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Eibisch

Althaea officinalis
WofürFür alle mit trockenem, kratzigem, kitzelndem Reizhusten oder gereiztem Hals. Der Kaltauszug aus Wurzel oder Blatt ist die sanfte, gut verträgliche traditionelle Wahl zur Beruhigung gereizter Schleimhäute.
Klinische Evidenz
Historische Bedeutung
96Außergewöhnlich hohe historische Bedeutung
SicherheitGut verträglichDer Eibisch hat als sanfte Schleimstoffpflanze eine lange, gut bewährte Sicherheitsgeschichte über alle Altersgruppen hinweg einschließlich kleiner Kinder und Schwangerschaft und wird von der EMA HMPC unter bewährter Anwendung geführt. Der wichtigste praktische Vorbehalt ist die Verzögerung der Aufnahme gleichzeitig eingenommener Tabletten: halte ein bis zwei Stunden Abstand zwischen Eibisch und jedem oralen Medikament. Sehr selten allergische Reaktionen, Zuckergehalt in gesüßten Sirupen bei Diabetes.
Tradition
Übliche Zubereitungen
Eibisch WurzelEibisch BlätterKalt AufgussSirupLutschtablettenKindersirup

In Kürze

Zusammenfassung der Erkenntnisse zum schnellen Nachschlagen

Der Eibisch gehört zu den am tiefsten belegten reizmildernden Pflanzen der europäischen Tradition. Der griechische Name althaia stammt von althaino, heilen, und die schriftliche Überlieferung reicht ohne lange Lücken von Dioskurides und Plinius im ersten Jahrhundert über die griechisch-arabische und die Unani-Materia-medica, wo er als khatmi bekannt war, die karolingischen Klostergärten, die Renaissance-Kräuterbücher von Bock, Fuchs und Lonicerus und Culpeper im Jahr 1653 bis zum lebendigen österreichischen und süddeutschen Bauerngarten-Hustensirup. Elf Traditionen treffen sich bei derselben Anwendung, der Beruhigung von gereiztem Mund und Rachen und von trockenem Husten. Deshalb steht dieser Eintrag in der höchsten Stufe der historischen Bedeutung. Dieselbe mit Honig eingekochte Wurzel der Antike gab auch der modernen Marshmallow-Süßigkeit den Namen, obwohl diese Süßigkeit heute keinen Eibisch mehr enthält.

Die Studienlage stützt sich mehr auf Pharmakologie und Tradition als auf große Studien. Der wirksame Bestandteil ist der Schleimstoff, ein Komplex aus Polysacchariden, der in der Wurzel bis zu etwa dreißig Prozent des Trockengewichts erreicht, der höchste in einer Pflanze dokumentierte Gehalt, und im Blatt etwa fünf bis zehn Prozent. In Wasser bildet er eine gleitende Lösung, die einen dünnen Schutzfilm über das gereizte Gewebe legt, und das ist der Mechanismus hinter der reizmildernden Wirkung. Die meisten modernen klinischen Arbeiten haben Kombinationssirupe geprüft, Eibisch zusammen mit Thymian, Efeu oder Spitzwegerich, und nicht Eibisch allein, und diese Studien sind in der Regel klein. Am ehrlichsten beschreibt man den Eibisch als sanfte, gut verträgliche Schleimstoffpflanze mit klarem Mechanismus und langer Tradition, nicht als Pflanze mit einer großen Zahl randomisierter Einzelstoffstudien.

Die europäische Behörde erkennt diese Anwendung an. Die EMA-HMPC-Monografie für die Eibischwurzel (Althaeae radix) umfasst die bewährte Anwendung zur Linderung der Reizung von Mund- und Rachenschleimhaut mit begleitendem trockenem Husten sowie die traditionelle Anwendung bei leichter Magen-Darm-Reizung. Die gesonderte Monografie für das Eibischblatt (Althaeae folium) trägt nur eine traditionelle Anwendung, der Status der bewährten Anwendung gilt also der Wurzel. Ein praktischer Vorbehalt ist wichtig: Derselbe filmbildende Schleimstoff, der den Hals beruhigt, verlangsamt auch die Aufnahme anderer oraler Arzneimittel. Halte deshalb ein bis zwei Stunden Abstand zwischen einer Eibischzubereitung und jeder Tablette.

