die Packungsanleitung für Menge, Wassermenge und Ziehzeit. Kaltansätze sind hygienisch empfindlich: Bereite jede Portion frisch in einem sauberen Gefäß zu und verwende sie gleich nach der Zubereitung. Manche Produkte schreiben anschließend ein kurzes Erhitzen zum Sieden vor. Ein pauschales Kochverbot ist deshalb falsch. Blätter oder Blüten solltest du nicht ohne passende Anleitung anstelle der Wurzel verwenden.
Wurzel oder Blatt, was soll ich nehmen?
Die EMA-Angaben in diesem Artikel betreffen die Wurzel. Auch Eibischblätter werden traditionell verwendet, doch die Wurzelmonografie gilt nicht für sie oder für die Blüten. Aus dem Schleimstoffgehalt folgt weder eine nachgewiesene stärkere Wirkung der Wurzel noch eine bessere Eignung der Blätter für Kinder. Wähle ein Präparat mit klarer Angabe zu Pflanzenteil, Anwendung und Altersgrenze.
Ist Eibischsirup für Kinder sicher?
Das hängt vom Präparat und vom Alter ab. Die EMA beschreibt bestimmte Wurzelzubereitungen bei Halsreiz und trockenem Husten ab drei Jahren. Feste Formen wie Lutschtabletten sind unter sechs Jahren nicht vorgesehen; der alkoholische Flüssigextrakt der Monografie erst ab 18 Jahren. Unter drei Jahren sollte Husten ärztlich beurteilt werden. Für Magen-Darm-Beschwerden gelten andere Grenzen. Beachte immer die Packungsangaben und den Zuckergehalt eines Sirups. Blattsirup ist nicht automatisch die sicherere Kinderwahl.
2 Belege.
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products. European Union herbal monograph on Althaea officinalis L., radix. 2016. Quelle
- Careen Fink; Mathias Schmidt; Karin Kraft. Marshmallow Root Extract for the Treatment of Irritative Cough: Two Surveys on Users’ View on Effectiveness and Tolerability. 2018. doi:10.1159/000489560
Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.