Klinische Evidenz ↔ Historische Bedeutung
Wir zeigen zwei getrennte Evidenz-Kategorien: klinische Evidenz aus modernen Studien und historische Bedeutung aus dokumentierter Heiltradition. Beide sind wertvoll, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
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In jedem unserer Lexikon-Einträge bewerten wir zwei unterschiedliche Evidenz-Kategorien: Die in Studien verwendete klinische Evidenz erfüllt einen engeren, aber für die wissenschaftliche Beweisführung wichtigen Maßstab. Gleichzeitig sind die hunderttausenden weltweit vorkommenden Pflanzenarten bis heute nur teilweise in modernen Studien erfasst und getestet worden.

Darüber hinaus erheben unsere Experten für jeden Eintrag einen umfassenden Überblick darüber, wo und seit wann eine Pflanze in verschiedenen Naturheilkundetraditionen zum Einsatz gekommen ist. Wenn eine Pflanze in zahlreichen Kulturen über viele Generationen hinweg als Heilpflanze verwendet wurde, sollte auch diese historische Bedeutung sichtbar werden.

Wir meinen: Ein wirklich aussagekräftiger Überblick entsteht erst, wenn beide Kategorien nebeneinander dargestellt werden. Was in welche Kategorie fällt, kommunizieren wir hier transparent.

01
Überblick

Überblick

Der Eibisch (Althaea officinalis) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae) mit einem der markantesten phytochemischen Profile in der europäischen Heilpflanzentradition: die Wurzel enthält bis zu dreißig Prozent Schleimstoffe, der höchste Gehalt, der in einer Pflanze dokumentiert ist. Verwendet werden Wurzel und Blatt. Die Schleimstoffe bilden auf den Schleimhäuten von Mund, Rachen und Magen einen reizmildernden Film, und genau das ist die Grundlage für den langen traditionellen Gebrauch des Eibischs bei trockenem Reizhusten und gereizter Rachenschleimhaut. Daneben stehen Pektin und Asparagin.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur () führt die Eibischwurzel in einer Monografie zur bewährten Anwendung (well-established use) bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie damit verbundenem trockenem Reizhusten, während das Eibischblatt in einer Monografie zur traditionellen Anwendung bei denselben Beschwerden geführt wird, und in einer Monografie zur traditionellen Anwendung bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Ein häufiger Verwechslungspunkt gehört gleich am Anfang geklärt: die weißen Marshmallow-Süßigkeiten aus dem Supermarkt sind heute eine Gelatine-Zucker-Süßigkeit und enthalten keinen Eibisch mehr. Sie teilen sich nur den Namen und eine alte Rezeptgeschichte.

02
Geschichte

Geschichte

Die Verwendung von Althaea officinalis reicht mindestens zweieinhalb Jahrtausende zurück. Altägyptische Texte beschreiben eine süße Zubereitung, in der die Eibischwurzel mit Honig eingekocht wurde, und diese Süßigkeit hat in stark veränderter Form später der modernen Marshmallow-Süßigkeit den Namen gegeben. Dioskurides und Plinius haben den Eibisch bei Entzündungen von Mund, Rachen und Magen beschrieben. In der mittelalterlichen Klostermedizin war Eibischwurzel und Eibischblatt ein fester Bestandteil der Husten- und Halsmittel, und in den karolingischen Klostergärten wurde er als Heilpflanze angebaut, festgehalten in Walahfrid Strabos Gartengedicht Hortulus um 840. Die Renaissance-Kräuterbücher von Bock 1539 und Fuchs 1542 sowie Culpepers Complete Herbal von 1653 beschreiben den Eibisch bei Husten und Heiserkeit.

In der österreichischen und süddeutschen Tradition ist der Eibisch eines der klassischen Hustenkräuter aus dem Bauerngarten. Er stand neben Thymian, Salbei und Melisse im Bauerngarten und im Apothekergarten, und die getrocknete Wurzel war ein Standardbestandteil des Familien-Hustensirups, der jeden Herbst angesetzt wurde. Viele regionale Apotheken führen bis heute getrocknete Eibischwurzel und verkaufen hausgemachten Eibischsirup für Kinder. Die Europäische Arzneimittel-Agentur () führt die Eibischwurzel in einer Monografie zur bewährten Anwendung bei Mund- und Rachenschleimhautreizungen mit trockenem Reizhusten, das Eibischblatt dagegen in einer Monografie zur traditionellen Anwendung und schreibt damit Jahrhunderte der häuslichen Praxis fort.

03
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus

Der wirksame Bestandteil des Eibischs ist die Schleimstofffraktion, ein Komplex aus Polysacchariden, der in der getrockneten Wurzel bis zu dreißig Prozent und im getrockneten Blatt etwa fünf bis zehn Prozent des Trockengewichts ausmachen kann. Sobald kaltes Wasser auf das getrocknete Pflanzenmaterial trifft, hydratisieren die Schleimstoffe und bilden eine zähflüssige, gleitende Lösung. Im Mund und Rachen legt sich diese Lösung als dünner schützender Film über die gereizte Schleimhaut. Der Film trennt das gereizte Gewebe mechanisch von der trockenen Atemluft und vom Reibungsreiz beim Husten, weshalb der Eibisch vor allem bei trockenem, kratzigem, kitzelndem Reizhusten hilfreich ist und weniger bei produktivem Husten mit zähem Schleim.

Zwei praktische Konsequenzen ergeben sich aus diesem Mechanismus. Erstens hat die Wurzel einen deutlich höheren Schleimstoffgehalt als das Blatt, sodass Wurzelzubereitungen bei Hals- und Hustenreiz stärker wirken, während das Blatt sanfter ist und oft für empfindliche Schleimhäute und für Kinder bevorzugt wird. Zweitens sind Schleimstoffe hitzeempfindlich: die Polysaccharide werden bei Kochtemperaturen zerstört. Die traditionelle Zubereitung ist deshalb ein Kaltauszug, bei dem die zerkleinerte Wurzel oder das Blatt sechs bis acht Stunden in kaltem oder lauwarmem Wasser zieht, und nicht mit kochendem Wasser übergossen wird. Pektin und Asparagin werden neben den Schleimstoffen untersucht, sind in der EMA Einordnung aber sekundär.

Die Einstufung der Eibischwurzel als bewährte Anwendung (well-established use), während das Eibischblatt unter traditioneller Anwendung geführt wird, stützt sich auf einen langen, in sich konsistenten Erfahrungsbericht aus Haushalt und Praxis, ergänzt durch eine kleinere Zahl moderner Studien. Die meisten klinischen Arbeiten sind an Kombinationssirupen durchgeführt worden (Eibisch zusammen mit Thymian, Efeu, Spitzwegerich oder anderen traditionellen Hustenkräutern), nicht an Eibisch als Einzelwirkstoff, was widerspiegelt, wie die Pflanze in der mitteleuropäischen Praxis seit jeher verwendet wird. Die Studien sind in der Regel klein, berichten aber von Verbesserungen bei Rachenreizung und Hustenhäufigkeit über die jeweiligen Studienzeiträume.

Insgesamt entsteht das Bild einer Pflanze mit langer Tradition und einer kleineren, aber in sich stimmigen modernen Evidenzbasis, die im Rahmen an der Grenze zwischen traditioneller und bewährter Anwendung steht. Die Einstufung als bewährte Anwendung ist im dokumentierten Schleimstoff-Profil verankert, in der durchgängigen Verwendung als Hals- und Hustenmittel über Jahrhunderte europäischer Praxis und in den ergänzenden kleineren klinischen Arbeiten. Der Eibisch ist am ehrlichsten beschrieben als sanfte, gut verträgliche Schleimstoffpflanze, deren Wirkmechanismus die lokale Filmbildung auf der gereizten Schleimhaut ist und nicht eine systemische pharmakologische Wirkung.

04
Wirksamkeit

Wirksamkeit

4 Outcomes evaluiert. Sortierung: Note absteigend.
ZielKlasseNoteWirkungStudien
Adults and children with dry, scratchy, tickling cough
Leichte Verbesserung6 Studien
Adults and children with sore, inflamed throat tissue
Leichte Verbesserung5 Studien
Adults with mild GI discomfort
Traditionelle Anwendung
Phytochemical characterisation of Althaea officinalis
Botanische Tatsache
05
Anwendung

Anwendung

Formen und Zubereitung

Die klassische Zubereitung ist der Kaltauszug. Gib einen bis zwei Teelöffel zerkleinerte getrocknete Eibischwurzel (oder zwei bis drei Teelöffel getrocknete Blätter) in eine Tasse oder kleine Karaffe, übergieße sie mit kaltem oder lauwarmem Wasser und lass den Aufguss sechs bis acht Stunden stehen, gelegentlich umrühren. Das Wasser wird dickflüssig, leicht gleitend und mild süßlich. Abseihen und auf Zimmertemperatur trinken, oder in einem Topf vorsichtig auf Körpertemperatur erwärmen, niemals aufkochen. Die kalte Methode erhält die Schleimstoffe; übergießt du den Eibisch mit kochendem Wasser, werden die Polysaccharide zerstört und die Tasse wird deutlich schwächer und weniger reizmildernd. Eibisch ist auch in fertigen Zubereitungen weit verbreitet: Hustensirupe aus der Apotheke, Lutschtabletten bei Halsreiz und Kindersirupe auf Wurzelextrakt. Bei akutem trockenem Reizhusten oder kratzigem Hals trinkst du den Kaltauszug am besten in kleinen Schlucken über den Tag verteilt, oder du lässt eine Lutschtablette langsam zergehen, damit der Schleimstoff die Rachenschleimhaut gleichmäßig benetzt. Eibischwurzel wird gelegentlich auch in äußerlichen Auflagen bei Hautreizungen verwendet, der Hauptanwendungsbereich ist aber Hals und Husten. Halte mindestens ein bis zwei Stunden Abstand zwischen einer Eibischzubereitung und anderen oralen Medikamenten, damit der Schleimstoff die Aufnahme der Tablette nicht verzögert.

Dosierung

Bei trockenem Reizhusten oder kratzigem Hals sind drei Tassen Kaltauszug pro Tag der traditionelle Bereich, langsam getrunken und kurz im Mund gehalten, bevor du schluckst. Bei Lutschtabletten und fertigen Sirupen richtest du dich nach der Packungsangabe; die meisten Erwachsenensirupe werden drei- bis viermal täglich während der akuten Phase eingenommen, Kindersirupe sind nach Körpergewicht niedriger dosiert. Die akute Anwendung ist meist kurzzeitig, einige Tage bis ein bis zwei Wochen, bis sich der Hals beruhigt hat. Eine tägliche Dauer­anwendung über lange Zeit ist nicht die typische Indikation. Eibisch ist mild und in der Regel gut verträglich. Der wichtigste praktische Punkt in der Dosierung ist der ein- bis zweistündige Abstand zwischen Eibisch und jedem oralen Medikament: der Schleimstofffilm, der die reizmildernde Wirkung macht, verzögert gleichzeitig die Aufnahme von Tabletten. Nimm verschreibungspflichtige Medikamente zuerst und warte ein bis zwei Stunden bis zur Eibischzubereitung, oder andersherum mit demselben Abstand. Für Kinder folgst du der Altersdosierung des Sirups; die sanfteren Blattzubereitungen werden meist gegenüber den stärkeren Wurzelpräparaten für sehr kleine Kinder bevorzugt.

06
Sicherheit

Sicherheit

Sicherheitsprofil
Eibisch ist eine der sanftesten und am besten verträglichen Pflanzen der europäischen Heilpflanzentradition, mit einem langen häuslichen Erfahrungsbericht über alle Altersgruppen hinweg einschließlich kleiner Kinder und Schwangerschaft. Der einzige wirklich wichtige praktische Vorbehalt ist der Verzögerungseffekt bei der Aufnahme: der Schleimstoff, der den Hals beruhigt, verlangsamt gleichzeitig die Aufnahme jedes oralen Medikaments, das du gleichzeitig einnimmst. Halte mindestens ein bis zwei Stunden Abstand zwischen Eibisch und jeder Tablette, die du regelmäßig einnimmst. Diese Wechselwirkung ist real und praktisch, nicht theoretisch, sie ist aber durch zeitliche Trennung gut beherrschbar. Allergische Reaktionen auf Eibisch sind sehr selten, aber wie bei jeder Pflanze möglich. Bei Diabetes solltest du vorsichtig mit kommerziell gesüßten Hustensirupen auf Eibischwurzel sein: viele Sirupe enthalten eine relevante Zuckermenge, und die Dosis sollte zum Kohlenhydratplan passen. In der Schwangerschaft gilt eine moderate Menge Eibischtee nach traditionellem Erfahrungsbericht als sicher und ist auch in der EMA HMPC Monografie nicht ausdrücklich eingeschränkt; konzentrierte Extrakte und größere tägliche Mengen besprichst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Wurzel und Blatt sind in moderater Anwendung lebensmittelsicher; Empfindlichkeitsreaktionen in der Literatur sind Einzelfallberichte.
07
Verwechslungen

Verwechslungen

Botanik
Familie
Malvaceae
Heimische Regionen
Europe (native), Western Asia (native), Austria and southern Germany (Bauerngarten and Apothekergarten cultivation), Central Europe (cultivated), North America (naturalised)
Erntezeit
Root October to March in the second to third year; leaves June to August
Lebensraum
Heimisch in Europa und Westasien, besonders in Salzwiesen, feuchten Wiesen und an den Ufern langsam fließender Bäche und Flüsse. In Österreich und Süddeutschland wird der Eibisch heute vor allem als Gartenpflanze im Bauerngarten und im Apothekergarten kultiviert, kommt aber in geeigneten feuchten Standorten auch wild vor. Eibisch verträgt feuchten, manchmal leicht salzigen Boden und steht in voller Sonne bis halbschattig. Er ist eine winterharte Staude, die jedes Jahr aus einer dicken, fleischigen Pfahlwurzel neu austreibt.
Erkennen & Sammeln
Eine hohe mehrjährige Pflanze, die in einer Saison sechzig bis hundertfünfzig Zentimeter erreicht, mit weichen, samtig fein behaarten Blättern in charakteristischer herzförmiger Gestalt mit drei bis fünf Lappen. Die Blätter sind auffällig weich, ein einfaches Erkennungsmerkmal im Feld. Hellrosa bis fast weiße fünfblütige Blüten stehen im Sommer in den Blattachseln, kleiner und leiser als die der wilden Malve. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist die Wurzel: eine tief reichende, fleischige, weiße Pfahlwurzel, die beim frischen Anschneiden eine klare, gleitende, leicht klebrige Schleimsubstanz absondert. Der Schleimfaden am Messer ist das eindeutige Zeichen.

Giftige Doppelgänger

Unangenehm

Käsepappel / Wilde Malve (Malva sylvestris)

Die Wilde Malve (Käsepappel, Malva sylvestris) ist eng mit dem Eibisch verwandt und gehört zur selben Familie der Malvengewächse. Sie enthält auch Schleimstoffe, allerdings in deutlich niedrigerer Konzentration als der Eibisch. In kommerziellen Hustensirupen werden beide Pflanzen oft kombiniert oder die Käsepappel als günstigere Ergänzung verwendet. Eine Verwechslung ist gesundheitlich unbedenklich, das Ergebnis wird aber merklich schwächer ausfallen.

Unangenehm

Stockrose (Alcea rosea)

Die Stockrose (Alcea rosea) ist eine andere Gattung in derselben Malvengewächs-Familie, in vielen österreichischen Bauerngärten als Zierpflanze verbreitet und gelegentlich mit dem Eibisch verwechselt. Sie hat ähnliche schleimstoffhaltige Eigenschaften, allerdings deutlich schwächer ausgeprägt. Für die in der EMA HMPC Monografie beschriebene bewährte Anwendung ist ausdrücklich Althaea officinalis nötig, nicht Alcea rosea.

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Häufige Fragen

Häufige Fragen

Ist die Eibischpflanze dasselbe wie die Marshmallow-Süßigkeit?

Nein, sie sind heute nicht mehr dasselbe. Altägyptische und später europäische Rezepte haben tatsächlich gekochte Eibischwurzel mit Honig zu einer weichen Süßigkeit verarbeitet, und diese alte Süßigkeit hat der modernen Marshmallow den Namen gegeben. Die weißen Marshmallow-Süßigkeiten aus dem Supermarkt sind heute jedoch eine Gelatine-Zucker-Maissirup-Süßigkeit und enthalten keinen Eibisch mehr. Die Pflanze Althaea officinalis ist die Heilpflanze, die in der EMA HMPC Monografie bei Reizhusten und Halsschmerzen beschrieben wird; die Süßigkeit aus dem Supermarkt hat damit nichts mehr zu tun.

Wie bereite ich einen Kaltauszug zu?

Die Schleimstoffe im Eibisch sind hitzeempfindlich und werden von kochendem Wasser zerstört, deshalb ist die traditionelle Zubereitung ein Kaltauszug. Gib einen bis zwei Teelöffel zerkleinerte getrocknete Wurzel (oder zwei bis drei Teelöffel getrocknete Blätter) in eine Tasse oder Karaffe, übergieße sie mit kaltem oder lauwarmem Wasser und lass den Aufguss sechs bis acht Stunden stehen, ein- oder zweimal umrühren. Das Wasser wird dickflüssig, leicht gleitend und mild süßlich. Seih ihn ab und trink ihn auf Zimmertemperatur, oder erwärme ihn ganz vorsichtig in einem Topf auf Körpertemperatur, falls du eine warme Tasse möchtest, aber bring ihn niemals zum Kochen.

Wurzel oder Blatt, was soll ich nehmen?

Die EMA HMPC führt die Wurzel unter bewährter Anwendung und das Blatt unter traditioneller Anwendung. Die Wurzel hat einen deutlich höheren Schleimstoffgehalt (bis zu dreißig Prozent des Trockengewichts) als das Blatt (etwa fünf bis zehn Prozent), daher sind Wurzelzubereitungen die stärkere Wahl bei einem akuten trockenen, kratzigen Reizhusten oder bei deutlich gereiztem Rachen. Das Blatt ist sanfter und wird oft für empfindliche Schleimhäute, für die alltägliche Halsberuhigung und für Kinder bevorzugt. Viele traditionelle österreichische Hustensirupe kombinieren Wurzel und Blatt in einer Zubereitung. Im Zweifel ist die Wurzel die klassische Wahl für die akute Phase und das Blatt für die sanftere alltägliche Anwendung.

Ist Eibischsirup für Kinder sicher?

Der Eibisch ist eines der am sanftesten verträglichen pflanzlichen Hustenmittel in der europäischen Tradition und steht in vielen Kindersirupen in Österreich, Deutschland und Mitteleuropa. Halte dich an die altersgerechte Dosierung auf der Packung; die meisten Kinderzubereitungen basieren auf dem sanfteren Blatt und nicht auf konzentriertem Wurzelextrakt. Die zwei praktischen Punkte sind der Zuckergehalt fertiger Sirupe (relevant bei Diabetes oder bei ärztlich empfohlener Zuckerreduktion) und der ein- bis zweistündige Abstand zu jeder Tablette, die das Kind sonst einnimmt. Bei sehr kleinen Kindern und Säuglingen prüfst du immer die Altersempfehlung der Packung und besprichst konzentrierte pflanzliche Zubereitungen mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.

Rechtlicher Hinweis: Die Darstellung historischer Bedeutung und traditioneller Verwendung dient der Einordnung im Rahmen unseres Pflanzenlexikons. Sie ist keine gesundheitsbezogene Angabe für ein Produkt, kein Heilversprechen und kein Ersatz für medizinische Beratung. Welche Aussagen auf Produktetiketten, Produktseiten oder in Werbung zulässig sind, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.